Produktbeschreibungen
Wenn E.T. den Finger hebt um nach Hause zu telefonieren, wenn Moses das Meer teilt um das Volk Israel ins gelobte Land zu führen, dann treibt sie die ein und dieselbe Sehnsucht: Es ist das Bedürfnis nach Heimat.
Milch & Honig das ist das dritte Album von Rainer von Vielen und seiner Band, es ist die Platte mit dem sie zu Hause angekommen sind. Das hört man nicht nur wenn bei der Cover Version von Sidos Mein Block die Tuba bläst, die Quetschkommode die Ballade Bei den Beiden begleitet, oder Rainer von Vielen "Alles ist verbunden und dieser Bund heilt meine Wunden" im gleichnamigen Song singt.
Auf Rainer von Vielens Milch & Honig riecht es nach Alm, genauso wie auf Peter Fox Stadtaffe oder Jan Delays Wir Kinder vom Bahnhof Soul die Metropolen Berlin und Hamburg rauschen.
Genauso wie in der Wirklichkeit unserer Zuwanderungsgesellschaft ist Heimat auf ihren Platten kein Begriff mehr, der nur zulässt was das Klischee erfüllt.
Milch & Honig sind 13 Songs, die den Hörer nie die Orientierung verlieren lassen, obwohl man sich nie in Sicherheit wiegen kann. Dort wo es inhaltlich weh tut, ist man musikalisch nett und beschwingt zu uns, so wie gleich beim Auftaktstück. Hektisch wird es dafür, wenn es vermeintlich gemütlich ist: "Dieses Land ist voll von dem, was ein Urlaub braucht" (Asche zu Asche). Auf Sonne kommt Regen, auf einen langsamen Walzer sieben Titel später ein überdrehter Discofox.
Sein Name ist auch auf dem vierten Album Programm. Rainer von Vielen wechselt die Stile im Minutentakt. Doch eines bleibt: Der Wunsch, die Welt zu einem besseren Ort zu machen. "Milch Und Honig" hat Rainer von Vielen sein neues Werk genannt. Es geht um eine Utopie, die da aufgemacht wird: Das Land, in dem Milch und Honig fließen - das gelobte Land, in dem alles ideal ist. Dass die Realität aber leider anders aussieht, wird schon beim Anblick des Albumcovers deutlich: Die Welt steht in Flammen.
Die Lyrics zu "Sicher Ist Sicher" thematisieren zum Beispiel das zunehmend übertriebene Sicherheitsdenken, bei dem selbst in Toiletten Videokameras installiert werden. Auch deshalb plädiert der Song "Her Damit" dafür, den eigenen Kopf einzuschalten. Viele Songtexte auf "Milch und Honig" haben gesellschaftskritische Inhalte, um die Traumwelt im Albumtitel zu hinterfragen. Doch das ist nur einer der Gründe, warum Rainer von Vielen seinen vierten Streich so getauft hat. "Natürlich gefiel es uns, zu dem Inhalt des Albums mit diesem utopischen Titel einen Kontrast zu bilden. Gleichzeitig stellen wir aber zum Beispiel mit 'Milch und Honig' den Bezug dazu her, dass wir alle aus dem Allgäu sind. Das dazugehörige Klischee sind da die Milchkühe und Berge."
Ihren Wurzeln bleibt die Band eben treu. Da wird die Quetschkommode für die Ballade "Ich Bin Dabei" rausgeholt, während bei der Cover-Version von Sidos "Mein Block" die Tuba erklingt (wobei es sich beim Text genau genommen nur um den Refrain und die im Video als Intro genutzte Strophe aus "Steig Ein" handelt). Doch nicht nur musikalisch bildet der Allgäu noch immer die Heimat für Rainer von Vielen. Ein auf dem Land gelegener alter Bauernhof ist der zentrale Ort seines Schaffens: "Der Proberaum und mein Studio sind hier. Während der Produktion hat auch Niko Lai, mein Schlagzeuger, hier gelebt, denn wir haben das Album zusammen produziert. Bis vor etwa einem halben Jahr hat noch unser Gitarrist Mitsch Oko in meinem Haus gewohnt. Das Ganze ist also schon unsere Zentrale, wo wir zusammenkommen und unsere Musik erschaffen."
Obwohl sich das ein bisschen nach Aussteigermentalität anhört, sind Rainer von Vielen aber die sozialen Probleme natürlich bewusst. So liefert er mit "Klub Krise" seine Analyse, was an den Finanzmärkten falsch gelaufen ist: "Wir haben's immer schon gewusst, mussten uns vor der Wahrheit verstecken, unsere Augen mit dem Glauben an Profit bedecken." In dem "wir" steckt er nach eigener Aussage aber eben auch mit drin. Rainer spricht da im Grunde von der ganzen westlichen Gesellschaft: "Es geht einfach um diese allgemeine Einstellung. Erst, wenn eine Krise da ist, verändert sich was. Da geht es mir genauso wie anderen. Wir sind alle Gewohnheitstiere."
Zumindest den Hörgewohnheiten setzt Rainer von Vielen etwas entgegen. Sein Stilmix vereint scheinbar Unvereinbares wie Ghetto-Rap mit Volksmusik, Elektro mit Rock, Sozialkritik mit Housemusic oder im Falle von "Meine Engel" einen funky eingespielten Disco-Popsong mit Ideen, die an "Engel" von Rammstein erinnern. Was da noch so alles vermischt werden könnte und wird, zählt Rainer von Vielen in den Lyrics der Single "Kein Zurück" auf. Geht nicht gibt's nicht. Und das findet er auch sehr gut so: "Eines gibt es glücklicherweise nicht: Es gibt kein Zurück!"