Der vorliegende Band "Milena Jesenská. Biographie einer Befreiung" von Margret Steenfatt erstaunt durch die Unkenntnis der derzeitigen Forschungslage.
Die Briefe Kafkas an Milena Jesenská(-Pollak) sind offenbar nur in der Briefausgabe von Willy Haas herangezogen worden, die, so verdienstvoll sie auch ist, in der Forschung seit dem Erscheinen einer neuen, erweiterten Ausgabe im Jahre 1983 (hrsg. v. Born/Müller) Makulatur ist.
Auch sachliche Fehler zu Kafkas Biographie finden sich in großem Umfang.
So war Marie Werner NICHT die Erzieherin Kafkas, kam sie doch erst im Jahre 1911 in die Familie. Auch die Behauptung, Kafkas Verleger Kurt Wolff habe eine Veröffentlichung von Kafkas "In der Strafkolonie" abgelehnt, entbehrt jeder Grundlage. Und so geht es munter weiter mit den Fehlern und falschen Behauptungen.
Als letztes muß angemerkt werden, daß es bereits eine sehr gute Biographie zu Milena Jesenská gibt, die offenbar auch als Grundlage der vorliegenden Arbeit gedient hat, es handelt sich dabei um den Band von Alena Wagnerová: "Milena Jesenská. Biographie", der im Jahre 1994 erschienen ist. Wer also etwas Fundiertes zu diesem Thema lesen möchte, besorge sich besser den Band von Alena Wagernová.