Hier geht es hart zur Sache! Vor extremen Darstellungen von körperlicher Liebe und äußerster Gewalt muss ausdrücklich gewarnt werden.
Danach kommt einem womöglich Ridley Scotts "Alien" tatsächlich wie ein Teddybär vor - aber wer nicht gleich verkrampft, wenn er u.a. Bienen, Schnecken, Hirschkäfer, Ameisen, Marienkäfer, Mücken, Spinnen und Läuse metergroß auf der Leinwand sieht, kann sich auf optische (und akustische!) Erlebnisse besonderer Art freuen.
Claude Nuridsany und Marie Pérennou haben 1996 mit "Mikrokosmos" einen wirklich außergewöhnlichen Film geschaffen, bei dem mit enormem technischem Aufwand und Einfallsreichtum extreme Makroaufnahmen und Zeitlupen von den skurrilen Lebewesen auf der Wiese nebenan gelungen sind.
Die Dramatik der Bilder spricht für sich selbst - die Produktion verzichtet auf die sonst üblichen lehrreichen Kommentare. Das verleiht dem Gesamtkunstwerk eine neue und eindeutig bessere Dramatik, als man sie von anderen Naturfilmen kennt.
Dagegen ergänzt die Musik von Bruno Coulais extrem verstärkte und simulierte Originalgeräusche kongenial und erhielt einen César, in Cannes gewannen die Macher den "Großen Technikpreis".
Die Arthaus / Kinowelt - Blu-ray von 2009 bietet im Format 1,66:1 mit schmalen Seitenbalken 75 Minuten (Originallänge 80 Minuten) einen perfekten HD-Transfer des original in 35 mm gefilmten Materials - natürlich in 1080p/24 Full HD. DTS HD MA 5.1 - Tonspuren sind in Deutsch und Französisch wählbar. Das Cover lässt sich in eine FSK-freie Version wenden.
Die Bildqualität ist, soweit das mit damaliger Filmtechnik möglich war, atemberaubend. Ein leichtes Filmkorn ist durchgehend zu erkennen. Kontrast und Farbwiedergabe liegen auf höchstem Niveau. Nur vereinzelt sind Doppelkonturen und (in den letzten Aufnahmen) Kompressions-Artefakte zu erkennen.
Auch an den Extras (in SD) gibt es nichts zu mäkeln. Man lernt die Macher kennen, begleitet sie beim "Casting" in der Natur und beim Dreh im Studio. Außerdem erfährt man einiges über die technischen Probleme und wie man sie gelöst hat. Das "Making Of" läuft ca. 12 min., die Interviews ca. 41 und 42 Minuten. Zudem gibt es den obligatorischen Trailer - den nun wieder in HD. Anscheinend war dann noch ausreichend Platz für 7 weitere Kinowelt-Trailer.
Eine sehenswerte Produktion nicht nur für Naturbegeisterte, sondern auch wegen ihrer exotischen Ästhetik und natürlichen Dramatik für Filmfreunde ganz allgemein. Für Schulen und Eltern sind solche Ausflüge in die Natur mit Kindern und Heranwachsenden natürlich ein absolutes Muss - alle Übrigen werden einfach nur begeistert sein von grandiosen Bildern, wie man sie wahrscheinlich noch nie gesehen hat; die "Special-Effect-Teams" der SF-Produktionen können hier jedenfalls noch eine Menge dazulernen ...
film-jury 5* A0765 2.2.2012eg 9A Genre: Dokumentation