Die Reihe "Typenkompass" des Motorbuch Verlag umfasst mittlerweile eine stattliche Anzahl an Titeln aus dem zivilen und militärischen Bereich. Trotzdem überrascht diese im Februar 2012 erschienene Ausgabe über Militärfahrzeuge des dt. Heeres 1905 - 1918 nun doch. Sind doch neue Beiträge zu Einzelthemen des ersten Weltkrieg in deutscher Sprache recht selten!
Der Autor Wolfgang Fleischer - durch eine größere Anzahl an Beiträgen zu tech. Themen der Reichs- und Wehrmacht kein Unbekannter mehr - spannt hier auf 127 Seiten einen weiten Bogen von Krafträdern bis zum Tank.
In einer sehr interessanten Einführung erfährt der Leser z.B. wie aufgeschlossen u. interessiert das preuß. Heer Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren gegenüber stand und das große Potenzial dieser Entwicklung zu Beginn des 20. Jahrhunderts bereits voraus sah.
Desweiteren erfahren wir, das sich das Militär entsprechend mit Einkäufen zurück hielt. Erkannte man, durch Großeinkäufe schnell auf einem veralteten Fahrzeugpark zu sitzen, bedingt durch rasante Fortschritte in der Fahrzeugentwicklung. Zwar wollte man auf Kraftwagen zukünftig nicht verzichten und im Kriegsfall gut ausgestattet sein aber in Friedenszeiten keine größeren Investitionenmittel bereitstellen. Die Lösung dieses Konfliktes schien schlau, dahingehend auf die Fahrzeugproduzenten Einfluss zu nehmen, bei der Entwicklung zivile und militärische Bedürfnisse zu berücksichtigen. Ausserdem etablierte man den "Subventionslastkraftwagen" bei den Herstellern. Fahrzeuge, die den Wünschen der Militärs entsprachen und deren Erwerbung durch private Käufer durch finanzielle Unterstützung gefördert wurde. Auf diese wollte man im Kriegsfall dann zurückgreifen.
Ob die Rechnung der Militärs 1914 aufging bleibt der Autor dem Leser weder schuldig noch endet hier die interessante Fülle an Informationen da der Leser auch u.a. über die Fahrzeugbeschaffung während des Krieges einiges erfahren kann.
Den grössten Teil des Typenkompasses nimmt allerdings die Beschreibung der Fahrzeuge in Anspruch, gemäß dem Standard der Reihe steht eine Seite incl. Datenkasten und Foto pro Kfz. zur Verfügung.
Der Bogen spannt sich hier von Krafträdern, Pkw, Krankenwagen, Lkw, schwere Armeelastzüge über Kraftzugmaschinen und Protzen, un- u. gepanzerte Waffenträger/Selbstfahrlafetten wie Flugabwehrkanonen bis hin zu den Panzerwagen und Panzerkampfwagen wie den A7V. Dem Leser begegnen viele bekannte u. unbekannte Firmen wie: Adler, Audi, Benz, Daimler, Ehrhardt,Horch, Krupp, Lanz, Mann, NAG, NSU, Protos, Stoewer oder Vomag u.a. Abgerundet wird das Buch dann noch mit einem kleinen Glossar, was den Leser mit Begriffen wie "Landaulet" vertraut macht.
Fazit: Natürlich kann der Rahmen eines Titels aus der Motorbuch Kompass-Reihe keine erschöpfenden und weitgreifenden Auskünfte geben, alle eingesetzen Vehikel oder Prototypen vorstellen. Auch muss man wohl die nicht einheitliche Angabe von Eckdaten im Datenkasten verschmerzen, was wohl dem in den letzten 100 Jahren möglw. vorlorengegangen Wissen geschuldet ist. Und auch die schwankende Bildqualität, wobei sehr lobend erwähnt werden muss, das nur Aufnahmen von Armeekfz. Verwendung fanden! Es wäre von Fall zu Fall wesentlich einfacher gewesen Werksaufnahmen von Zivilkfz. aufzutreiben. Zu verschmerzen ist es da z.B. auch, das der Bremerwagen/Marienwagen II, ein Halbkettenfahrzeug fehlt dafür aber der L.K.II, die zweite dt. Panzerentwicklung, die die Produktionsreife erlangte aber nicht mehr zum Einsatz kam und 1919 in 20 Exemplaren an die schwedische Armee geliefert wurde, Aufnahme in diese Sammlung fand.
Herr Fleischer und der Motorbuch Verlag geben dem interessierten Leser aber ein kompaktes und solides Nachschlagewerk an die Hand welches einen sehr großen Präsentationsbogen spannt. Wer sich diese Informationen
versucht auf anderen Wegen zu beschaffen wird viel Zeit und auch Geld dafür verwenden müssen weil er an antiquarischen Titeln wohl kaum vorbeikommen wird.
Daher ist dieses Buch ein grosser Wurf, vom Preis/Leistungsverhältnis her m.E. nicht schlagbar!