Ich stimme den anderen 4 ReszensentInnen völlig zu: dieses Buch ist eins von denen, die wir wirklich brauchen! Ich gebe hier nun einige Erlebnisse aus dem Schulalltag zum Besten um zu zeigen, wie gut die Minimax-Strategien wirken.
Wie vom Autoren Manfred Prior empfohlen, hab ich ab und zu abends vor dem Schlafengehen noch ein oder zwei Kapitel gelesen und das, was mich "ansprang" gleich in den nächsten Tagen danach ausprobiert.
Das "Noch nicht" nuzte ich als Erstes und es hilft wunderbar, um auch für nicht so fitte Schüler/innen eine angenehme Atmosphäre zu schaffen.
Mithilfe der Strategien "Noch nicht" und "In der Vergangenheit" und "Du schaffst das, wir sind auf deiner Seite" konnte ich einem Mädchen in Klasse 6 helfen, das bei einer Buchvorstellung ein völliges Black-Out bekam. Ich gab ihr einen neuen Termin drei Tage später - und tatsächlich schaffte sie es, die gesamte Buchvorstellung durchzuziehen trotz zitternder Hände und der Hektik-Flecken im Gesicht. Nach der Buchvorstellung lobte ch sie ausgiebig und da ezählte sie mir, dass sie noch nie Referate halten konnte und dass sie in ihrer früheren Schule davon befreit worden war, weil es überhaupt nichts gebracht hätte. Nun hätte sie gestern (bei einer Kollegin) in einem Gruppenreferat ihren Teil gehalten und heute die Buchvorstellung ganz allein!
Nachdem ich die beiden Kapitel über die konstruktiven W-Fragen gelesen hatte, nahm ich gleich am Tag darauf einen netten, aber hilflos wirkenden Jungen, der seit dem Schuljahresbeginn in meinem Unterricht überhaupt nichs mehr tut und nur noch 5-en und 6-en schreibt, nach dem Unterricht mit in einen Fachmittelraum und führte dort mit ihm ein ruhiges Gespräch. Zunächst konfrontierte ich ihn mit dem Stand seiner Noten - er war entsetzt, hatte er sich doch etwas besser eingeschätzt und die Klassenarbeit mit der 6 total vergessen... Mit Hilfe der Strategien "In der Vergangenheit hast du noch nicht genug getan, aber ab heute..." und "Jetzt hast du noch 3 Monate Zeit, du kannst die Note noch ändern" war es leicht, das Gespräch in eine konstruktive Richtung zu lenken. Auf jedes "Ich kann nicht...." seinerseits ließ ich ein "Du kannst das n o c h nicht, aber du kannst es ab j e t z t lernen" folgen." Im Laufe des Gespräches setzte ich mehrfach W-Fragen ein, und es stellte sich heraus, dass der Junge zwar durchaus Erinnerungshilfen (Hausaufgaben machen, Tasche packen, alles mitnehmen) von seiner Mutter und seiner Oma bekommt, aber dass er in der Schule ganz oft versäumt hatte, die Hausaufgaben aufzuschreiben, weil er von seinen beiden einzigen "Freunden" in die Pause "mitgezogen" wurde und Angst hatte, dass sie ohne ihn gehen, wenn er sich erst die Unterschrift der jeweiligen Leherin unter seine Eintragungen im Hausaufgabenheft holen würde. Er erzählte mir, dass er seit mehreren Monaten von der Klasse ein bisschen gehänselt würde, und dass ihm dass "echt auf die Nerven gehe". Aber jetzt habe er einen Brief von der Klasse bekommen, im dem sich alle entschuldigt hätten. (Die Klassenlehrerin hatte mit der Klasse ein Gespräch geführt, wie ich im Nachhinein erfuhr). Ich verstand ihn nun viel besser. Natürlich hatte er Angst gehabt, durch zu braves Verhalten auch noch die beiden einzigen Jungen abzuschrecken, die mit ihm in der Pause überhaupt noch spielten.
Daraufhin fragte ich ihn, w i e er es sich denn vorstelle, seine Freunde zu fragen, ob sie ihn unterstützen, um aus seinem Tief herauszukommen. Und w i e er sie dafür gewinnen könne, dass sie mit ihm zusammen nach vorne zum Lehrertisch gehen, damit ihm das nicht so peinlich vor den anderen sei. Und w i e er die beiden vielleicht auch noch davon überzeugen könne, dass es auch für sie selber gut wäre, wenn sie ihre eigenen Hausaufgaben abzeichnen lassen, weil es ja auch für sie gut wäre, nicht so oft etwas zu vergessen und dadurch in der Schule bessere Noten zu schaffen. Er bekam den Aufrag, darüber nachzudenken.
In der nächsten Unterrichtsstunde kam dieser Schüler am Ende der Stunde von selbst an meinen Tisch und ließ sich das HA-Heft abzeichnen - seine Freunde warteten aber an der Tür auf ihn.
Das war der erste Schritt, nun hoffe ich, dass er mit etwas mehr Freude und Motivation wieder "einsteigt" in den Unterricht. Natürlich hat er neulich gleich wieder etwas "vergessen" und war sehr getroffen darüber, dass ich das nicht in Ordnung fand. Aber dennoch steht er seitdem meistens an der Tür, wenn ich komme, sein Vertrauen scheint wiederhergestellt zu sein. Und er lächelt wieder.
Ich hoffe, dass dieses Buch eine weite Verbreitung finden wird!