Das ruhige, beschauliche Leben des in die Jahre gekommenen Milou (Michel Piccoli) auf dem Landsitz in der friedvollen Provinzatmosphäre gerät ernsthaft aus den Fugen. Zunächst stirbt überraschend seine Mutter, dann fällt die Familie zur Testamentseröffnung ein und droht sein Zuhause zu verkaufen. Und in Paris weiten sich die Studentenunruhen zur nationalen Katastrophe aus.
Louis Malle hat einen "Blick aus der Ferne" des Jahres 1989 zurück auf die revolutionären Ereignisse im Mai 1968 geworfen.
Die satten, zufriedenen Menschen erfreuen sich zunächst am Umsturz. In ihren Köpfen geistert die Vorstellung von freier Liebe und ungehemmtem Drogenkonsum. Doch der Sieg wilder Gerüchte lässt sie schließlich um ihre wohlbehütete bürgerliche Existenz fürchten. Sie fliehen in die Berge und finden dort Gelegenheit sich gegenseitig grundsätzlich in Frage zu stellen.
Doch der Sturm legt sich und alle finden, nachdem das Erbe aufgeteilt ist, in ihr kleines, beschauliches Leben zurück. Oder doch nicht?
Milou tanzt zum Schluss einsam und verlassen mit seiner längst toten Mutter.
"Eine Komödie im Mai" (eigentlich "Milou im Mai") strahlt mehr Sarkasmus und Melancholie als Heiterkeit aus. Der Film wirkt leicht und unangestrengt auch dadurch, dass er Malles Prinzip "Der Zuschauer soll die Kameraarbeit nicht bemerken." genial verwirklicht. Eine besondere Kostbarkeit dieses kleinen, unaufdringlichen Meisterwerkes ist die Filmmusik von Stephane Grappelli. So ironisiert er z. B. mit einer bezaubernden Abwandlung des Themas von "Völker hört die Signale" die plötzlichen revolutionären Gefühle der Beerdigungsgesellschaft.
Als Extra befindet sich auf der DVD ein arte-Interview mit dem Drehbuchautor Jean-Claude Carrie, das nach Malles Tod entstanden ist.
Milou zitiert einen schönen Spruch von Voltaire: "Es ist förderlich für die Gesundheit. Also beschließe ich, glücklich zu sein." Vielleicht sind er und seine Enkelin die Einzigen, denen das gelingen wird.