Sehr selten gibt es Bücher, die auf einen Schlag die Augen öffnen und ein ganzes Leben wirken. Mila 18 ist ein solches Buch, ich habe es vor über 30 Jahren gelesen. Der Skandal ist, das es nicht mehr aufgelegt wird. Leon Uris schreibt hier auf eine Weise, die mich die Bilder niemals hat vergessen lassen. Ich sehe das KZ, als die jüdischen Kundschafter nach dem Schicksal der Deportierten forschen. Ich spüre den Hass und die Hoffnung, der in dieser vergrabenen Bombe vor dem Eingang des Warschauer Ghettos steckt. Möge sie nur möglichst viele dieser Schlächter zerreißen, bevor sie mit ihren Panzern kommen. Ich sehe die Besprechungen und fühle die Angst, die zu verzweifeltem Kampfgeist wird. Und ich spüre den Willen und die Liebe zu leben, die dahinter steht. Dabei habe ich niemals das Gefühl von Propaganda oder Heroisierung gehabt. Aber seit Mila 18 weiß ich, was Helden sind und wogegen wir ein Widerstandsrecht in unserer Verfassung haben.
Dieses Buch handelt von Menschen, Juden in diesem Fall, die ohne jede Chance um ihr Recht auf Leben kämpfen und sich eben nicht in ihr Schicksal ergeben. Ich habe auch mit Augenzeugen gesprochen. Leon Uris ist nicht absolut historisch korrekt, aber er kommt den Dingen nah. Er beschreibt, dass Menschen gegen Unrecht kämpfen können, wenn sie gemeinsam Waffen bauen, solidarisch sind und die Vorurteile untereinander beiseite legen. Frauen sind hier keine Schafe, sie kämpfen in der ersten Linie mit der Waffe, sie kundschaften und schmuggeln durch den deutschen Belagerungsring. Auch das passt natürlich nicht ins Bild der Schwachen als Opfer, die sich von den Mächtigen auf die Schlachtbank führen lassen. "Mila 18", diese Hausnummer der Widerstandszentrale, ist eine gute Adresse, die jeder kennen sollte. Das Buch gehört endlich wieder aufgelegt und auch einmal verfilmt.