Als Unterhaltslektüre mag das Buch angehen, aber ich fürchte, es ist bitter ernst gemeint. Und leider auch unverhohlen rassistisch, da nämlich bei Schweder/Riedl nur die Frau der Mensch ist, während der Mann beharrlich als "Konstruktion der Natur", wahlweise auch als "Massenware" oder "Ausschussware" bezeichnet wird (die erst allmählich eingemenscht werden muss). Auch der inhaltliche Hintergrund ist wenig bio-logisch: Wenn die Damen Autorinnen sich nicht erklären können, warum die Natur sich sich all die vielen Männchen leistet, sollten sie Roughgarden statt Darwin lesen.
Es verwundert daher nicht, dass auch die Ausführungen zu Männern, Stressverträglichkeit, Testosteron, Sex usw. nicht viel mit der Lebenswirklichkeit zu tun haben. Ich kann mich als Mann jedenfalls höchstens marginal darin wiederfinden. Wenn es wenigstens originell wäre, aber es sind doch nur lauter scheinwissenschaftlich "erklärte" Klischees. Das einzig Originelle am ganzen Buch ist eben die Einteilung in Mensch (Frau) und Zusatzkonstruktion (Mann), einschließlich des üblichen yy-xy-Chromosomen-Krams, der schon deshalb fragwürdig ist, weil er nicht überall in der Tierwelt seine Entsprechung findet. (Ein Teil der damals "neuen" Erkenntnisse war auch schon kurz danach wieder überholt)
Lustig ist aber schon, dass dem minderwertigen Geschlecht sein Unterdrückungsstreben vorgeworfen wird; wo doch jeder Richter bei Lektüre dieses Buchs sofort auf Unzurechnungsfähigkeit des Täters Mann entscheiden müßte. Zu guter Letzt werden auch noch hohe Erwartungen an die Männerwelt gerichtet (Robin Hood...), aber das kennen wir ja nun zur Genüge aus dem wirklichen Leben. Da Frauen so hohe emotionale und andere Erwartungen an die gendefizitäre Konstruktion "Mann" richten, müssen sie eigentlich selbst einen größeren Gendefekt haben, oder nicht?
Und was wirklich schade ist: Es tauchen im Buch durchaus die richtigen Fragen und Problemstellungen, ja teilweise sogar gute Ideen auf, aber sie werden mit eher kindlich-naiven Modellen (Fortpflanzungsarithmetik) und einem Wust an zumeist sinnlosen Statistiken eigentlich eher abgewürgt als beantwortet. Das Buch ist auch ein Hinweis auf die allgemeine Krise der biologischen Wissenschaften. Und speziell die Problematik des Patriarchats (das gerade in allerdings unschöner Form verfällt) kann nicht biologistisch-rassistisch, sondern nur in einem offenen gesellschaftlichen Dialog von Frauen und Männern angegangen werden. Das Buch hat dafür einen Bärendienst geleistet. Bleibt nur zu hoffen, dass es doch nicht ganz so ernsthaft gemeint ist wie es für mich klingt.
Fazit: Empfohlen nur für Männer, die einmal das wohlige Schauern spüren möchten, ein klein wenig von den Gefühlen verfolgter Bevölkerungsgruppen zu erahnen, als jene vor ihrer Vernichtung zu Untermenschen erklärt wurden.