Entweder man glaubt an Wunder,oder man tut es nicht. Will Eisner glaubte an Wunder. Er war der Meinung,das Leben war voller Wunder,auch wenn sie manchmal so unscheinbar waren,dass man sie nicht sofort als Wunder begriff. Und über genau diese Thema legte er hier im Jahr 2000 ein ca 110-seitiges HC-Comicbuch mit vier Kurzgeschichten vor,das kleinere Wunder beinhaltet,die man nicht sofort als solche wahrnimmt.In der ersten Geschichte beschreibt er den Aufstieg eines Schnorrers zum erfolgreichen Geschäftsmann,weil er ziemlich gewissenlos einen Freund schröpft.Am Ende stellt Eisner klar,dass es genauso schnell wieder bergab gehen kann.In der zweiten,mit 8 Seiten kürzesten der Stories,beschreibt Eisner,wie Mersh sich und seinen kleinen Cousin durch Klugheit vor einer Gang schützt,die sie verprügeln wollen.Dass sie tatsächlich ohne Schläge davonkommen grenzt an ein Wunder.
Die dritte Geschichte ist 44 Seiten lang und thematisiert das Auftauchen eines "Neuen" im Block der Dropsie Avenue.Die Präsenz des Jungen,der nicht sprechen kann,hat einen guten Einfluß auf die ganze Straße. Als er wieder verschwindet,fällt sie in ihr normales Leben mit Streitigkeiten und Unglück zurück.Die letzte Geschichte ist mit 37 Seiten meiner Meinung nach am Gelungensten geworden. Sie schildert die Heirat eines Gehbehinderten mit einer tauben Frau.Als diese ihr Gehör wiederfindet,ist er nicht mehr gut genug für sie.Aber das Schicksal hat da auch noch ein Wörtchen mitzureden...
Selbst mir fällt es schwer,die "Wunder" in all diesen Geschichten zu erkennen,denn je nach Standpunkt kann man sie auch völlig anders interpretieren.Wie fast immer bei Eisner handeln sie eher vom Umgang der Menschen miteinander und sind psychologische Studien über das Wesen der Menschen und ihre Reaktionen an sich. Anders als beispielsweise die Charaktere bei Osamu Tezuka sind die Reaktionen der Protagonisten bei Eisner immer logisch nachvollziehbar.Schicksalsschläge,Pech,Armut oder Krankheit können die Menschen jedoch verhärten oder negativ beeinflussen.Andererseits gibt es auch positive Einflüsse,die vieles im Gleichgewicht halten.So ist dieses Buch ein typischer Eisner-Band,der die Welt so beschreibt,wie sie ist,auch wenn diese speziellen Geschichten fiktional sind.