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Dieser Film ist ein Beweis dafür, dass man in Hollywood trotz Special-Effects-Orgien und trotz des großen Geldes auch intelligente Filme herstellt. Gute Science-Fiction hat sich schon immer mehr mit einer zukünftigen Gesellschaft auseinandergesetzt, als bloß techische Spielereien zu präsentieren. Die Story von Philip K. Dick ist über 40 Jahre alt, aber heute aktueller denn je: Was würde geschehen, wenn der uralte Traum jedes Polizisten wahr würde: Verbrechen im Vorfeld zu erkennen und zu verhindern?
Die Antwort ist ernüchternd. Der Mensch würde seiner letzten Wahl beraubt. Auch wenn alle Zeichen dafür sprechen, dass ein Mensch ein Verbrechen begehen wird, so wird er erst dann zum Mörder, wenn er tatsächlich zuschlägt.
Die Frage, die Dick stellt, ist: Rechtfertigen Erfolge bei der Verbrechensbekämpfung die Verurteilung Unschuldiger? Dick verneint dies. In der Story wird "Precrime" abgeschafft, obwohl es die Mordrate auf nahezu Null senkt, weil es Fehler hat, die Unschuldige ins Gefängnis bringen. Ich persönlich bezweifle, dass es so kommen würde. Wenn man sich in der Gegenwart umschaut, erkennt man dasselbe Motiv: Die Behörden sammeln Daten, speichern Telefonverbindungen und spähen jeden Winkel mit Kameras aus, um Terroristen dingfest zu machen, bevor sie Anschläge begehen. Datenbanken sind die "Precogs", die Hellseher, von heute. Und wenn man Philip K. Dick folgt, hat das fatale Folgen für Unschuldige.
Die Film-Umsetzung stellt dankenswerterweise das Denken über das Staunen. Natürlich sind die Effekte großartig, wie von Dreamworks nicht anders zu erwarten. Sie scheinen auch in eine nicht allzu ferne Zukunft zu zeigen: Bildsteuerung nach Dirigentenart hat jüngst die Wii-Spielkonsole eingeführt. An selbststeuernden Autos wird mit Hochdruck gearbeitet und biometrische Erkennungssysteme werden gerade weltweit an Flughäfen getestet. Ich fürchte auch, die makabren Folgen - das Herausreißen von fremden Körperteilen, um sie zur Identifizierung zu verwenden - werden in der Realität nicht lange auf sich warten lassen.
So bleibt ein hervorragender Film mit beklemmendem Wirklichkeitsbezug. Vergessen Sie alles, was Sie in letzter Zeit über Formschwächen von Spielberg oder Cruise gelesen haben - in diesem Film liefern beide Akteure Höchstleistungen ab. Auch Colin Farrell als Staatsanwalt, dessen unbestechliche Objektivität ihn vom Jäger zum Opfer macht, gibt eine großartige Figur ab. Er erinnert zudem daran, dass dieser Film neben allem anderen auch ein Kriminalstück par excellence ist. Samantha Morton als Agatha stellt die Frage, wie sehr ein Zweck die Mittel heiligt: Erlaubt die Verbrechensbekämpfung, dass ein Mensch seines Lebens beraubt wird und wie ein Tier dahinvegetiert?
Schauspielerisch und technisch ist dieser Film erstklassig, dazu kommt die Musik von John Williams, der einmal mehr zeigt, dass er nicht nur Star-Wars-Kampfmelodien schreiben kann. Die Umsetzung der DVD ist sehr gut, bis auf die Tatsache, dass man nicht zwischen den Tonspuren umschalten kann, ohne über das Menü zu gehen. Das ist eine unnötige Umständlichkeit für Zuschauer wie mich, die gerne zwischen deutsch und englisch hin und herzappen.
Für Film, Schauspieler, Story und Effekte: Maximale Punktzahl.