Zwei Herzen schlagen, ach, in meiner Brust wenn es um die Bewertung dieses Low-Budget Zeitreisetrips aus dem altehrwürdigen Jahr 1989 geht.
Auf der einen Seite ist da die wirklich kreative Story um die Zeitreisende Louise Baltimore (Cheryl Ladd), die zusammen mit ihrem Team Menschen kurz vor deren Tod aus der Gegenwart kidnappen um mit ihnen in einer fernen Zukunft die aussterbende Menschheit aufzufrischen. Bevorzugtes Ziel dieser Zeitreisenden sind natürlich Flugzeuge, die sich kurz vor ihrem Absturz befinden. Das ganze Projekt droht jedoch aus dem Ruder zu laufen, als Louise ein paar Gerätschaften aus ihrer Zeit in einem abstürzenden Flugzeug vergisst, und als Bill Smith (Kris Kristofferson), der die Absturzursache untersuchen soll, diese entdeckt. Es entsteht eine Paradoxie, die die Zukunft auszulöschen droht, und deshalb wird Louise noch einmal zurück geschickt um den Fehler wieder gut zu machen. Allerdings bringt das den Zeitablauf noch mehr durcheinander und den armen Bill gleich noch mit dazu. Das Ende der Zukunft und damit der schlechtesten Frisuren seit Geschichtsschreibung scheint unaufhaltbar.
Dieser Film hat es nicht gerade zu großem Nachruhm gebracht, und das ist eigentlich schade, den die Story an sich ist nach der Kurzgeschichte "Air Raid" von John Varley wahrhaft genial erdacht und auch ausgesprochen spannend inszeniert. Die Erzählperspektive wechselt mehrmals zwischen den Personen und den Zeitebenen. Das verkompliziert die ehedem schon paradoxe Geschichte noch ein wenig mehr, was aber einen echten Zeitreisefreak keineswegs abschreckt, ganz im Gegenteil.
Die Spezialeffekte sind gemessen am Alter des Films gar nicht mal so übel, besonders die düstere Zukunft ist recht gut gemacht, auch wenn man hierfür offenbar die primitivsten Billig-Kulissen aller Zeiten verwendet hat.
ABER, und jetzt kommt der Grund warum ich den Film nicht mit 5 Sternen bewerten kann, die beiden tragenden Darsteller Kris Kristofferson und Cheryl Ladd spielen so dermaßen erbärmlich, dass sie mit ihrem 80er-Jahre Hilfsromantik- und Actiongeplänkel immer haarscharf an der absoluten Lächerlichkeit vorbeischrammten. Kris Kristorfferson mit halbintellektuellem Rauschebart wirkt wie eine Mischung aus Hägar dem Schrecklichen und Frankenstein Junior, feinmotorisch behindert und wahrnehmungsverzögert. Hätte ich ihn nicht schon in weitaus besseren Rollen gesehen, würde ich beinahe vermuten er kann's nicht besser. Den vom Beruf völlig vereinnahmten, einsamen Wolf kann er nicht mal ansatzweise glaubwürdig darstellen. Zum Ausgleich dafür darf der leidenschaftliche Fan ihn sporadisch bekleidet vor und nach dem S*x bewundern, gääääähn. Auch die 3-Engel-für-Charlie Wasserstoffblondine Cheryl Ladd, die mich mit ihrer hippen Föhn-Frisur irgendwie an Vanille-Softeis erinnerte, ist allenfalls um eine kleine Nuance besser als ihr männlicher Gegenpart. Ganz nett spielt sie beim Kettenrauchen, lustig wird es wenn sie Auto fährt und ihren smarten Alufolienanzug aus der Zukunft trägt, aber insgesamt hätte auch Cheryl Ladd weit mehr bieten können als bloß blond und blöd frisiert zu sein.
Also:
Millennium ist ein weithin unterschätzter Film, der wegen seiner verwirrenden Zeitreisegeschichte leider niemals die Massen fesseln konnte und dessen angebliche Romanze durch das blutarme Darstellerduo noch öder wird, aber wer den Stil der 80er Jahre schmerzfrei verkraften und sich für etwas anspruchsvollere Zeitreise-Stories erwärmen kann, der hat hier einen sehr spannenden und verwickelten Film vor sich, den man sogar mehrmals ansehen kann.
DVD:
Ca. 110 min Laufzeit, Format PAL/4:3, Vollbild (1.33:1), Ton Deutsch: Dolby Digital 2.0, keine Untertitel, keine Extras
Derselbe Film ist als DVD auch unter dem Titel
Die 4. Dimension erschienen. Die Ausstattung der DVD scheint auch nicht besser zu sein, aber immerhin dürfte sich ein Preisvergleich der beiden DVD-Ausgaben lohnen.