25 von 26 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Eine Hommage an ein sterbendes Gebäude, 14. März 2006
Welchem Genre soll man diesen Film zuordnen: Drama, Thriller, Liebesfilm? Es passt alles und auch nicht, denn es ist ein Wim Wenders Film. Der geniale Filmemacher wollte in erster Linie einen Film über das Million-Dollar-Hotel machen und das ist ihm gelungen. Kein Mainstreamkino also. Eher etwas für Leute mit einer Affinität mit dem fremden, vertrauten Amerika.
Zur Handlung: Im Jahr 2001 leben im heruntergekommenen alten Zentrum von L.A. im "Million Dollar Hotel" schräge Gestalten, Gestrandete, Verrückte, Junkies und Outcasts. Der kindliche TomTom (Jeremy Davies) liebt die Prostituierte Eloise (Milla Jovovich), die emotional nur überleben kann, weil es Bücher gibt. Ein sehr bizarres, unglaublich anrührendes Paar. Niemand interessiert sich für die von der Gesellschaft ausgeschlossenen Menschen, bis der Junkie Izzy (Tim Roth) vom Dach des Hotels fällt. Er ist der Sohn eines Medienmoguls und dieser möchte wissen, wie und warum sein Sohn ums Leben kann. Er ist ein Mann, der immer Antworten auf seine Fragen möchte und normalerweise auch bekommt. FBI-Agent Skinner (Mel Gibson in einer wunderbaren Mischung aus Frankenstein und Supermann parodiert sein übliches Filmimage hier subtil selbst) wird auf den Fall angesetzt.......
Aber wie schon eingangs gesagt, um die Handlung geht es in diesem Film gar nicht wirklich. "The Million Dollar Hotel" will gar nicht verleugnen, dass es auch ein Song hätte werden können, wie es im Bilderbuch zum Film ("The Heart is a Sleeping Beauty") so schön gesagt wird. Der Hauptdarsteller dieses zweistündigen Werks, das mit sehr umfangreichen Zusatzmaterial auf einer zweiten Scheibe zu einem günstigen Preis auf DVD zu haben ist, ist das alte Luxushotel aus dem Jahre 1917. Da stand es im Mittelpunkt des schicken Zentrums von L.A., war das höchste Gebäude der Stadt und alles was Rang und Namen hatte (oder das wenigstens von sich glaubte) verkehrte hier. In den 20er Jahren hatte auch Charlie Chaplin sein Büro im Haus.
Auf dem Dach des Hotels ragt der Schriftzug in verrosteten Lettern über die Stadt. Im Film darf er nachts dank moderner Filmtechnik wieder leuchten, in der Realität wird er das wohl nie mehr. Ein magischer Ort, der die Lust weckt, selbst einmal dort zu stehen und über die Stadt der Engel zu schauen. In Sichtweite das sogenannte moderne Zentrum dieser Stadt, die eigenlich keine ist; prächtig, hoch, kalt, ohne Raum für Phantasie. Auf diesem Dach beginnt und endet der Film auch. Es ist die Zeit der "Blauen Stunde" zwischen Tag und Nacht, in Amerika nennt man sie "magic hour". Das Licht Kaliforniens, das einst die Filmemacher dazu bewog, New York zu verlassen und sich hier anzusiedeln, ist zu dieser Zeit besonders schön und auch in L.A. zu genießen, sofern nicht der Smog über der Stadt liegt. U2-Frontmann Bono, ein Freund von Wim Wenders, drehte bereits in den Achzigern einen Videoclip auf diesem Dach ("Where the streets have no name") und war von der Atmosphäre so begeistert, dass er den eigentlichen Anstoß zu diesem Film gab.
Heute leben in diesem abgewrackten Hotel, das sich nun "Frontier-Hotel" nennt, wirklich psychisch kranke Menschen, Junkies,Prostituierte, arme Einwanderer und und und....Ca. 800 Menschen sollen es sein, die hier für eine sehr günstige Monatsmiete von 300 Dollar ein Zimmer oder Appartement bewohnen. Das soziale Netz hat in den Staaten ja bekanntlich mehr Löcher als Maschen und so kann man ganz schnell ganz unten landen. Besonders in Kalifornien, wo der Lebensrhythmus gnadenlos schnell und hart ist. Es gibt keine Studioszenen im Film. Er wurde wirklich in diesem Hotel und in den Straßenzügen in der Nähe gedreht. Auch der Buchladen, in dem sich Eloise so gerne flüchtet, ist ein realer Ort. Der letzte Buchladen in meiner Stadt, der so heimelig war wie dieser, hat schon vor einigen Jahren geschlossen. Die Lobby des Hotels ist offensichtlich so groß, dass für den Film eine kleinere einfach hineingebaut wurde. So konnten die Bewohner problemlos das Hotel betreten und verlassen, auch wenn gefilmt wurde. Einige fanden die Filmerei ganz interessant und das Filmteam musste wohl viel Geduld aufbringen. Das Gebäude ist laut Wenders auch von Ratten und anderem Ungeziefer verseucht und würde in Deutschland vermutlich sofort geschlossen werden. In USA dürfen Gebäude auch langsam sterben. Es gibt genug Platz, man zieht einfach weiter. Vielleicht fällt dieses Haus einmal einem Feuer zum Opfer.
