Ist schon erstaunlich: Vor ein paar Jahren wäre ich nicht im Entferntesten auf die Idee gekommen, mir irgendeine Black-Metal-CD zuzulegen und plötzlich beschäftige ich mich immer mehr mit dieser Art von Musik...
Auch wenn ich sicherlich immer noch nicht der große Experte auf diesem Gebiet bin: "Midian" ist ein beeindruckendes Werk und sicherlich das beste, was ich auf diesem Genre bisher gehört habe - sie übertrifft sogar den exzellenten Nachfolger "Damnation And A Day".
Man sollte sich für diese CD Zeit nehmen - für einen Abend mit dunklem Zimmer, Rotwein und Kerzen, um mal die Klischees zu bedienen, wirklich genial geeignet.
So weit ich weiß, sieht Dani Filth in Black Metal eher "a state of mind", also nicht, dass es nur um Blastbeats und pure Aggression, sondern auch um Atmosphäre geht.
Und die Atmosphäre auf diesem Album ist, wenn man sich nach ein paar Durchläufen eingehört hat, einfach unglaublich wirkungsvoll - man hat alle möglichen düsteren Bilder vor sich, zumal die Lyrics des Albums auf dem Buch "Nightbreed" von Horror-Autor Clive Barker basieren, das ich zugegebenermaßen allerdings nicht gelesen habe. Jedenfalls hört man - Cradle-typisch - immer mal hier und da eine Frauenstimme, Orgelklänge, Gothic-Parts und atmosphärische Keyboards (hört euch nur allein mal dieses geile Keyboard-Intro von "Saffron's Curse" an - einfach genial!). Das Ganze wirkt insgesamt wesentlich durchdachter und strukturierter als zum Beispiel noch auf "Dusk And Her Embrace", außerdem ist die Produktion echt gelungen, Drums und Gitarren klingen einfach nur fett und über Danis Gesangsleistung braucht man wohl kaum noch etwas sagen, jeder weiß, was der kleine Giftzwerg für einen Stimmumfang hat.
Außerdem gibt's ständig Rhythmuswechsel, melodisch-klassische Parts kommen mit Blast-Attacken zusammen - einfach Irrsinn - und hin und wieder ist sogar mal ein richtiges Gitarrensolo zu hören - wie bei "Amor E Morte".
Auch die Zwischenstücke und das Intro sind sehr gut eingefügt und verstärken den beklemmenden Horror-Soundtrack-Charakter noch, geben dem Werk noch mehr Tiefe. Mehr kann man kaum verlangen!
Es ist schwer, ein bestes Stück hervorzuheben, weil erstens alles ziemlich geil ist und zweitens wie gesagt alle Stücke irgendwie zusammenhängen, auch wenn man wohl nicht von einem Konzeptalbum sprechen kann. Dennoch sind "Saffron's Curse", "Death Magick For Adepts", "Her Ghost In The Fog" (geradezu gruselig und dabei doch auch wunderschön), "Tearing The Veil From Grace" (mit klassisch angehauchtem Anfangspart und schließlich in rasendes Tempo übergehend, um dann wieder in einen melodischeren Teil überzugehen) und "Tortured Soul Asylum" schon kaum zu überbieten.
Es sei noch erwähnt, dass in der Japan-Version ein Bonustrack in Form des Sabbat-Covers "For Those Who Died" zu finden ist, der auch ein absoluter Hammer-Song ist ("Burning... into the fire, burning... a funeral pyre...")