Puristen lehnen Miles Davis elektrische Bands seines letzten Lebensjahrzehntes ab - der Meister habe sich kommerzbewußt der Popmusik zu Füßen geworfen, sich dem Rockpublikum angepasst, Hitparadenschlager ins Repertoire aufgenommen. Sie liegen falsch, so falsch, wie überhaupt nur möglich: erstens hat Miles immer das große Publikum gesucht (und meist gefunden), zweitens hat er zu jeder Zeit mit Standards und Evergreens gearbeitet (wie die meisten Jazzer) und drittens... Ja, drittens stellen die Bands seiner Endphase auch so etwas wie die Vollendung seiner lebenslangen Strebens dar: improvisierende Kollektive, die nicht nur Transportmittel des Solisten sind sondern ad hoc Klangwelten erschaffende und komponierende Ensembles, die unglaublich komplex, unglaublich dynamisch, unglaublich kompakt musizieren und dabei den Zugang zum Hörer nie verlieren. Wenn die derzeitige Ära eines bürgerlich-behäbigen, rückwärtsorientierten Jazz vorüber ist, wird diese Schaffensperiode von Miles Davis als das gewürdigt werden, was sie ist: Kunst auf allerhöchstem Niveau. Diese DVD demonstriert das beeindruckend.