Schön sind auch die Szenen, die in einem leerstehenden Diner, ganz in der Nähe des Hotels gedreht wurden. Hier zeigt sich, wie so häufig in diesem Film, dass das visuelle Vorbild für etliche Szenen Bilder des großen amerikanischen Maler der Leere und Einsamkeit, Edward Hopper, war.
Wer nun Lust bekommen hat, sich den Originalschauplatz des Films einmal selbst anzuschauen, muss etwas Mut und Vorsicht im Gepäck haben. Die Gegend von L.A., in dem das Million-Dollar-Hotel steht, ist für Touristen nicht ungefährlich. Es gibt einige Stadtteile, die man meiden sollte. Es reicht schon, nachts in dem endlosen Straßengewirr als überforderter europäischer Autofahrer die falsche Ausfahrt zu erwischen und hinter fest verschlossenen Autofenstern den Hinterhof des amerikanischen Traums unfreiwillig zu besichtigen....
Danke also an Wim Wenders und dem ganzen Team, dass ich mir ein Stück amerikanischer Architekturgeschichte ganz gemütlich und ungefährlich auf dem heimischen Sofa ansehen darf. Danke auch für den Kommentar, mit dem der ganze Film unterlegt ist. Ich fand ihn genauso interessant wie die Geschichte.
Nicht weit entfernt, in einer alten Feuerwache, drehte Wenders einen weiteren, wundervollen Film: "Land of Plenty". Aber das ist eine andere Geschichte.
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20 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Sehenswerter Film - unübertroffene DVD-Ausgabe, 19. Juni 2002
Milla Jojovich und Mel Gibbson als Stars wecken sicherlich falsche Assoziationen/Erwartungen, denn dieser Film ist zweifelos der außergewöhnlichste, in dem die beiden mitgespielt haben. Wenders zeigt wieder einmal seine außerordentliche Begabung in der Arbeit mit den Schauspielern - und hier besticht vor allem Jeremy Davis als TomTom (und nicht so sehr die großen Stars). Sicherlich, die Story ist nicht konsistent, auch sind nicht alle Charaktere gleich gut gezeichnet, und doch: in diesem Film gibt es (wie eigentlich in allen Wenders-Filmen) Momente von solch überwältigender Intensität, die einem wieder in Erinnerung rufen, was Kino eigentlich sein könnte ...
Beinahe besser noch als der Film sind die Extras, die sich auf der dt. DVD-Ausgabe finden! - und das ist tatsächlich eine absolute Ausnahme. Das 'One-Dollar-Diary' - eben kein lieblos zusammengeschustertes 'Making off', sondern ein zweistündiges Film-Tagebuch des Filmemachers - war das beste, was ich in dieser Hinsicht seit langem gesehen hab!!!
Hoffentlich gibt es bald mehr von Wenders auf DVD - mit entsprechendem Bonusmaterial!
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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Vorsicht: Englisch-Tonspur NUR OMU!!, 8. Februar 2011
Dass der Film 5 Sterne verdient und etwas ganz besonderes ist, ist keine Frage.
Ich wollte allerdings diejenigen warnen, die sich die Filme gern im Original ansehen und das ist hier leider nur mit NICHT AUSSCHALTBAREM Untertitel möglich!!
Manch einer mag es ganz hilfreich finden, da die Charaktere vieles vor sich hin nuscheln ;)
Doch hat man sich dann an den Untertitel gewöhnt, so ist dieser ab etwa der Hälfte des Films kaputt und läuft auf einmal so schnell durch, dass man nicht mehr mitlesen kann.
Das ist sehr schade, ist doch sonst diese 2-Dvd-Version wirklich toll!
Aber ich finde es nicht in Ordnung, dass nicht angegeben ist, dass der Untertitel nicht ausschaltbar ist.
Dies kann man erst ersehen, hält man die Dvd selbst in der Hand - auf der Hülle hinten steht es drauf!
Die deutsche Synchro finde ich persönlich untragbar, aber das ist ja meist so, wenn man sich die Filme im Original anschaut, da möchte man die Synchronisation nicht mehr hören!
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