Lee Miller bin ich zum ersten Mal in Wolfburg begegnet, als ich die Ausstellung von Neo Rauch besucht habe. Es gab parallel eine umfangreiche Ausstellung der Fotos von Lee Miller. Seitdem bin ich ihr Fan! Ich liebe das erste Bild in diesem Buch (Georges Limbour und Jean Dubuffet am Fenster und im Hintergrund Lee Miller sie fotografierend) ganz besonders; es folgen hinreißende Porträts, erschütternde Fotos (aus den KZs befreite Gefangene und von ihnen oder von den Befreiern zusammengeschlagene Wärter), liebevolle Bilder (ihr Mann Roland Penrose an Mumps erkrankt im Bett, schief fotografiert, einfach so aus der Hüfte), surreale oder einfach umwerfend komponierte Porträts ihrer Freunde, so schön, dass man sie sich im schlichten Rahmen mit großem weißem Passepartout an die Wand hängen möchte. Alle diese Fotos erzählen einen Teil der Geschichte des Abgelichteten (das unterscheidet sie nach meinem Empfinden von anderen). Die Personen sind selten allein abgelichtet, sie sind umgeben von dem, was sie ausmacht oder umgibt, Bilder, Bücher, Tiere, Möbel, Häuser, wie z.B. Jean Cocteau in einer Kolonnade. Viele Fotos geben die Stimmung des Augenblicks wieder, z.B. Picasso in seinem Atelier, rauchend und offenbar mit Lee Miller redend sowie Françoise Gilot und beider Sohn Claude Picasso im Atelier. Die Bilder haben Flair, man spürt die Menschen.
Ein wunderschönes Buch, das man sich nicht nur einmal ansehen möchte.