Adorno, Adorno, Adorno.
Vielleicht hätte ich nicht mit diesem Buch in sein Universum einsteigen sollen, aber Verriss und Lob liegen für mich gefühlt ganz nah beieinander, wenn ich die beschädigten Reflexionen lese. Einerseits Bewunderung für die sprachliche, inhaltliche Tiefe, die zu spürende Verzweiflung und Kraft, die klappernde, aber würdevolle Philosophie und andererseits Verärgerung über den Intellektuellendiskurs, die Abschirmung und Isolation durch die Sprache, welche hier nicht minder taktisch eingesetzt wird als anderswo und nur ein auserwähltes Volk zum Dialog zuzulassen scheint. Wer sich also mit soviel sprachlicher und philosophischer Waffentechnik an das Publikum heranwagt und ihm selbst ein totalitär wirkendes Bedrohungsszenario vorspricht, ist nicht besser als andere Ideologen, scheint es mir, auch wenn ich dazu tendiere das Buch aus meiner Zeit zu verstehen und meine Lebenslage lieber über die des Autors stelle, auch und gerade trotzig gegenüber allen geschichtlichen Imperativen, die er mir schon allein durch den Entstehungskontext entgegenwirft.
Trotz der offensichtlichen Einzigartigkeit dieses Werks missfällt mir doch die Überschärfe, welche immer mal in absolute Idiotie umzuschlagen scheint, die keinen Freiraum mehr zulässt und sich wie überschlagender Nihilismus aufführt: (Totalität und Homosexualität gehören zusammen? soll nur die plakative und sicherlich schon viel diskutierte Formel sein, die ich kritisiere und die mir sofort auffiel, auch wenn der dahinterstehende Gedanke korrekt und nachvollziehbar ist). Trotzdem, hört man das, brennt sofort das Buch und man wird aufmerksam gegenüber der Verwendung des Wortes "Mensch" in diesem scheinbar endlos Gedanken fabrizierendem Werk. Irgendwie beschleicht mich das Gefühl, dass es nicht gut sein kann, wenn einer glaubt für alle anderen denken zu müssen und niemand, nicht mal der pragmatischste Adorno-Leser, kann mir vorgaukeln, dass er sich durch den Jargon nicht ein wenig entmündigt fühlt. Vielleicht fehlen auch einfach die gedanklichen Leerstellen, welche Adorno so oft einklagt und die sich in seinem Diktum: "Wahr sind nur die Gedanken, die sich selber nicht verstehen." metaphorisch, nach meiner Interpretation, angekündigt haben.
Die von mir empfundene Befremdlichkeit ist der für mich großartige Gewinn. Ein Buch von solch' ambivalenter Eleganz hat Gewicht. Man will es zerschmeißen, wohlwissend, dass man den durchaus brutalen Akt des Denkens nicht zerstören kann, der sich in ihm manifestiert. Damit muss man sich abfinden, dass es ein solches Buch gibt, welches vergräbt und freischaufelt zugleich. Komisch aber wahr, man muss mit diesem Werk gegen dieses Werk kämpfen, anstatt es verstehen zu wollen, denn Versöhnung kann es mit solchen Schriften nicht geben.