Meine erste wirklich schlechte Rezension, und niemandem tut es mehr leid als mir selbst: Es wäre so schön gewesen - eine kompakte, vielleicht nur mittelmäßige Digitalkamera, aber mit Minox-Objektiv und manuell fokussierbar - natürlich längst nicht mehr "made in Germany", aber das ist um 200 Euro heute wohl nicht mehr machbar.
Nun, die Gläser des Objektivs (bzw. wohl eher nur sein Entwurf) könnte/n sogar wirklich von Minox stammen, vielleicht auch das Design. Material und Verarbeitung werden aber von jeder mir bekannten noch so billigen japanischen Digitalkamera übertroffen. Das meiste ist nicht unerträglich, sondern eben nur ein bisschen billig (das aber bei DEM Preis!?); für mich inakzeptabel waren aber zwei Punkte:
(a) Der Schiebeschalter des Blitzgerätes ist nicht präzise zu bedienen, sondern wackelt, "wabert" und wandert beim Versuch, ihn zu schieben, hin und her, auch ins Gehäuse hinein und aus dem Gehäuse heraus, je nachdem, in welchem Winkel man ihn erwischt.
(b) Einer der Knöpfe an der Kamera (der mit dem in Richtung Motiv weisenden Pfeil beschriftete) ließ sich nicht betätigen und war völlig fest mit dem Gehäuse VERKLEBT.
Alles andere, wie gesagt, ginge gerade noch - die LED des Blitzgeräts scheint zwar durch seinen Gehäusespalt durch, die Spaltmaße wie überhaupt alle Maße sind auch eher willkürlich und ungenau - wenn man das Blitzgerät mit dem Gehäuse verbindet, dann gibt es nicht etwa ein sattes "schnapp!", wie das bei präzisen Arbeiten der Fall wäre, sondern dann muss man schwammig und tastend die Sache ineinander schieben und hin und her drücken, bis endlich der gewünschte Kontakt zustande kommt.
Für differenzierte Aussagen über die Bildqualität hatte ich die Kamera nicht ausreichend lange in Händen. Ich habe in der Wohnung ein bisschen herumfotografiert und dabei folgende Eindrücke gewonnen:
(a) Die Abbildungsleistung des Objektivs macht einen durchaus guten, jedenfalls absolut brauchbaren Eindruck. Feine Strukturen sind schön erkennbar, Texte sehr gut lesbar (wenn man nicht verwackelt und wenn das Bild nicht überstrahlt).
(b) Der Blitz ist entweder gar nicht oder nicht brauchbar geregelt, oder es mangelt an der Belichtungsmessung. Überstrahlt.
(c) Rauschen und Überstrahlen (auch ohne Blitz! Laufender Fernsehapparat im Bild reicht) sind klar vorhanden. Ersteres in einem Ausmaß, das ich nicht störend finde und mit dem ich gut leben könnte; letzteres verfälscht die Farben und lässt die betroffenen Fotos merkwürdig aussehen.
(d) Es gibt reichlich defekte Pixel, die konstant rot, blau oder grün leuchten. So etwas habe ich bisher noch nie gesehen.
Ich würde KEINESFALLS sagen, dass die Aufnahmequalität auch nur annähernd mithalten kann mit einer auch nur halbwegs guten Mobiltelefon-Kamera, und die Verarbeitung sowieso nicht.
Es ist nicht so, dass ich fundamental überrascht bin; auf Grund der bisherigen Rezensionen und dem, was über den Niedergang von Minox zu lesen war, war ich zumindest darauf vorbereitet. Ich finde es nur schade und traurig, was aus Minox geworden ist (anscheinend nur mehr eine Handelsmarke für fernöstliche Billigprodukte) - und schade um die nette Idee.