Wie man in Würde altert, ist eines der ungelösten Probleme der Rockmusik (im Gegensatz etwa zu Blues und Jazz), aber manche kriegen's hin und Robert Plant besser als die meisten. Nach dem fabulösen Coverversionen-Album Dreamland und der nützlichen Retrospektive 66 to Timbuktu zeigt der alte Led Zeppelin Haudegen, dass er nicht nur immer noch eine der grossen Stimmen der Rockmusik hat, sondern dass er es nach wie vor versteht, exzellente und ungeheuer abwechslungsreiche Songs zu schreiben, die zwar der Vegangenheit verhaftet sind, aber dennoch zeitgemäss klingen. Das beginnt gleich mit dem ersten Song "Another Tribe", der jene östlichen Melodien und Rhythmen inkorporiert, welche die Page/Plant-Kollaboration Unledded so faszinierend machten. Dann wird klassisch gerockt wie in der Single "Shine It All Around" mit ihrem John Bonham-Beat, dem rhythmisch etwas an „Oh Well" erinnernde "Freedom Fries" oder dem grossartigen, täuschend ruhig beginnenden und sich zu wilden Ausbrüchen steigernden "Tin Pan Valley". Genauso überzeugend und wunderbar gesungen die ruhigeren, folkigen Nummern wie "All the King's Horses" und "Dancing In Heaven" in denen Plants Liebe zu 60er Westcoast-Bands wie Moby Grape oder dem grossen Tim Buckley durchscheinen, dessen unvergleichliches „Song To The Siren" er auf Dreamland gecovert hatte, oder der Folk-Blues "Somebody Knocking". Besonders gut auch "The Enchanter" mit exzellenter Gitarre und dezent elektronischem Hintergrund, "Four Winds Blowing" und der starke Titelsong. Vollends erstaunlich ist der Hidden Bonus Track, ein technoides Drum&Bass Remix von „Shine It All Around", das an Archive erinnert und radikaler klingt als alles, was Plant nach dem Ende der größten Rockband der Geschichte je gemacht hat. Bei diesem leidenschaftlichen und abenteuerlichen, durchgehend hervorragemden Album kann man nur zu einem Fazit kommen: Plants bestes Soloalbum mit eigenen Songs. Und: so muß man altern!