An der ägypitschen Kultur bin ich seit langem interessiert und kam über das nette Buch von Collier und Manley eher zufällig auf das Mittelägyptische. Das Problem mit diesem Werk ist nur: Hat man es durchgearbeitet, kann man ganz bestimmte Stelentexte verstehen, aber nicht mehr. Nachdem das Interesse einmal geweckt war, habe ich mir nach Durchsicht des Angebots die Grammatik von Gardiner gekauft. Das Werk ist ungeheuer materialreich, aber - aus heutiger Sicht - auch reichlich chaotisch und beinhaltet - was nicht so gerne ausdrücklich gesagt wird - in seinen Übungsteilen (ohne Lösungen) auch Fehler. Deshalb ging die Suche wieder von vorne los.
Das Buch von Allen war mehr als ich in meinen kühnsten Träumen erwartet hatte; es ist schlicht ein Traum: Der Autor hat alles richtig gemacht. In jeder Lektion werden die grammatischen Begriffe auf das Einfachste erklärt und dann vom Einfachen hin zum Schwierigen geübt. Jede neue Regel wird, soweit wie möglich, anhand von Originalsätzen erklärt und angewendet. Allein das Nachvollziehen dieser Beispiele ist überaus lehrreich. Dann folgt ein Übungsteil (mit separater Lösung). Werden am Anfang noch die unbekannten Wörter vorgegeben, muss sich der Leser ab der Hälfte des Buches hinten im Wörterbuch und anhand der Zeichenliste behelfen: Eine gute Übung für die Arbeit mit den großen Wörterbüchern. Schließlich wird jede Lektion noch durch ein Essay zu Religion und Kultur des alten Ägypten abgehandelt.
Ich darf Ihnen sagen, dass ich Allen richtig dankbar war, als ich die ersten Sätze der Sinuhe-Erzählung (erst als Übung in seinem Buch, später anhand eines Hieroglyphentextes aus dem Internet) selbständig lesen konnte.
Was will man also mehr? Ich als Hobbyist würde mir eine Chrestomatie mit Texten und Hilfen für das Erlesen wünschen. Die fehlt einfach noch; dann kann sich jeder Motivierte die Sprache selbst aneignen.
Ich kenne Lateinisch. Altgriechisch, Sanskrit und Arabisch: Die im Mittelägyptisch verfassten Texte schlagen indes an Schwierigkeit alles mir Bekannte. Umso dankbarer ist man Allen für die zahlreichen Beispiele und auch für die Darstellung komplizierter und seltener grammatischer Institute. Dies führt jeden Leser zwar gelegentlich an die Grenze der Aufnahmefähigkeit, ist aber dennoch extrem hilfreich bei der Arbeit mit Originaltexte; denn man findet Regeln, die man sonst wohn nur ein Spezialmonographien nachlesen kann. Im letzten Kapitel gibt es schließlich ein Kompliment des Autors an den Leser, dass er solange durchgehalten hat. Dieses gebe ich an dieser Stelle gerne zurück.
Das Buch ist ein Juwel!