...die freie Übersetzung von Middle of nowhere, spielt genau dort - und zwar auch mit den dortigen Klischees.
Wir befinden uns abseits des Mainstreams in Lousianna. In einer Kleinstadt, wie man sie aus vielen Filmen kennt. Wir lernen die Geschichte von Grace (Eva Amurri) und Dorian (kurz vor dem Overacting: Anton Yelchin) kennen, eine Geschichte von Freundschaft, Sensibilität, Selbstmitleid und Verachtung. Aber auch eine Geschichte des Erwachsenwerdens.
Susan Sarandon und Eva Amurri spielen das was sie sind, nämlich Mutter und Tochter (Und die Mutter beweist hierbei mal wieder ihre exzellente Filmauswahl der letzten Jahre). Das Geld für die Ausbildung hat die Mutter verspielt, so muss Grace nun Dorian bei dessen halbsaitenen Geschäften helfen. Pragmatisch abgesichert denkt Grace an Ihr Studium und verdrängt den Engel auf der Schulter.
Bei dieser Gelegenheit trifft und verliebt sie sich in Ben, der alles verkörpert, was Dorian an der örtlichen Oberschicht, zu der er eigentlich auch gehört, aber nicht so richtig, weil er adoptiert wurde verachtet. Als sich dann noch Grace's Schwester (Eine Entdeckung: Willa Holland) in Dorian verguckt, ist die verworrene Viererbeziehung komplett. Alle sind irgendwie unglücklich und das passt dann wieder zu dieser Szenerie der Kleinstadt.
Aber halt, das soll nicht depressiv klingen. Der Film ist ein eher heiterer kleiner aber feiner Beitrag und hätte mehr Beachtung verdient. Regisseur John Stockwell schafft es, eine wunderbar unaufgeregte Atmosphäre zu schaffen. Gedreht wurde sehr viel an Originalschauplätzen, teilweise auch das Leben dort selbst. So spielt die Szene, in der Dorian seiner echten Mutter gegenüber tritt in einer Bingohalle. Diese Halle ist authentisch - Es fand tatsächlich ein Bingospiel dort statt. So gelingt es, eine sehr realistische Stimmung einzufangen. Authenzität war denn auch den Schauspielern das wichtigste, so wurde das Drehbuch schon mal spontan geändert, wenn man merkte: So spricht doch keiner.
Ein toller Vorteil an derart kleinen Produktionen ist auch immer die Musik, da auch diese für die Stimmung verantwortlich ist. Schafften zum Beispiel The Shins durch Garden State" den Durchbruch, ist es auch hier ein toller Soundrack, überwiegend von Ferraby Lionheart und den Decemberists performed, der einfach zur Szenerie passt mit tollen Melodien, die eben nicht unbedingt massetauglich sind.
Die Blu-Ray an sich ist dann eher enttäuschend. Das Bild wird einem HD-Medium nicht gerecht. Sicher, es handelt sich um eine kleine Produktion, daher ist das Budget für eine aufwendige Abtastung zu gering, aber es liegt doch ein sehr hohes Rauschen und wenig Tiefenschärfe vor, so dass man hier vermutlich nichts falsch macht, auf die DVD zurückzugreifen, ohne diese gesehen zu haben.
Das der Ton bei diesem dialoglastigen Film sehr frontlastig ist, ist sicher erwartet worden und daher auch nicht zu bemängeln. Der Score versorgt auch die hinteren Boxen ausreichend. Die Extras sind wiederum schwach, so bekommt man ein werbewirksames Making-Off geliefert, das eher selbstbeweihräuchernd daher kommt. Lediglich die Aussagen des Regisseurs zum Dreh sind hierbei interessant. Dann noch einen Trailer und das war es.
Also Fazit: Der Film bekommt dralle fünf Sterne, weil man einfach so wunderbar einsinken kann und den Film am liebsten gleich noch einmal sehen will. Am besten im Originalton.
Qualität und Extras der Scheibe bekommen drei Sterne, weshalb ich bei einer Wertigkeit von 2:1 vier und einen halben Stern geben will. Durch das vorhandene Wendecover, das das FSK-Logo verschwinden lässt, schafft es die Scheibe dann doch noch auf die Höchstpunktzahl. Bitte mehr davon !!