"Dieses Buch soll aber beileibe keine >>Chronik<< sein, in dem [sic] Verbände, Funktionäre oder Sportlerinnen und Sportler gelobt werden", heißt es im Klappentext, aber zu einem großen Teil ist es genau das eben doch und stellt somit im Wesentlichen eine Ergänzung zum Vorgängerwerk Mathias Kaisers dar. Dessen 'Rundumschlag' von 1980 wird hier durch eine detaillierte Schilderung der Entwicklung des Bahnengolf zum Profisport in Deutschland und Österreich in den letzten 25 Jahren und die Erinnerungen einiger Altmeister ergänzt, somit ganz richtig das Thema Minigolf vom Freizeitspaß zum Leistungssport geführt.
Nach einer Schilderung der Anfänge breitet Seiz das gesamte Vereinsleben in Deutschland aus, von den Mühen der Abteilungen in den Anfangsjahren, sich zusammenzuraufen, über den Kampf um die Anerkennung als Leistungssportart bis zur Entwicklung hin zum professionell ausgeübten Spitzensport mit internationalen Wettkämpfen.
Doch für den nicht nur am Vereinsleben interessierten Leser liegen die Perlen recht verborgen. So erfährt man etwa in einem Nebensatz zur Ballkunde, daß in der Abt. 2 (vulgo Miniaturgolf) die Bahn 'Brücke' vor einigen Jahren abgeschafft wurde, nicht aber die Gründe dafür und kann somit nur die auch vom Autor beklagte Regelungswut mancher Bahnengolffunktionäre als Grund vermuten. Ebenso bleibt abermals Geheimnis, was es mit jenem Goschwi 123 auf sich hatte, der schon in frühen Regelwerken als namentlich genannter nicht zugelassener Turnierball gewisse Berühmtheit erlangte. Dies ist nun zugegeben eine ziemlich persönliche Frage, die den Rezensenten seit Jahren umtreibt. Aber derlei Fragen gibt es viele bei jedem Bahnengolfinteressenten; als willkürliche Beispiele seien herausgegriffen der Konkurrenzkampf der Ballhersteller und die Entstehung der temperaturstabilen Bälle, die Entwicklung des Sports außerhalb der beiden behandelten Länder Deutschland und Österreich, die Zahl der gültigen Systeme, ob Filzgolf dazuzurechnen sei, eine Literaturliste und - im Zeitalter des Internet - einige Webadressen - Themen, die durchaus in den Rahmen dieses Buches gepasst hätten.
Ein langjähriger Abonnent des >>Bahnengolfers<< und weiterer Fachblätter weiß vermutlich um all diese Dinge, aber wenn der Autor selbst einen Schwerpunkt auf die Problematik von Hobbysport, Mitglieder- und Nachwuchswerbung legt, sollte er für ebendiese Klientel nicht nur einen Vereinsfolianten vorlegen. Ein wenig mehr Warum zum Wie hätte dem Buch durchaus gutgetan - und nicht zuletzt ein solideres Lektorat.
Zwei hoffnungsvolle Kapitel sind angetan, den Appetit auch der eben genannten Leserschaft anzuregen, nämlich jene über Ausrüstung, Schläger und Ballmaterial sowie die Empfehlungen zum Anfänger- und Profitraining. Bei einem Gesamtumfang von 359 Seiten bleiben diese 43 aber deutlich in der Minderheit. Ein wenig verwirrend sind Seiz' Äußerungen zur Frage des geschobenen oder gezogenen Schlages, denn er selbst befürwortet den Schlag mit der Führhand unter der Schlaghand, illustriert dies aber mit einem Bild der anderen Variante als 'korrekte[r] Schlägerhaltung'.
Wer sich also mit der Frage trägt, dieses sein Hobby endlich in einen Verein einzubinden, dem sei dies Buch als Entscheidungshilfe vorab dringend ans Herz gelegt.