Wenn als Herausgeber die "Bayrische Motoren Werke" genannt werden, dürfte die erste Leser-Vermutung über das Buch in Richtung "Autoprospekt in Buchform" gehen.
Dies ist nicht ganz falsch, tut diesem Werk aber unrecht. Klar, der NewMini wird im hellsten Licht und ausschließlich positiv dargestellt, doch auch dem Issigonis-MINI (im Text immer als "Mini Classic" bezeichnet, während der NewMini immer nur als "'Mini"' beschrieben wird) und seiner Entstehungsgeschichte wird viel Platz eingeräumt. Für alle Kenner der Historie gibt es nichts Neues, dafür bleibt der Inhalt zu sehr an der Oberfläche. Auch das Bildmaterial (von dem einiges - als gestalterisches Mittel? - grob gerastert abgedruckt wurde) bietet keine Überraschung, außer dem vielleicht größten Fauxpas des Buches: Im Kapitel über John Cooper wird dieses von einem großformatigen Bild eingeleitet, über das geschrieben steht. "John Cooper 1958 am Steuer eines der ersten Morris Mini-Minor". Nun, um wen auch immer es sich bei diesem Gentleman auf dem Foto handelt, John Cooper ist es nicht. Auch zeigt der Innenraum eindeutig einen der Rallye-Cooper-Werkswagen, die es 1958 aber noch nicht gab. Dies sollte bei einer Neuauflage korrigiert werden.
Nein, diese Buch fasziniert in erster Linie durch seine Machart: Der matte Umschlag wurde mit bunten Lackstreifen bedruckt, während der Buchblock aus fünf verschiedenen Papiersorten mit Registraturstanzung besteht. Das ist nicht nur originell, sondern auch praktisch, und außerdem ist es exzellent gedruckt. Diese pfiffigen Gestaltungsideen ziehen sich durch das gesamte Buch und man ist bei jedem Seitenwechsel aufs Neue gespannt, mit was das Auge als Nächstes gekitzelt wird, da jedes Kapitel ein eigenes Layout hat. Und dabei bleibt alles gut lesbar, was bei dieser Art der Buchgestaltung nicht immer der Fall ist. Eigenwillig und quer gedacht; das passt ideal zum MINI - egal ob "Classic" oder "New". Und am Ende des Buches gibt es einen Zeitstrahl in ausklappbarer Leporello-Form, der vom 1959 bis 2006 reicht und über die Geschehnisse in der MINI-Modellhistorie und dem Rest der Welt berichtet.
Am Spannendsten fand ich die Kapitel über die wirklich einfallsreiche und extrem aufwendige Werbekampagne zum NewMini und den Umzug der Produktionsanlagen von Longbridge nach Oxford. Weshalb aber kein einziges Bild das einjährige Vorhaben zeigt, sondern nur merkwürdige schwarz-weiß Impressionen eines nächtlichen Feldweges den Text illustrieren, dürfte das Geheimnis der Redaktion bleiben. Ein Schwerpunkt liegt auch auf der Formfindung des NewMini, bei dem in allen Bereichen das Vorbild des Originals zu Grund lag. Dies ist ebenfalls ziemlich spannend, beginnt aber spätestens dann zu ermüden, wenn der Duft nach Selbstbeweihräucherung zu stark wird und man zudem (aus eigener Erfahrung) weiß, dass gerade das Interieur des NewMini in Sachen Ergonomie und Nutzung kein Ruhmesblatt für die so hochgelobten Designer ist. Wenn man über diese Form der Produktwerbung hinweg sieht, sich von den Kapiteln über die "Swinging Sixties'", den NewMini in Szene setzenden Bild- und Fotokünstlern und der MINI-Renn- & Fanszene unterhalten lässt, dann hat man an diesem Buch einfach bunten und abwechslungsreichen Spaß.
Fazit: Für NewMini-Fahrer fast ein "Muss"', für die Issigonis-MINI-Anhänger ein "Nice-to-have" und für Buchgestalter ein schöner Ideenträger für die eigene Arbeit.