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So beginnen ein herrlicher Sommertag auf einer Wiese, irgendwo in Frankreich, und der Film Mikrokosmos, der von Anfang an klarmacht, dass es sich hierbei nicht um einen Dokumentarfilm der üblichen Art handelt. Die beiden Regisseure versuchen vielmehr, mittels extremer Nahaufnahmen und ungewöhnlicher Kameraeinstellungen dem Zuschauer das Gefühl zu vermitteln, sich auf gleicher Ebene mit den "Darstellern" des Films -- allesamt Insekten -- zu befinden und sie bei ihren täglichen Verrichtungen zu beobachten. Dabei haben sie manchmal Szenen ausgewählt, die kleine Dramen, Missgeschicke oder gar Liebesszenen darstellen. Köstlich sind die Aufnahmen von einem Mistkäfer, der eine große Dungkugel vor sich herrollt. Da bohrt sich ein im Weg liegendes Ästchen so in die Kugel, dass sie festhängt. Doch der Käfer gibt nicht auf, er zieht und gräbt mit solcher Unermüdlichkeit, bis er die Kugel wieder freibekommt -- was für eine Leistung!
Bewusst verzichten die Regisseure auf grausame oder blutige Bilder, um die generell vorherrschende Abneigung gegen Insekten nicht noch weiter zu fördern. Zur Spannung und Dramatik dieser wunderbaren Dokumentation tragen auch wesentlich die Musik und die Geräusche bei, die zum Teil im Studio nachvertont wurden. Die letzte Einstellung erzeugt ein spannendes Finale: Minutenlang beobachtet die Kamera ein seltsames Wesen, das ganz langsam aus dem Wasser auftaucht. Erst ganz am Schluß erkennt man, um was es sich handelt... --Yvonne Engel
Vier Jahre lang beobachteten die Biologen Claude Nuridsany und Marie Pérennou das geschäftige Treiben dieser quirligen Geschöpfe, wobei ihnen mit Hilfe einer eigens entwickelten Kameratechnik bezaubernde Aufnahmen gelangen. Auch Ton und Musik sind vorzüglich auf die jeweilige Szene abgestimmt, man fühlt sich als Betrachter schon beinahe in diese fremdartig anmutende Welt eigenwilliger Kleinlebewesen hineinversetzt.
Die einzelnen Kapitel sind dem Ablauf eines Tages entsprechend aufeinander abgestimmt, von der "Vorstellung der Bewohner" über die "Paarungszeit", die "Ameisenkolonie", die "Macht des Regens", bis zur "Abendstimmung" wird der Zuschauer Zeuge dieser sonderbaren, zugleich aber auch unglaublich faszinierenden Welt im Kleinen. Gewissermaßen versucht der Film den Zuschauer auf diese versteckte Welt aufmerksam zu machen, ihn dafür zu sensibilisieren, auf dass er beim nächsten Gang durch Wald oder Wiese jenes ebenso bedeutende Leben unter seinen Füßen wahrnehme.
Denn schon in seinem "Werther" stellte Goethe so trefflich fest, dass der harmloseste Spaziergang tausend armen Würmchen das Leben kostet, "es zerrüttet ein Fußtritt die mühseligen Gebäude der Ameisen und stampft eine kleine Welt in ein schmähliches Grab." Wie wahr.
Als Extras enthält diese im aufwändig gestalteten Pappschuber daherkommende Special Edition ein Making of sowie mehrere interessante Interviews (u. a. mit den Regisseuren) und Trailer zu anderen Naturdokus.
Ich kann "Mikrokosmos" jedem uneingeschränkt weiterempfehlen, der sich für etwas mehr als 70 Minuten in eine mitreißende, unbekannte Welt jenseits der menschlichen Zivilisation entführen lassen möchte. Für mich steht fest, dass es sich hierbei neben der "National Geographic"-Reihe um einen der besten Dokumentarfilme aus dem Reich der Tiere handelt, den ich bisher gesehen habe. Auf die zweite Produktion aus dem Hause Nuridsany/Pérennou, den Film "Genesis", der die Entstehungsgeschichte des Lebens thematisiert, darf man schon jetzt gespannt sein!
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