Nach Jahren der Trennung findet das romantische Wiedersehen zwischen dem introvertierten Manga-Zeichner Nishi und seiner großen Liebe Myon ein jähes Ende, als zwei finstere Yakuza auf der Verfolgung von Myons Schwester Yan schicksalhaft das Restaurant der beiden Geschwister betreten. Nachdem Nishi von einem der sinistren Yakuza bedroht und erschossen wird, sieht er sich plötzlich Gott gegenüber und muss ihm Rechenschaft über sein verschwendetes Leben ablegen. Geläutert bekommt er jedoch eine zweite Chance und darf zurück in das irdische Leben. Im Eindruck dieser Nahtoderfahrung wird der ängstliche Nishi nun zum skrupellosen Grenzgänger zwischen den Welten, tötet den Yakuza und stiehlt das Auto der Gangster. Die wilde Verfolgungsjagd endet schließlich im Wasser, wo Nishi und die beiden Mädchen von einem Wal verschluckt werden. Im Inneren des Wals treffen sie auf einen Eremiten, der bereits 30 Jahre in diesem ungewöhnlichen Ambiente zubringt und es sich inzwischen in der unschuldigen Idylle eines selbst errichteten Baumhauses gemütlich gemacht hat. Zunächst können sich die Eindringlinge mit der Situation anfreunden. Doch die Sehnsucht, ein selbstbestimmtes Leben in Freiheit zu führen, wird mit jedem Tag stärker.
MIND GAME ist ein bizarres Anime zwischen melancholischer Romantik, exzessiver Gewalt und skurrilem Witz. Inflationär bepackt mit surrealen Hirngespinsten und einem opulenten Füllhorn an innovativen Ideen wird der Zuschauer auf einen rauschhaften Trip entführt, der in seinem atemberaubenden Tempo wie ein durch Opium ausgelöster Phantasieflug wirkt und im extravaganten Spiel mit den fiktiven Gedanken die Extreme des grafisch Machbaren auslotet. Als Vorlage dienten dazu die Mangas des japanischen Grafikers Robin Nishi. Durch die kaleidoskopartige Erzählweise ist die komplexe Handlung nicht immer leicht zu verfolgen, was vor allem an den vielen Rückblenden und Sprüngen liegt. So macht der Plot öfters einen kurzen Abstecher in die psychedelischen Traumwelten der einzelnen Personen. Die Grenzen zwischen Realität und Phantasie zerfließen, sodass sich die Handlungsräume schlagartig verschieben. Die Figuren werden plötzlich aus ihrer gewohnten Szenerie gerissen und finden sich in vakuumartigen Sets wieder. Entsprechend facettenreich ist das Spektrum der angewandten grafischen Stile, das sämtliche Möglichkeiten der Animationskunst voll ausschöpft. Alles wird man sicher nicht mögen, was nicht weiter schlimm ist, zieht Mind Game doch in einer ungehemmten inspirativen Flut immer wieder eine schrille Überraschung aus dem Ärmel.
Besonders beeindruckend ist der mitreißende Bilderfluss, der in collagenartig montierten, surrealen Grafiken einen unglaublich wuchtigen visuellen Reiz auf den Betrachter ausübt. Obwohl die stark stilisierten Charaktere in ihren Bewegungen etwas dynamischer und weniger statisch animiert sind als in traditionellen Animes, ist Mind Game dennoch von der Grafik her näher dem klassischen Anime als der Manga-Vorlage von Nishi. Was Robin Nishi nicht weiter störte, verzichtete er doch zu Gunsten von Masaaki Yuasa ausdrücklich auf die Regie, um eine andere Sichtweise seiner Vorlage zu ermöglichen. Die Grafikdesigner verwenden CGI lediglich für wenige Hintergründe und einige Lichteffekte, die jedoch dem Betrachter ein dreidimensionales Raumgefühl vermitteln und ihn so ins Unterbewusstsein der Figuren hineinziehen. Gelegentlich werden Realbilder der Protagonisten und ästhetische Fotografien von Gegenständen eingestreut, die mit diversen Farbeffekten digital koloriert und verfremdet worden. In diesem Punkt erinnert Mind Game stark an Filme wie Waking Life.
Ansonsten kommt überwiegend die klassische 2D-Animation zum Einsatz. Die Gesichter der Figuren sind in einfachen Strichen gezeichnet, der Akzent liegt dabei wie bei vielen Animes auf den ausdrucksstarken Augen. Bei emotionalen Ausbrüchen wie Angst oder Wut werden die Gesichtzüge bis zur Unkenntlichkeit monströs verzerrt. Die reale Anatomie spielt eher eine untergeordnete Rolle. Einzelne charakteristische körperliche Merkmale der Figuren, wie beispielsweise Muskeln, werden überproportioniert in den Vordergrund gestellt. Wenn es nötig ist, werden die Figuren kurz zu hybriden Superhelden, die bergauf schwimmen oder neben einem rasenden Auto sprinten. Obwohl die Bilder abstrakt gehalten werden, haben sie dennoch eine sehr expressive Bildsprache. Was nicht zuletzt auch an den vielen originellen Bildeinfällen liegt, mit denen der Zuschauer pausenlos bombardiert wird. In schnell geschnittenen Sequenzen ändern sich oft sprunghaft und spukartig die Perspektiven. Hat man sich eben erst an eine der skurrilen Szenerien gewöhnt, wird sie auch schon wieder von der nächsten abgelöst. Als Nishi einen subversiven Disput mit Gott führt, ändert dieser chamäleonartig mit hoher Frequenz von Sekunde zu Sekunde seine Gestalt und nimmt die morbidesten Verformungen an, die suggerieren, dass der gemarterte Schöpfer in jeder Form von Materie steckt, so wie Nishis Kunst auch in jedem Detail seiner Mangas existiert. Eingerahmt wird die Handlung von den traumartigen Sequenzen des kurzen Prologs, die im Epilog in ähnlicher Form wiederholt werden.
Mind Game besitzt vielleicht nicht ganz die philosophische Tiefe der Animes eines Hayao Miyazaki oder Makoto Shinkai. Aufgrund des visuellen Stils ist der Film aber dennoch eine der Referenzen des Anime-Genres. Interessant im Bonusmaterial ist das Special "Animationsdesign". Hier wird die Entstehung der Bilder vom Storyboard bis zum fertigen Film gezeigt. Ansonsten gibt es noch Interviews mit den Machern, die mit deutschen Untertiteln versehen sind, sowie Musik-Clips und diverse Kinotrailer. Die Tonspur liegt in Deutsch und Japanisch in DD 5.1 vor. Für die japanischen Originalstimmen der Figuren wurden extra Sprecher mit dem berüchtigten Osaka-Slang ausgewählt. Das FSK 16-Rating wurde wohl aufgrund einiger Tarantino-artiger Gewaltdarstellungen vergeben. Die DVD ist mit Wendecover ausgestattet.