42 von 45 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Gute Neuauflage des deutschsprachigen Fantasy Rollenspiels, 20. Dezember 2001
Rezension bezieht sich auf: Midgard - Das Fantasy- Rollenspiel: Der Schlüssel zu einer phantastischen Welt voller Abenteuer (Gebundene Ausgabe)
Gerade noch vor Ablauf des zwanzigjährigen Jubiläums legen die Herausgeber von "Midgard" die Neuauflage vor.
Dieser Band enthält das notwendige Regelwerk, um eine Figur für das Rollenspiel zu erstellen und in der Fantasywelt Midgards handeln zu lassen.
Der Inhalt des Regelwerks entspricht demjenigen der dritten Auflage, die nun, mit Ausnahme der Zauber und des Bestiariums, in diesem Buch gebündelt sind. Alle Fertigkeiten werden äußerst ausführlich beschrieben und machen die Stärken und Schwächen der Fertigkeit deutlich. Erfreulicherweise wurden die Fertigkeiten konsequent in das W20-System (für 20-seitige Würfel) übertragen. Damit kann bei Bedarf immer ausgewürfelt werden, ob eine Aktion erfolgreich verläuft. Automatische Fertigkeiten gibt es im Prinzip nicht mehr.
Geändert wurde auch die Prozedur zur Erschaffung einer Figur. Nun müssen die Boni nicht mehr lange in Tabellen zusammengesucht werden, sondern lassen sich rasch aus den Attributen berechnen. Das Wesentliche einer Figur lässt sich so schnell erstellen, erst für die Details müssen Tabellen herangezogen werden.
Leider gibt es auch ein paar kleine technische Probleme. Die Verzierung der Randspalte ist etwas zu kräftig geraten, die hier abgedruckten Komentare und Zusammenfassungen sind durch den schwachen Kontrast zwischen Schrift und Untergrund nur schwer lesbar. Dasselbe gilt für diejenigen Kästen mit weiterführenden Informationen, die mit einem Knotenmuster unterlegt sind.
Ein weiteres Manko, sind die für das Steigern von Figuren notwendigen Tabellen. Sie sind zwar zum größten Teil im Anhang gesammelt, liegen aber eben nicht alle dort vor. Einige befinden sich im Innenteil, sodass während des Steigerns heftiges Blättern zu erwarten ist. Leider ist auch die Berufsliste, die bei der Erschaffung einer Figur zum Tragen kommt unnötig kompliziert geraten. Dazu sind viele Berufe, die in der alten Auflage noch existierten oder in dem Verlagsperiodikum Gildenbrief genannt wurden, weggefallen.
Gut gelungen sind dagegen die zahlreichen Details, die bei den jeweiligen Fertigkeiten genannt werden, beispielsweise eine Liste der auf Midgard existierenden Schriften und ihrer Unterschiede. Einige neue Charakterklassen wie den Ermittler oder den Tiermeister lassen erwarten, dass selbst durch ältere Gruppen ein frischer Wind wehen wird
.
Trotz der wenigen Schwächen ein inhaltlich gut konzipierter Band.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja
Nein
30 von 37 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
1.0 von 5 Sternen
Von Fans für Fans oder: Chaos ist das halbe Leben, 10. April 2007
Rezension bezieht sich auf: Midgard - Das Fantasy- Rollenspiel: Der Schlüssel zu einer phantastischen Welt voller Abenteuer (Gebundene Ausgabe)
Um keine Unklarheiten aufkommen zu lassen: Die Bewertung bezieht sich ausschließlich auf das zu bewertende Buch.
