Rothmann ist ein Romancier, ein Erzähler, der in bester Tradition so leicht mit seiner Geschichte daherkommt, als würde er sie einem bei einem Bier in der Eckkneipe erzählen. Es tauchten darin Momente auf, die einen Schmunzeln lassen und solche, die uns nachdenklich zurücklassen. Ende der Sechziger Jahre ist das Wirtschaftswunder bereits ein historischer Begriff, für einen Hauer im Ruhrgebiet haben längst härtere Zeiten angefangen. Zumal er sein erstes Leben als Melker hat wegen seiner Frau aufgeben müssen. Mit den Augen eines Fünfzehnjährigen werfen wir einen Blick auf eine Familie, wo die Mutter sich einen Fernseher, ihr Stück vom Kuchen und das Amüsement am Wochenende wünscht, um sich was aus dem Leben zu machen. Dass sie sich dabei auch noch ein kleines Verhältnis gönnt - soll ja schon vorgekommen sein. Was bleibt einem Pubertierenden da noch als selbst durch die Gegend zu ziehen, seine Art von Abenteuer zu suchen. Die Flucht aus dem Alltag gibt's zu allen Zeiten. Im Rückblick ist man erstaunt, wie sehr sie doch auch für die eigene Zeit zutraf. Ralf Rothmanns Stärke besteht darin, sie uns wie einen alten Freund nahe zu bringen, mit dem man gestritten, mit dem man sich versöhnt hat und mit dem man im Abstand der Jahre sich wieder auf ein Bier verabredet.