Wenn man "Syberia" auf dem NDS durchgespielt hat, kommt unweigerlich die Frage auf, für wen die Programmierer von Mindscape dieses Spiel konvertiert haben?
Da ich das Original, das als Meilenstein in der Videospielgeschichte gefeiert wurde, nie zuvor gespielt habe, kann ich auch nicht beurteilen, wie gut die Konvertierung gelungen ist.
Feststellen lässt sich aber, dass man ohne die Komplettlösung der PC-Version (kostenlos im Internet zu finden) nicht besonders weit kommt. In jedem der vier Spielabschnitte (Valadilene, Barockstadt, Komkolzgrad und Aralbad) gibt es mindestens eine Stelle, an der man ohne Hilfe nicht weiter weiß. Das liegt bestimmt nicht daran, dass man einen Gegenstand nicht mitgenommen hat, sondern an der schlechten Bildschirmauflösung des NDS, die verhindert, dass man bestimmte Objekte wie z.B. die Glocke in Aralbad erkennt und deshalb dran vorbei läuft.
Ebenso trübt der beschränkte Speicherplatz auf dem Spielmodul den Spielspaß. Dem Platzmangel sind mehrere Rätsel sowie die Sprachausgabe während der Spielhandlung zum Opfer gefallen. Diese erlebt man nur in Englisch (untertitelt) oder Russisch (wenn Frau Romanski singt) in den wirklich schön gemachten Videosequenzen, mit denen man belohnt wird, sollte man die nötige Ausdauer aufbringen und im Spiel voran kommen.
Die zahlreichen Frustmomente im Spiel sorgen dafür, dass man das Adventure am liebsten in eine Ecke feuern möchte. Ich kann mir deshalb auch nicht erklären, wie die USK darauf kommt, dass das Spiel ohne Altersbeschränkung zu empfehlen ist. Für Kinder halte ich es nicht geeignet, weil der Frustfaktor ganz einfach zu hoch ist und man wirklich viel Geduld mitbringen muss, um die teilweise sehr schwierigen bzw. unlogischen Rätsel zu lösen.
Diejenigen, die "Syberia" schon vom PC her kennen, sind sicher von der technischen Umsetzung und dem geringen Umfang enttäuscht. Irgendwo habe ich gelesen, man könne das Spiel in fünf Stunden durchzocken. Das halte ich aber für ein Gerücht, wenn man davon ausgeht, diesen Titel zum allerersten Mal zu spielen.
Zur Grafik möchte ich anmerken, dass sicherlich mehr möglich gewesen wäre, als man zu sehen bekommt. Kate Walker, die hübsche New Yorker Anwältin und Titelheldin in "Syberia", bewegt sich das ganze Spiel hindurch als laufe sie auf Eis oder wolle den Moonwalk von Michael Jackson imitieren. Dabei läuft sie mitunter durch Säulen oder andere Gegenstände. Solche Clippingfehler sind aber nicht die einzigen Ausrutscher der Programmierer. So gelang es mir, an einer Stelle in Aralbad mit Kate über Wasser zu laufen und vollständig aus dem Bild zu verschwinden. Auf dem Dachboden der Villa im ersten Level hatte ich sogar einen Systemabsturz, als ich Annas Tagebuch las und mir eine der Videosequenzen noch einmal ansehen wollte. Meine NDS-Bildschirme wurden daraufhin schwarz und weil keine der Tasten reagierte, blieb mir als letztes Mittel nur übrig, das Gerät auszuschalten.
Etwas nervig fand ich auch, wie man versucht hat, das Spielgeschehen künstlich zu verlängern, in dem man mehrfach bürokratische Rätsel eingefügt hat, die Kate vom Lokführer Oscar gestellt bekommt. Sie dienen nur dazu, die Handlung zu bremsen. Darauf hätten die Entwickler getrost verzichten können, sei es nun beim Original oder dem NDS-Klon.
Der Soundtrack im Spiel trägt sicherlich zur morbiden Gesamtstimmung bei. Allerdings bietet er wenig Abwechslung und man ist geneigt, ihn ganz abzuschalten, weil soundtechnisch auch sonst nichts passiert wie etwa Umgebungsgeräusche oder andere Effekte. Die einzige Ausnahme bilden hier lediglich die bereits erwähnten Videosequenzen, die ich in dieser Form und Güte noch nie zuvor auf dem NDS erleben durfte.
Als Fazit bleibt mir nur übrig, den Programmierern viel Erfolg für den zweiten Teil zu wünschen. Es ist noch Luft nach oben!
Wie man ein Adventure gut vom PC auf den NDS portiert, kann man in "Geheimakte Tunguska" erleben. Wer vor der Entscheidung steht, sich eines von beiden Spielen anzuschaffen, dem würde ich ganz klar zu letzterem raten, weil es u.a. eine Lupen-Funktion hat, falls man wirklich irgendwo mal hängen bleibt.