Chicago Blues Legende trifft auf Soul-Jazz Größen - diese Versuchsanordnung birgt ja prinzipiell die Gefahr der Vewässerung in sich, geht sich aber hier erstens wegen den wirklich guten songs und zweitens wegen den zurückhaltenden Arrangements gut aus.
Gleich 3 Alben produzierten die Crusaders Ende der 70e, Anfang der 80er mit dem großen B.B. King. Die zwei Studioalben sind beide auf dieser BGO CD vertreten und gehören vielleicht nicht zum Essentiellesten was King gemacht hat, aber sicher zum Zugänglichsten.
Die Bläsersätze, das rollende Joe Sample Piano und Stix Hoopers drumspiel erzeugen zu den Soul-Pop/ Blues-Pop Kompositionen einen unwiderstehlchen groove, King's Vocals bieten eine durchaus ansprechende emotionale Bandbreite und zu der Zeit (1978/1979) machten die Kreuzritter ja sowieso nichts falsch (zumal Sie sich Disco ja nur sehr dezent verpflichteten). Auch lassen Sie King selbst in den funkigen und souligen Stücken noch genug Blues übrig, um authentisch zu wirken und bei den ,echten' Bluesnummern wie ,I've Always Been Lonely' darf sogar ,Lucille' ausgiebig zu Wort kommen - wobei - wem es in erster Linie um das Gitarrenspiel geht, der ist bei den Johnny Guitar Watson Platten der 50er und 70er sowieso besser aufgehoben, denn den Minimalismus hatte der noch besser drauf (und konnte das zusätzlich auch noch auf Funk perfekt).
,Midnight Believer' fängt mit `When It All Comes Down' recht bluesig an, aber schon auf dem Titelsong geht's deutlich in Richtung sophisticated Soul Funk. Groß dann , I Just Can't Leave Your Love Alone', daß den Soul-Jazz gekonnt mit 30er Jahre Dixie paart. Zum Weinen schön - fast schon rührselig - dann ,Hold On', bevor's mit ,Never Make A Move To Soon' ab ins Honky Tonk Beisl (wienerisch für Gasthaus/Spelunke) geht. ,A World Full Of Stranger' kommt dann ziemlich druckvoll daher. Alles in allem ist ,Midnight Believer sicher zu mehr als 50 % eine Crsuaders Scheibe, aber wer die mag, kommt hier schon voll auf seine Kosten.
Das textlich amüsante und ansteckende ,Better Not Look Down' eröffnet dann ,Take It Home', gefolgt von einer von den Crusaders auch an Randy Crawford ausgeliehenen Komposition, die für die Dame ein ungleich größerer Hit war, nämlich ,Same Old Story (Same Old Song)'. Kings Version hat aber auch was, weil völlig anders arrangiert und ,entzuckert'.
,Second Hand Woman' klingt dann wie das große Finalstück eines Blues Brothers Film mit seinem lässigen Swing. ,Tonight I'm Gonna Make You A Star' ist dann wieder so ein funky Blues wie ihn auch der späte Freddie King gut drauf hatte - Blues zum shaken quasi. Aber eigentlich ist ,Take Me Home' die bluesigere der beiden Scheiben - die besseren songs hat aber ,Midnight Believer'.
1982 folgte dann noch das überkandidelte Live Album ,Royal Jam' von King, den Crusaders und dem Royal Philharmonic Orchestra. Beeindruckend vom Sound und den Arrangements, aber auch ganz schön protzig.
Wie auch immer - Crusaders Fans sei dieser Twofer wärmstens empfohlen, die Kings Fans sind mit den früh 70 Alben und den alten aus seiner klassischen Phase sicher besser bedient.