Ein Wort der Warnung zuvor: Sowohl die Anleitung als auch die Verpackung enthalten einen elementaren Vorgriff auf die Handlung. Für das Verständnis des Spieles und den Spielverlauf sind beide nicht wichtig. Packung öffnen. Installieren. Packung und Anleitung weit weit weglegen.
Nur zwei Sachen: ein Doppelklick lässt Goren laufen. Und er ist der einzige, der läuft - fast alle anderen Figuren stehen. Die Leertaste verkürzt immer wiederkehrende Sprachausgaben von "Du-weißt-schon-wem".
Bei der Umsetzung in die deutsche Version sind zwei wichtige Dinge passiert. Im Gegensatz zu den englischen Rezensionen ist das Spiel jetzt stabil. Das heißt nicht, daß man nicht regelmäßig speichern sollte. Aber das "Hängenbleiben", in die Wand laufen oder das sogenannte "Disco-Dancing" bleiben dem deutschen Spieler erspart, ebenso die häufigen Abstürze.
Dafür ist ein großes schwarz-weißes Rätsel unnötig schwer geworden, und sein Zweck ist "lost in translation", bis man es gelöst hat. Und es muss GANZ gelöst werden. Konsultieren Sie Ihren Arzt oder Apotheker oder einschlägige Walkthroughs. Außerdem ist es das Rätsel, dass am wenigsten zum Spiel passt.
Aber für wen ist dieses Spiel? Für Fans von Criminal Intent, die Goren toll finden und zur Not auf einen Partner verzichten können - wichtigster Unterschied zum Aufbau der TV-Serie. Zwei Figuren, die sich ständig koordiniert bewegen müssen wären auch etwas viel. Und Spieler, die auch gerne klassische Adventures wie "Black Mirror" spielen, aber gerne einmal die Seele baumeln lassen wollen.
Für wen das Spiel nicht ist: Fans der großen "Verhör-Arien" von Goren im Vernehmungsraum. Das kann das Spiel nicht leisten, will es aber auch nicht.
Nun zum eigentlichen Spiel: Wie bei Criminal Intent zu vermuten war, besteht ein großer Teil des Spiels aus guter alter polizeilicher Ermittlungsarbeit. Wir hoffen, Robert hat irgendwo im Spiel ein Paar Schuhe und Socken zum Wechseln extra. Denn es muß viel gelaufen werden. Reden tut Robert ohnehin gerne. Die Figur ist, für eine Animation, gut erkennbar umgesetzt, wenn auch etwas zu drahtig und energisch, selbst für den jungen Goren.
Die Idee mit dem PDA ist gut, aber ins Spiel schlecht integriert. Haben wir etwas nicht begriffen, oder warum müssen wir für die Vorstellung der Ermittlungsergebnisse jedes Mal ins Büro zurück? Wozu dann ein PDA?
Die Steuerung ist intuitiv, die Idee mit den verschiedenen Befragungstechniken ist originell und größtenteils gut umgesetzt. Aber manchmal ist, hier müssen wir einer englischen Rezensentin einfach zustimmen, einfach grausam, was aus Gorrens Mund kommt. Gerade weil es das normalerweise nicht ist. Und es Spaß macht, der deutschen Synchronstimme zuzuhören.
Insgesamt ist die deutsche Version solide und durchhörbar, von einigen allzu wörtlichen Übersetzungen einmal abgesehen.
Zu den Fällen, ohne zu viel von der Handlung zu verraten: Einer der Fälle ist recht linear, und geht von der Aufnahme des Tatortes bis zur Aufklärung durch.
Ein weiterer Fall ist ebenfalls ziemlich linear - mit kleinen Abzweigungen - so weit wir das sagen konnten. Denn durch, nach unserer Meinung, schlechtes Gamedesign ist dieser Fall trotz des Fehlens wichtiger Indizien und Items in beträchtliche Tiefe spielbar. Und wir sind in dieser Phase des Spiels sorgfältig vorgegangen.
Auf einmal begannen die Charaktere von Orten und Personen zu reden, von denen wir noch nie gehört hatten. Uns wurde klar, in der Anfangsphase etwas übersehen zu haben. Den Rest des Falls sind wir hinter dieser versäumten Handlung hergerannt, um dann präsentiert zu bekommen, dass der andere Teil des Falles roter Hering war.
Fall Nummer drei war solide durchkonstruiert, mit einigen Vorahnungen und einem schlüssigen "twist ending". Dem Spiel hätte es gut getan, diesen Fall in jedem Fall an das Ende zu setzen, das hätte dem Spannungsbogen gut getan. Die drei Fälle frei wählbar zu machen ist aus unserer Sicht ein Fehler, eine parallele Bearbeitung aller drei Fälle vollkommener Unsinn.
Das Durchspielen aller Fälle hat Dank unseres Unwillens, bis auf die haarigsten Situationen einen Walkthrough zu konsultieren, uns etwa 20 Stunden Spielspaß mit Pausen beschert. Gesamturteil: eine Kaufempfehlung für ein gutes Spiel.
Etwas weniger Kürze an den Fallenden insgesamt, mehr Cut-Scenes und etwas mehr Länge im allerletzten Fall - der eine Messerspitze absurd endete - wäre der Kracher.