"Middle Men" erzählt eine teils unglaubliche Geschichte, die lose auf realen Ereignissen basiert.
Der Film handelt von Jack Harris (Luke Wilson), ein geschickter Geschäftsmann, der die Möglichkeit erhält, aus einer hoffnungsvollen Geschäftsidee etwas Großes zu machen: Es geht um die Geburtsstunde von Internetpornos. Da wären die beiden etwas teils genialen, teils unterbelichteten Buck (Gabriel Macht) und Wayne (Giovanni Ribisi), die eines Tages im Jahr 1997 auf die grandiose Idee kommen, Nacktbilder ins Internet zu stellen und dafür Geld zu verlangen. Das Geschäft läuft besser als erwartet, jedoch haben die Beiden keine Ahnung, wie man ein solches führt.
So kommt Harris ins Spiel, der hier schnelles Geld machen will, um seine Familie über die Runden zu bringen. Er wird zum "Mittelsmann" und gründet einen Rechnungsservice, die zwischen Konsument und Anbieter steht (etwa wie heute PayPal), was ihm schnell einen kometenhaften Aufstieg beschert, der nicht nur viele Millionen und ein verführerisches Luxusleben bringt, sondern auch viele Probleme in Form von der Russenmafia und dem FBI.
Der Film basiert grob auf den Erlebnissen von Christopher Mallick, der tatsächlich die Firma PayCom gegründet hat und Ende 2010 durch den Skandal mit einer weiteren Firma (ePassporte) negativ aufgefallen ist. Er produzierte diesen Film, der katastrophal gefloppt ist und in den USA von seinen 22 Millionen US-Dollar Budget nur kümmerliche 733.000 Dollar wieder eingespielt hat. Das ist schade, denn "Middle Men" bietet enorm gute Unterhaltung und ist definitiv ein Geheimtipp. Was in dem Film nun alles wahrheitsgetreu ist, bleibt ein wenig im Unklaren, aber abgesehen davon bietet der Streifen 108 Minuten gut erzählten Spaß.
Keine Frage, Regisser und Drehbuchautor George Gallo, der bereits den großartigen "Midnight Run" geschrieben hat, hat sich im Bezug auf seinen Filmstil viel bei anderen abgeschaut. "Middle Men" erinnert extrem stark an die Scorsese Meisterwerke "Goodfellas" und "Casino", aber auch an andere von Scorsese inspirierten Filmen wie P.T. Andersons "Boogie Nights" oder Ted Demmes "Blow".
Die Story vom kometenhaften Aufstieg und den damit einhergehenden Verführungen des Luxuslebens, die dem Protagonisten die Sicht auf das Wesentliche verschleiert, der sich dann auch noch früher oder später ungewollt in einem Sumpf des Verbrechens wiederfindet, ist somit nichts Neues, aber Gallo verpackt das alles sehr schön zu einem unterhaltsamen Film, der jedoch nie an seine Vorbilder heranreicht.
Wem diese Filme gefallen, der wird auch ganz sicher an "Middle Men" Gefallen finden. Wie bei den genannten Vorbildern gibt es einen tollen eklektischen Soundtrack, der ungefähr alle zwei Minuten ertönt, darunter die obligatorischen Stones und andere wie Hall & Oates, Moby, Tears for Fears, Notorious B.I.G., 2Pac, Outkast und Patsy Cline. Es gibt viele Zeitsprünge und vor allem eine Erzählstimme von Luke Wilson, die ganz stark an die von Ray Liotta in "Goodfellas" erinnert.
Auch der Schnitt, der allgemeine Erzählrhythmus, die Farbgebung und Kamerarbeit, ja einfach die ganze Atmosphäre erinnert sehr stark an Scorseses Klassiker.
Der Film bietet viele unglaublichen Plotentwicklungen, die man hier besser nicht verrät, jedoch sei soviel gesagt, dass es viele Überraschungen gibt. Generell herrscht bei "Middle Men" eine amüsante Grundstimmung vor, die aber auch hin und wieder von düsteren Momenten gebrochen wird. Der Film bewegt sich in einem hohen Tempo und wird definitiv nie langweilig.
Große Stärke des Films ist auch die gute Besetzung, die von Luke Wilson angeführt wird, der den Film wirklich gut auf seinen Schultern trägt. Besonders Giovanni Ribisi als Wayne stiehlt mit seinem hyperaktiven und schmierigen Charakter dem ruhig agierenden Wilson ein wenig die Show, aber auch andere wie Legende James Caan, der hier einen zwielichtigen Anwalt gibt oder Rade Serbedzija als Mafia-Boss Nikita Sokoloff machen eine großartige Figur. Weitere Mitglieder der Besetzung sind solch tolle Akteure wie Jacinda Barrett, Kevin Pollak, Laura Ramsey, Terry Crews, Kelsey Grammer, Robert Forster und John Ashton.
Die DVD ist leider nur sehr sparsam ausgestattet: Höhepunkt ist der Kommentar von George Gallo, Editor Malcolm Campbell und Kameramann Lukas Ettlin, abgesehen davon gibt es noch drei nicht verwendetete Szenen mit einer Gesamtlänge von 05:35 Minuten, Outtakes (01:36 Minuten) und eine sogenannte "Slap-Montage" (00:55 Minuten), eine Montage sämtlicher Ohrfeigenszenen, die nicht überflüssiger sein könnte.