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Letzte Sätze, geschrieben während eines Fronturlaubs, bevor es zurück an die Ostfront ging. Willy Peter Reese, der heute über 80 Jahre alt wäre, starb im Alter von nur 23 Jahren. Am 22. Juni 1944, dem Jahrestag des deutschen Überfalls auf die Sowjetunion, trat die Rote Armee westlich von Moskau zum entscheidenden Angriff an. Unter Dauerbeschuss hielten die Deutschen die Stellung bis zum letzten Mann. Reese war einer von ihnen. Seine Leiche wurde nie gefunden. Umso bedeutender sind seine nun wieder entdeckten Aufzeichnungen, die präzise Selbstanalyse eines Menschen und seiner schrittweisen Verrohung.
"Ich breche unter dieser Schuld zusammen -- und saufe!", schreibt der feinnervige und hoch gebildete Reese im September 1943. Seine Einheit hat auf dem Rückzug vor der Roten Armee Fabriken gesprengt, Ernten vernichtet, Menschen versklavt. Reese, der sich als künftiger Dichter sah, muss miterleben, wie eine russische Gefangene zu Nackttänzen gezwungen wird. Der weit gehend apolitische Reese ist kein Widerständler, beileibe aber auch kein schweigender Mitläufer. Im Schreiben manifestieren sich Protest und Ungläubigkeit eines, der sich und sein Tun durchleuchtet und sich Tag für Tag fremder wird.
150 im Fronturlaub eng beschriebene Schreibmaschinenseiten, entstanden nach Bleistiftnotizen, die der künftige Schriftsteller Nacht für Nacht im Schützengraben anfertigte: Gerade Reeses eingeschränktes Gesichtsfeld legt die Fürchterlichkeit des Krieges in seinen scheußlichen Details erst offen. Ähnlich drastisch zeigte sich dies bereits in den anonymen Erinnerungen Eine Frau in Berlin aus den letzten Kriegstagen, dem zweiten wichtigen Buch dieses Jahres zu diesem Thema. Ein eindringlicher und literarisch ambitionierter Frontbericht. Sein Verfasser, ein unbekannter Soldat, wird dadurch für immer aus der Anonymität gerissen. --Ravi Unger -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
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Reese schildert, wie er aus seinem geregelten Leben gerissen und in den Horror des Zweiten Weltkriegs an der Ostfront gezogen wird. Reese beschreibt sehr detailliert, wenn auch ewtas blumig, da gebe ich den anderen Lesern Recht, wie er vom friedensliebenden Denker zum primitiven Abbild eines Menschen wird, nur darauf bedacht zu überleben.
Teilweise erscheint das Werk etwas lücken- oder sprunghaft, was daran liegt, dass Reeses Tagebuch als Vorlage für das Manuskript diente. Der Autor stellt hier die Erbarmungslosigkeit des Krieges dar und hält die inneren Veränderungen eines Menschen, der täglich dem Tod gegenüber steht, fest.
Für Leser, die interessante oder gar "spannende" Kriegsgeschichten erwarten, sicher ungeeignet. Für diejenigen, die sich für die Veränderungen im Seelenleben eines jungen Menschen während des Krieges interessiern empfehlenswert.
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