Das Regelsystem von Midgard ist durch die Flexibilität und Offenheit meines Erachtens das beste Fantasy Rollenspiel. Es besteht aus einem sehr einseigerfreundlichen Rumpfregelwerk und unzähligen optionalen Regeln, die Freaks in den siebten Himmel des Verregelungs-Dickichts hebt. Das gilt für die vorliegende vierte Edition noch etwas mehr als für die dritte. Ansonsten sind die Änderungen seit den Achtziger Jahren eher geringfügig ausgefallen. Einzig die Einführung der Praxispunkte und das Ersetzen des unsäglich komplizierten Handgemenge- bzw. Reaktionswertes durch Raufen seien hier lobenswert erwähnt. Hingegen ist die Einführung nichtmenschlicher Charaktere nicht gut gelungen. Sie wirkt unausgegoren, unfair (die regelmacher sind wohl Elfenfans...) und sollte vom SL schlicht selbst gebastelt werden. Ansonsten hat man immer noch einige logische Brüche, Inkonsistenzen und Schusseligkeiten, die vom SL ausgebügelt werden müssen. Aber wozu sind die SL denn auch sonst da...;-)
Egal, das Rollenspielsystem Midgard bekäme von mir klare fünf Sterne!
Nun zum Buch.
Auweia!
Stellen sie sich vor, sie treffen einen Rollenspielfreak. Sie interessieren sich für das System und bitten ihn, mal zu erzählen. Der bekommt natürlich gleich leuchtende Augen und beginnt zu schwärmen, zu erzählen, findet kein Punkt, kein Komma, bemerkt auch nicht, dass ihr Gesichtsausdruck immer diffuser, die Fragezeichenwolke über ihrem Kopf immer dichter wird. Als er endlich mit seinem Gefasel fertig ist, ziehen sie sich verschüchtert zum Hack and Slay, Dumpf & Dröge zurück. Das ist zwar wie der Name schon sagt, aber wenigstens versteht das ein Normalsterblicher. Schade. Wieder eine Chance vertan. So in Etwa verhält es sich mit dem vorliegenden Buch auch.
Den ersten etwas...eigenartigen Eindruck bekommen wir, wenn wir das Buch in Händen halten. Coverdesign ist ehm, laienhaft. Das Innenleben ist...aus Sparta? Nun bin ich kein Fetischist von bunten Bildchen, aber dieses Werk sieht aus als käme es aus dem Copyshop. Die Seiten fühlen sich auch so an. Als ob das nicht genug wäre, wird uns bereits im Vorwort frech erklärt, dass wir, um überhaupt was auf die Beine zu kriegen, noch wenigstens ein weiteres nicht minder teures Buch fürs Magiesystem erwerben müssen, besser noch die ganze Palette aus stolzen vier Hauptbüchern. Sichtschirm, Weltbeschreibung und Ausbausystem noch nicht mitgezählt. Das sprengt auch den dicksten Weihnachtsbaum...
Na, dann kann's ja nur besser werden, denken wir uns und werfen uns ins Getümmel. Es wird auch noch besser, aber höchstens in sarkastischer Hinsicht.
Leute, bitte! Habt Ihr Euer Buch, nur so zum Spaß, mal einem Nicht-Freak gegeben? Habt Ihr Euch mal überlegt, weshalb die dritte Edition inklusive Magiesystem knappe 200, die vierte jedoch ohne Magiesystem 350 Seiten braucht? Welch ein Chaos!
Zu Beginn bekommen wir also, entgegen der Ankündigung im Vorwort, kurz dargestellt, was ein Rollenspiel ist, der allgemeine Ablauf und die grundsätzlichen Zusammenhänge. Gut. Dann einen kurzen Überblick, welchen Charakteren wir auf unserer fantastischen Reise begegnen werden. Auch recht. Danach geht's zur Charaktererschaffung. Hm, noch bevor ich weiß, wozu all das gut ist, würfelt man mal ne Runde. Viele lustige Beispiele, die zwar nett zu lesen sind, aber keine Fragen beantworten, flankieren das Ganze. Dann werden die verschiedenen EWs, PWs, WWs, usw. angerissen, das Kampfsystem gestreift um sich dann in voller Länge den verschiedenen Fertigkeiten zu widmen. Äh, und was soll das Alles?
