Sie müssen nicht unbedingt ins New Yorker Guggenheim-Museum gehen, um die vorgestellten Meisterwerke kennen zu lernen (falls Sie allerdings in New York sind, wäre das sicher anzuraten). Berlin, München und Wien sind mit drei Museen vertreten, Dresden, Frankfurt, Hamburg, Köln und Zürich mit je einem, und die meisten Nachbarn der deutschsprachigen Länder finden sich im Buch ebenfalls wieder.
Dieses Buch zeigt auf, dass der Sinn eines Museumsbesuchs oft gar nicht darin liegen kann, sämtliche Exponate anzusehen, sondern dass man sich von persönlichen Interessen und Schwerpunkten leiten lassen und, wenn man den Zugang zur Kunst noch nicht recht gefunden hat, lieber wenige Bilder, über die man sich bereits zuvor gut informiert hat, in Ruhe ansehen sollte. Dank diesem Buch wird man in Marienbildern Symbole für Jungfräulichkeit und Reinheit erkennen, die dem nicht geschulten Betrachter nicht auffallen, und gerade bei den flämisch-niederländischen Genremalern erhält fast jede scheinbar alltägliche, harmlose Szene durch ein seinerzeit jedem Betrachter bekanntes Detail eine pikante, vielleicht auch düstere Bedeutung. So lässt sich aus Vermeers "Dame mit Dienstmagd und Brief" anhand einiger Attribute recht eindeutig herauslesen, dass der Brief, den die offensichtlich mit einem Kaufmann verheiratete reiche Dame von ihrer Dienstmagd erhält, von einem Verehrer stammt, den sie, da sie sich mit Perlenschmuck aufgeputzt hat, möglicherweise bereits erwartet. Der Wein auf dem Tisch "outet" sie ohnehin als nicht tugendhaft, denn für eine Dame gehörte es sich zu Vermeers Zeit nicht, zu Hause Alkohol zu trinken.
Wie erwähnt, findet der Leser zu jedem Bild auch kleine Abbildungen von wichtigen Details, in diesem Fall handelt es sich um ein chinesisches Kästchen auf dem Tisch, das den Mann der Dame als Kaufmann ausweist, den silbernen Stift, der ebenfalls den Wohlstand betont, und die verlegende und unsichere Geste, mit der die Frau sich ans Kinn greift.
Sowohl das Buch selbst als auch die einzelnen Abschnitte sind übersichtlich gegliedert. Man kann das Buch bei Interesse von vorne bis hinten lesen oder aber eine einzelne Stadt beziehungsweise ein Museum auswählen und sich darüber informieren; zu inhaltlichen Überschneidungen kommt es nicht. Die Informationen werden auch für Neueinsteiger sehr gut nachvollziehbar angeboten - zuweilen in etwas flapsiger Formulierung - und vermögen es, ein dauerhaftes Interesse an der Malerei sowohl früherer Jahrhunderte als auch der Moderne (bis hin zum Expressionismus) zu wecken. Die Abbildungen sind sämtlich farbig und von guter Qualität. Praktischerweise gibt es am Ende des Buchs Übersichten zu den Museen und Künstlern.
Das Buch bietet somit kunstinteressierten Laien und ambitionierten Touristen viel versprechende und abwechslungsreiche Möglichkeiten, sich der Malerei großer Künstler zu nähern.