Aus der Amazon.de-Redaktion
Wenn Beck Folk, Hip Hop, Country, Blues und Lo-fi-Rock zu einer einzigartigen Klanggattung zusammenfügt, bedankt er sich auf äußerst unterhaltsame Weise bei denen, die ihn so beeinflußt haben. Tatsächlich ist dieser Alternative-Rock-Vagabund für einige Musikwerke der 90er Jahre verantwortlich, auf die man am allerwenigsten verzichten möchte. In seinen nicht so kreativen Phasen mißlingen jedoch Becks Versuche, seinen Vorbildern nachzueifern und schaffen nur eine Güteklasse B der ursprünglichen Versionen.
Midnite Vultures hält die Waage zwischen dem großartigen Beck und dem nicht so großartigen Beck. Ungefähr die Hälfte des Albums schwelgt in diesem Retro-Brei, man könnte es, wenn man so will, "Becksploration" nennen. In diesem Bereich erreichen seine ziemlich direkten und plumpen Verkörperungen nicht das Niveau der Originale. Bei Dauerbrennern wie seinen Soul-Tracks "Peaches and Cream" und "Debra" oder der Widmung "Hlwd. Freaks" fehlen ihm die Stimmkraft, der Mumm und der Werdegang, um als legitimer vollwertiger Soul-Typ oder als Rapper der alten Schule anerkannt zu werden. Bei der anderen Hälfte, in der wir Beck in seinem Element finden, ist er belebend und erfrischend. Seine unerschütterliche Meisterschaft in der Studioarbeit wird besonders deutlich bei Meisterwerken wie dem von den Bläsersätzen dominierten "Sexx Laws", dem überschäumenden, vom Slap-Baß angetriebenen "Nicotine and Gravy" und bei dem bombastischen Wah-Wah-Effekt von "Mixed Bizness".
Das Album beweist, daß Beck nicht an die spontanen Talente von Marvin Gaye, George Clinton oder Prince herankommt, wenn er konsequent Funk spielen will, aber solange er so erfindungsreich unterschiedliche Musikkategorien verbinden kann, bleibt er auf seine Art immer noch faszinierend. --Beth Massa
INTRO
Vorhang auf. Der 90er-Jahre-Konsens-Überflieger der Musikschreiber der westlichen Welt strikes again. Kein langes Versteckspiel, die Bläser geben sofort ein klares Signal: heute tanzen wir, die Western-Folk-Gitarre bleibt im Koffer. "Sexxlaws', die erste Single, ist schon beim Start Gewinner. Handclaps, Frauenchöre, wabernde Synthies und ein "Cotton-Eye-Joe'-Banjo lassen alle Optionen für die Videoclip-Auswertung. "Nicotine & Gravy' tröstet die trauernde Prince-Gemeinde, die von ihrem Meister so lange im Stich gelassen worden war und jetzt vielleicht Mr. Hansen ihr Ohr leihen wird. Der hat eh die besseren Songs und schaut nicht immer so beleidigt drein. "Mixed Bizness' setzt weiter auf den Funk - freuen wir uns schon jetzt auf Becks Hüftschwung -, "Get Real Paid' auf Synthie-Blubber-Beats aus der 80er-Disco (Depeche Mode? Devo?) und den überhaupt auffallend häufig eingesetzten Eunuchen-Falsettgesang. Ob das gut ist? Frag mich noch mal in drei Monaten. Lasziv vorbei am Philly-Sound per Vibraphon, Fender Rhodes, Mundharmonika und mehr von dem, was wir an Beck so lieben, glücklich zur Entspannungsnummer "Beautiful Way', bei der ich merkwürdigerweise an Aerosmith im Dämmerzustand denken mußte. Kurz vor Schluß endlich ein Paukenschlag - "Pressure Zone', hämmernde Pianoakkorde und ein aufgeräumtes Songgebilde. Gedehnte Baßtöne, gedämpftes Saxophon, George Michael-Gesang, der Abschluß, die Philly-Barnummer voll Pathos und Liebesleid; Weens "Freedom Of 76' läßt grüßen. Gewagt und gewonnen. Unterm Strich: Zufriedenheit.
Markus Naegele / ©Intro - Musik & so
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