Das Buch sieht für den potentiellen Leser aufgrund seines kleinen kompakten Formats recht ansprechend aus. Schnell verschwindet es in meiner Handtasche oder einem Beutel? (für die Männer unter uns). Ob in der Bahn, im Wartezimmer oder irgendwo anders, überall kann es herausgeholt und durchschmökert werden.
Das Design und das Foto sind nicht gerade die schönsten wenn ich ehrlich bin, aber das ist ja nicht das Anliegen eines Buches!
Die sehr gute Gliederung macht die ganze Sache übersichtlich und der Themenaufbau des Buches ist glücklicherweise praktisch orientiert. Die Autorin beginnt Fragen zu klären, die sich jeder Bewerber vor einem Vorstellungsgespräch stellt und bietet praktische und effiziente Ideen zur Lösung an, auf die man selbst vielleicht nicht gekommen wäre. Sehr hilfreich finde ich den Tipp der Autorin zum Thema Kleidung bei einem Vorstellungsgespräch. Sie meint, dass man sich zunächst ein Bild davon machen soll, wie man sich in der jeweiligen Branche kleidet. Dies gelingt indem man sich eine kurze Zeit vor den Eingang des Unternehmens stellt und schaut, wie die Leute aussehen. Außerdem soll man nur kleine Muster oder uni Farben bevorzugen, da beispielsweise große auffällige Motive die Aufmerksamkeit auf sich ziehen und von dem Bewerber an sich ablenken .
Bevor man als Leser auf Fragen und Antworten während eines Vorstellungsgesprächs vorbereitet wird, erläutert die Autorin, wie man mit Worten und Gestiken überzeugen kann. Ein sehr guter Tipp ist meiner Ansicht nach, dass man in realistischen Bildern und Geschichten erzählen soll, da sich der Gegenüber genau solche Erzählungen merkt und der Bewerber im Gedächtnis bleibt. Fragen zum Thema Stärken oder Schwächen sollen möglichst nicht nur mit einem Satz, wie zum Beispiel: 'Ich bin sehr kommunikativ.' abgehandelt werden, sondern in Bezug auf eine lebensnahe Situation gesetzt werden. Der Bewerber könnte sagen, dass er seitdem er denken kann sehr gut mit Menschen umgehen und kommunizieren kann. Vielleicht hat sich das in seinem beruflichen Werdegang bereits geäußert. Falls ja sollte er kreativ sein und das im Gespräch mit anbringen.
Im weiteren Verlauf geht Svenja Hofert darauf ein, wie man ein paar Schönheitsfehler erfolgreich übergehen oder positiveren kann. Mit Schönheitsfehlern meint die Autorin zum Beispiel Lücken im Lebenslauf, Tätigkeiten, die nicht in das eigentliche Berufsbild des Bewerbers passen oder auch häufige Positionswechsel. Sollte dies der Fall gewesen sein, ist ein guter Tipp, dass man dieses Thema nur kurz und nur auf Nachfrage erläutert, damit es möglichst nicht im Gedächtnis 'hängen' bleibt. Dabei ist es ganz wichtig die Schuld nicht auf alle Anderen zu schieben, sondern kritisch sich selbst gegenüber zu sein.
Zu guter Letzt erläutert sie im Abklang, wie sich ein Bewerber nach einem Vorstellungsgespräch optimal verhält, ob er sich noch einmal melden sollte, falls ja wie und wie er auf eventuelle Absagen reagieren kann wenn es mal nicht geklappt haben sollte. Als Beispiel führt Svenja Hofert eine Situation an, die leider hin und wieder einmal vorkommt. Man hat sich auf einige Stellen beworben, erhält Absagen und weiß einfach nicht warum. Wenn man es nach vielen Anläufen nicht bis zu einem Vorstellungsgespräch geschafft hat, sollte man sich vielleicht doch an einen Fachmann wenden, um überprüfen zu lassen, ob die Bewerbung so in Ordnung ist und was man vielleicht besser machen könnte.
Kritisch betrachte ich allerdings den Tipp nach einem Vorstellungsgespräch anzurufen und sich ''einfach noch einmal für das Gespräch und die Einladung (zu) bedanken.' (S.71), da man nicht anrufen sollte um einfach nur anzurufen, ohne eine konkrete Frage zu haben. Solch ein dankender Anruf wird von keinem erwartet und bringt meiner Meinung nach nicht unbedingt Pluspunkte.
Die Beispiele sind zumeist sehr realitätsnah und auf alle Branchen anwendbar, wobei es hier kleine Aussetzer gibt. Die Idee speziell und außergewöhnlich zu sein, um im Gedächtnis zu bleiben, gefällt mir sehr gut, aber folgendes Beispiel führt meiner Ansicht nach nicht zum Erfolg, sondern eher zu einer ganz klaren Absage. 'Ich kenne jeden Mörder der deutschen Kriminalgeschichte mit Namen. Erinnern Sie sich noch an den Schlächter von Potsdam 1987? Er hieß Joachim Bulle.' Man muss allerdings erwähnen, dass dieser Bewerber mit Sicherheit im Gedächtnis bleibt ;) .
Die Tipps waren vereinzelt kritisch zu betrachten. Die Autorin spricht immer davon, sich nicht negativ früheren Chefs, Kollegen, etc. gegenüber zu äußern und vor allem kritisch sich selbst gegenüber zu sein. Dem widerspricht meiner Meinung nach ganz klar folgende Beispielantwort auf die Frage nach einer unterdurchschnittlichen Note in BWL. 'Unterdurchschnittlich? Wie kommen Sie darauf? Ich lag im Mittelfeld. Die Note hätte besser sein können. Sicher kennen Sie das auch: Manche Dozenten vermitteln Themen lebendig, andere immerhin mittelmäßig. Mein BWL-Dozent konnte weder das eine noch das andere.' (S.40)
Ansonsten war alles sehr angenehm geschrieben, die Sprache war leicht verständlich bis auf ein paar Fachbegriffe, bei denen ich mir dachte, dass sie einfach nicht jeder wissen kann, ich zum Beispiel nicht (Ich weiß nun was 'fringe benefits' sind! Für alle, die es nicht wissen: fringe benefits sind zusätzliche Leistungen, Gehaltsnebenleistungen, freiwillige Sozialleistungen).
Der Zeitaufwand ist zumindest für mich höher als 30 Minuten einzuschätzen, was aber nicht das Problem darstellen sollte wenn man sich schon entschlossen hat sich vorzubereiten.
Es lohnt sich also das Geld und die Zeit zu investieren und optimal auf ein Vorstellungsgespräch und die ganz fiesen Fragen der Personaler vorbereitet zu sein ;) !