...und ich will sie rekrutieren." Das ist der Satz, mit dem Harvey Milk(Sean Penn) die Mengen anspricht. Er ist Amerikas erster bekennender Schwuler, der ein öffentliches Amt, als Stadtrat von San Francisco, bekleidet. Es dauert allerdings bis 1977, ehe Milk dieses Amt für sich gewinnen kann. Mit -Milk- hat Gus van Sant diesem außergewöhnlchen Mann ein beeindruckendes Denkmal gesetzt.
Als Ich-Erzähler, in einer fiktiven Cassenttenaufnahme, nimmt uns Milk mit in seine Vergangenheit. Die beginnt 1970, als er in New York Scott Smith(James Franco) kennen lernt. Es scheint Liebe auf den ersten Blick zwischen den beiden Homosexuellen zu sein. Zwei Jahre später siedeln beide nach San Francisco um und eröffnen dort im Castro-Viertel den Fotoladen Castro Camera. Schnell wird der Laden zum Treffpunkt der großen Schwulenszene von Frisco. Milk lernt, dass er mit diesen vielen Menschen ins öffentliche Leben eingreifen kann. Durch geschickte Kaufpraktiken lassen sich zum Beispiel die Händler und Gewerkschaften in Castro für Milk überzeugen. Nach und nach wird Milks Engagement immmer politischer und er bewirbt sich für die Wahl als Stadtrat. Gegen alle Widerstände tritt der eloquente Milk entschlossen und mutig in der Öffentlichkeit für die Rechte von Homosexuellen ein. Das bringt ihm Sympathie, aber auch Morddrohungen ein. Mit seinem Wahlkampfteam um Cleve Jones(Emile Hirsch) und Ann Kronenberg(Alison Pill) mischt Milk die verkrusteten Strukturen auf. Er verliert bei drei Anläufen die Wahl knapp, aber dann klappt es. Mit dem politischen Erfolg verliert Milk allerdings seinen Partner Scott, der den Trubel um Harvey nicht mehr aushält. Harvey wendet sich dem psychopathischen und teilweise depressiven Jack Lira(Diego Luna) zu, der ihm intellektuell in keinster Weise das Wasser reichen kann.
Im Amt muss sich Milk mit dem Stadtrat Dan White(Josh Brolin) auseinandersetzen und schafft das besser, als erwartet. Aber seine größte Herausforderung wartet noch: Senator Biggs und seine Mitstreiterin Bryant wollen ihren Siegeszug gegen die Gesetze, die Homosexuellen Gleichberechtigung beschert haben, in San Francisco fortsetzen. Milks Chancen, gegen diese Macht zu gewinnen, scheint gering. Aber Harvey Milk wäre nich Harvey Milk, wenn er den Kampf nicht aufnehmen würde. Das die eigentliche Gefahr für Milks Lebensidee aus einer ganz anderen Richtung kommt, kann er zu diesem Zeitpunkt nicht wissen...
Gus van Sant hält sich an die tatsächlichen Geschehnisse aus Milks Leben. Er macht den Zeitgeist überdeutlich, indem er Originalaufnahmen aus San Franciscos Zeit des sexuellen Aufbruchs in den Film einstreut. Mit schockierender Offenheit zeigt er die Lebens- und Liebesgewohnheiten des aufstrebenden Politikers. Dieses Leben müssen wir nicht immer verstehen, aber respektieren tun wir es in jedem Fall. Van Sant hat es perfekt geschafft, Milk authentisch und nicht verklärt darzustellen. Die Charaktere der Geschichte sind extrem gut getroffen. Wer im Abspann die Fotos der tatsächlichen Menschen um Harvey Milk sieht, wird erkennen, wie passgenau die Rollen besetzt wurden.
Natürlich müssen noch ein paar Worte zu Sean Penn fallen. Penn ist, jedenfalls für mich, der legitime Nachfolger eines Robert de Niro. Wie er Milk spielt, ihm all die Facetten der Liebenswürdigkeit, des Unverständnis, der Hilflosigkeit und der Kampfeslust entlockt, das ist ganz großes Kino der Extraklasse. Da ist es kein Wunder, dass es den Oscar für diese Leistung gab. Ganz nebenbei war -Milk- noch mit sechs weiteren Nominierungen im Oscarrennen und gewann ebenfalls beim besten Drehbuch.
Lassen sie sich mitnehmen ins San Francisco der Jahre 1972 bis 1977. Sie werden etwas lernen und dabei noch 127 Minuten perfekt unterhalten. Diese Kombination sollten sie sich auf keinen Fall entgehen lassen. Absolut sehenswert!