Der "Mikrokosmos" Bartóks ist ein über viele Jahre zusammengestelltes Werk für Klavier in 6 Bänden, das systematisch von allereinfachsten Anfängen an nach und nach immer komplizierter und komplexer wird: am Ende stehend eine (quasi Zyklus im Zyklus) Folge bulgarischer Stücke.
Das Besondere ist, dass die Musik trotz ihrer in erster Linie didaktischen Zielsetzung niemals blutleer ist, sondern selbst die einfachsten Übungen im ersten und zweiten Band sind musikalisch anspruchsvoll angeordnet und organisiert - also komponiert.
Die Verwendung von Pentatonik, die ebenfalls häufige Verwendung ganz speziell der Skalen Lydisch, Mixolydisch und Dorisch und hin und wieder Bitonalität machen das Tonmaterial spannend und originell.
Häufig vorkommende zusammengesetzte Metren (z.B. 7/8-Takt) klingen mitreißend und sind von der osteuropäischen Volksmusik beeinflusst, die Bartók so häufig inspirierte.
Er bringt 3 Linien zusammen: die E-Musik-Tradtion und deren Tonsatz (Bachs kontrapunktisches Denken, Beethovens Klarheit der Form), die Inspiration oder unmittelbare Beeinflussung durch osteuropäische Volksmusik und -tänze in Melodik und Skalen sowie Rhythmik (v.a. Ungarn, Slowakei, Rumänien, Bulgarien) und die Innovation der damals zeitgenössischen Moderne (Stichworte u.a. Bitonalität, Beeinflussung durch Cowell: Cluster).
Das Preis/Leistungsverhältnis ist angesichts der sehr guten Interpretation großartig. Ich hätte mir einen Abdruck aller einzelnen Stücknamen gewünscht, obwohl das ja mit weit über hundert Titeln ziemlich viele sind.