Wenn Du denkst es geht nicht mehr, kommt das nächste überfrachtete Chaos daher, diesmal in Form von Weiterbildung. Das beste Kapitel. Aber auch hier gilt: Hätte es das auch mit Struktur gegeben?
Immer noch nicht ganz klar, was das alles soll, geschweige denn einen Überblick im Gepäck, wird man auf das ausufernde (oh Deutschland, heilig Regelland!) Kampfsystem geworfen. Wir lernen sehr schmerzhaft, dass WM nicht nur für's deutsche Sommermärchen steht, sondern auch Würfel zu modifizieren weiß...ahem, weiß hier überhaupt irgendwer irgendwas? Sonderregel schichtet sich über Sonderregel, ohne jemals als solche bezeichnet worden zu sein.
Da freut man sich auf den Index, der einem helfen wird, noch mal zurück zu springen, um ein paar offene Fragen zu klären. Denkt man. Denn: Zu Unrecht, der Index wird seinem Namen leider nicht gerecht. Darüber jedenfalls findet man nichts.
Naja, ich bin eh ein visueller Typ, ein Tabellenteil kann mehr als tausend Worte sagen...hm, könnte. Die Tabellen sind nur teilweise nummeriert, kommen im Buch nicht in dieser Reihenfolge vor, es gibt keinen echten Tabellenteil und erst recht keinen Tabellenindex.
Es gibt tatsächlich im Internet Auflistungen, wo im Buch welche Tabelle zu finden ist. Das ist niederschmetternd, aber leider sehr bezeichnend. Das Regelsystem kapiert man nur, wenn man sich die Regeln selbst zusammenschreibt, mit Querverweisen auf die jeweiligen Buchstellen. Und, insofern hat das Vorwort schon Recht, man sollte ein erfahrener Rollenspieler sein. Ansonsten hat man wohl kaum eine Chance realistisch einzuschätzen, welche Regel man als optional und welche als Rumpfregel definieren sollte. Eine solche Zusammenstellung benötigte bei mir acht (!!!) Seiten. Nur die sinnvollsten Regeln, versteht sich. Dazu kommen etwa 10 Seiten ausführliche Beschreibung der Charakter Generierung und zwanzig Seiten Tabellen. Mit also einem Handout von vierzig Seiten wurde das Regelbuch von 350 Seiten überflüssig gemacht und wird wohl fortan im Regal Staub fangen. Schade drum...
Allen Spielern sei ans Herz gelegt:
Wenn ihr Euch für das Midgard-System interessiert (und das solltet Ihr, denn es ist wirklich klasse!), solltet Ihr nach folgendem drei-Punkte-Plan vorgehen: Zunächst die einfachen Einführungsregeln unter midgard-online zu Gemüte führen. Hier entfaltet das System noch nicht seine offene Flexibilität, aber es ist ein recht guter Überblick. Danach die dritte Edition für nen Appel und nen Knopp per Internet ersteigern. Wer dann noch unbedingt mehr will, soll sich an das beschriebene Grundregelwerk heranwagen (bedenket jedoch, dass die vierte Grund-Edition ohne Magie daher kommt!). Da man aber die vierte Edition ebenso wie die dritte erst mal von logischen Fehlern bereinigen muss, weiß ich wirklich nicht, wozu dieses Buch gut sein sollte.
Den Machern von Midgard sei ans Herz gelegt:
Bitte, tut Euch, uns, vor allem dem genialen Midgard-System den Gefallen und überarbeitet das Buch noch mal. Lasst es von Nicht-Freaks und vielleicht auch professionellen Lektoren mal gegenlesen. Sollte es dazu kommen, biete ich mich auch gerne als freier Mitarbeiter an. Es ist eine Schande und wirklich ärgerlich, dass ein so schönes System aufgrund der schlechten Publikation unzugänglich bleibt und daher einfach ein System von Fans für Fans bleibt.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja
Nein