Bei dem mehrfach ausgezeichneten Film "Mikrokosmos" handelt es sich um eine meisterhaft inszenierte Naturdokumentation mit dem Charakter eines Fantasythrillers, in dem die Hauptrollen von den anmutigen Bewohnern einer sommerlichen Wiese in Frankreich übernommen wurden, von den Machern dieses Films auch als das "Volk der Gräser" bezeichnet.
Dabei handelt es sich bei diesen ungewöhnlichen, aber nicht minder begabten Akteuren in erster Linie um Spinnen, Schnecken, Hirschkäfer, Ameisen, Läuse und Raupen - auf den ersten Blick eine recht untypische, für manchen womöglich "unbehagliche" Besetzung.
Vier Jahre lang beobachteten die Biologen Claude Nuridsany und Marie Pérennou das geschäftige Treiben dieser quirligen Geschöpfe, wobei ihnen mit Hilfe einer eigens entwickelten Kameratechnik bezaubernde Aufnahmen gelangen. Auch Ton und Musik sind vorzüglich auf die jeweilige Szene abgestimmt, man fühlt sich als Betrachter schon beinahe in diese fremdartig anmutende Welt eigenwilliger Kleinlebewesen hineinversetzt.
Die einzelnen Kapitel sind dem Ablauf eines Tages entsprechend aufeinander abgestimmt, von der "Vorstellung der Bewohner" über die "Paarungszeit", die "Ameisenkolonie", die "Macht des Regens", bis zur "Abendstimmung" wird der Zuschauer Zeuge dieser sonderbaren, zugleich aber auch unglaublich faszinierenden Welt im Kleinen. Gewissermaßen versucht der Film den Zuschauer auf diese versteckte Welt aufmerksam zu machen, ihn dafür zu sensibilisieren, auf dass er beim nächsten Gang durch Wald oder Wiese jenes ebenso bedeutende Leben unter seinen Füßen wahrnehme.
Denn schon in seinem "Werther" stellte Goethe so trefflich fest, dass der harmloseste Spaziergang tausend armen Würmchen das Leben kostet, "es zerrüttet ein Fußtritt die mühseligen Gebäude der Ameisen und stampft eine kleine Welt in ein schmähliches Grab." Wie wahr.
Als Extras enthält diese im aufwändig gestalteten Pappschuber daherkommende Special Edition ein Making of sowie mehrere interessante Interviews (u. a. mit den Regisseuren) und Trailer zu anderen Naturdokus.
Ich kann "Mikrokosmos" jedem uneingeschränkt weiterempfehlen, der sich für etwas mehr als 70 Minuten in eine mitreißende, unbekannte Welt jenseits der menschlichen Zivilisation entführen lassen möchte. Für mich steht fest, dass es sich hierbei neben der "National Geographic"-Reihe um einen der besten Dokumentarfilme aus dem Reich der Tiere handelt, den ich bisher gesehen habe. Auf die zweite Produktion aus dem Hause Nuridsany/Pérennou, den Film "Genesis", der die Entstehungsgeschichte des Lebens thematisiert, darf man schon jetzt gespannt sein!