Allein der Titel schiebt eine Welle, daß man einen gewaltigen Frachter dahinter vermutet. Bei näherer Betrachtung, also Lektüre, zeigt sich: Es ist allenfalls ein Beiboot, was da zu Wasser gelassen wurde. Ärgerlich ist, trotz beeindruckender Faktenfülle, daß der Autor sich als unfähig erweist, Geschichte in ihrem Ablauf und ihrer Komplexität zu erfassen. Das MfS wird als Institution geschildert, als habe sie sich nach eigenen Gesetzen und gänzlich losgelöst von einem gesellschaftlichen Kontext entwickelt. Als habe es keinen Kalten Krieg gegeben, keine Auseinandersetzung zwischen Ost und West, bei der am Ende überhaupt nicht mehr feststellbar war, was Aktion und was Reaktion war. Der Autor wollte beweisen, daß der "Mielke-Konzern" eine organisierte Verbrecherbande war. Wohl wahr, Geheimdienste sind keine Gesangvereine, egal, ob sie nun CIA, KGB, BND, MAD oder MfS heißen. Das wußte man schon vorher. Aber daß die einen nur gut und die anderen nur schlecht waren bzw. sein sollen, darf bezweifelt werden. Wer dies aber den Lesern weiszumachen versucht, hat selbst nicht viel begriffen.