Ich bin normalerweise eher der "Nutznießer" anderer Rezessionen, aber dieses Spiel hat es tatsächlich geschafft meine Zocker geschädigten Finger soweit zu entkrampfen, dass ich nun ebenfalls etwas Gutes für andere beitragen kann.
Eines vorweg, für Spieler die einen persönlichen kleinen Defibrillator ihr eigen nennen, um ihr wichtigstes Blutversorgendes Organ zu versorgen, sollten sich vorher gut überlegen, ob es sich das Risiko lohnt, einen kleinen Infarkt, gegen ein paar Stunden wolliges Grusel zu tauschen. Wenn man nämlich erst im Luft-, bzw. Lichtleeren Raum zu Hause, mit zitternden Händen, einer kleinen Taschenlampe an der Seite, als einzigster Lichtquelle, angespannt vor dem Fernseher sitzt und einem just in dem Moment, indem man von drei Gegner gleichzeitig angegriffen wird und die gute alte Stableuchte meint, ihren Dienst durch leere Batterien quittieren zu müssen und ihr nur noch dass leere Klicken des Revolvers hört, weil ihr blöderweise die letzte Munitionschachtel übersehen habt, dann ist der Griff zum Nitrospray nicht mehr weit.
Allen anderen Nervengeschädigten, sei das Spiel an dieser Stelle, natürlich wärmstens empfehlen, denn was hier an Qualität im Breich Horror/Action abgeliefert wird, sucht in der heutigen Spielezeit seinesgleichen. Selten hat mich ein Spiel atmosphärisch so in den Bann gezogen. Das schaffte seinerzeits nur Silent Hill II (ja das war noch für die alte, schwarze Röhrbox) und ich hatte die Hoffnung schon aufgegeben jemals wieder ein Spiel in die Finger zu bekommen, dass mich je wieder so faszinieren könnte, zum Glück wurde ich durch Remedy eines besseren belehrt.
Die Story wird durch gelegentliche Zwischensequenzen unterstützt, die in bester TV-Folge-Format präsentiert werden, na da hat wohl jemand fleißig die bekannte US-Mystery-Serie mit den vier Großbuchstaben gesehen. Die gelegentlichen Flashbacks (sogenannte Rückblenden, ja es gibt sogar ein dt. Wort dafür) sorgen für einen dichten Spannungsbogen, der sich am Ende eines jeden Kapitels, es gibt insgesamt sechs Stück, mit einem Boss zum Höhepunkt steigert.
Das Gameplay kann als intuitiv angesehen werden und sollte sogar vom gröbsten Grobmotoriker, zu bewältigen sein, ich spreche da aus Erfahrung. Die Eingewöhnungsphase verläuft kurz und prägnant, in der alle wichtigen Dinge erklärt werden, man könnte es auch so zusammenfassen, bleib im Licht, denn die Dunkelheit ist dein größter Feind. Da die Jungs und Mädels von Remedy euch unbedingt bewusst hinters Licht führen wollen, das natürlich hängt nicht damit zusammen euch das Geld aus der Tasche ziehen zu wollen, ok ein bißchen vielleicht schon, das hat einen ganz pragmatsichen Charakter, denn die Dunkelheit ist das entpesonifiezierte Böse, gegen die es nun anzukämpfen gilt. Nebensächlich solltet ihr unter Umständen auch eure Frau retten, doch das ist erst Mal Nebensache. Denn die Duneklheit mag euch nämlich ganz und gar nicht und schickt euch ab und an ein paar Axtschwingende, schwarzarbeitende Holzfäller auf euren Schriftstellerhals. Um nicht ganz wehrlos auf die böse Dunkelheit losgelassen zu werden, gibt es auch ganz klar eine Reihe schöner Werkzeuge, die unter anderem euren Gegner ordentlich einheizen. Das darf bei der Leuchtpistole wörtlich genommen werden. Da sich die Gegner, durch die manifestierte Dunkelheit leider stoisch weigern, den Löffel bzw. die Axt abzugeben, lohnt es sich ab und an sie mit dem fokussierten Strahl, eurer Schweinwerfer-Xenon-Lampe, einen kleinen Bühnenempfang im Schweinwerferlicht zu unterbreiten. Da eure Gegner ähnlich wie Sonnenallergiker mit Mallorca Akne auf die Lichttherapie anspringen, habt ihr bei genügend Bestrahlung Zeit, euch aus eurem kleinen Waffenarsenal die passende Exekutionswaffe auszupicken. Jetzt heißt es nur noch zielen und hoffen, dass die Physik auch so unrealistisch ist, die ballistische Flugrichtung trotz zitternder Finger, die Kugel zwischen die Augen des Gegenrs zu geleiten. Im Endeffekt lässt sich über das Tutorial sagen: Licht gut, Dunkelheit böse, so einfach ist das.
Der Sound bildet neben der Grafik ebenfalls ein Highlight (schon wieder diese Angliszismen), denn die schöne, schaurige Atmosphäre wird durch gelentliche Tierrufe, scharren, kratzen und rascheln, das euch natürlich immer unerwartet in den Kampf oder Fluchtmodus versetzt, euch dazu bewegen vielleicht, doch eine Tavor mehr einzuschmeißen, um die eh bereits eh schon angespannten Nerven, nicht ganz zum zerreißen zu bringen. Auch die Synchro lässt sich gut hören, auch wenn manche Dialoge sich anhören, als hätte sie die Sprecher noch kurz vor dem Toilettengang geprobt. Dennoch macht Musik und Ton, das Herz eines jeden Psycho/Horror Spiels aus und hier hat Remedy ganz klar alles richtig gemacht.
Die Grafik ist natürlich über jeden Zweifel erhaben, denn Alan Wake sieht grafisch einfach nur spektaCOOLär aus. Seien es die Gesichtsmimik der agierenden Personen, die gerade dann zum tragen kommt, weil hinter einem ein Axtschwingender Irrer, einem einen trifftigen Grund gibt, nicht anzuhalten um die Flora, aber leider fehlende Fauna, sieht man von den gefiederten Ratten (Raben) ab, in Augenschein nimmt, so ist man froh nicht selbst Teil einer Videogeschichte zu sein.
So ich muss jetzt Schuss machen, draußen ist es mittlerweile dunkel und die Schatten die meine treue Lichtquelle in Stabform wirft werden auch schon schwächer und mein Revolver liegt kalt und schwer in meiner Hand. Doch ich darf nicht einschlafen, darauf warten Sie nur, halt war das ein Gesicht am Fenster? Ich weiß es nicht genau, die Batterien haben nicht mehr genügend Saft, das Licht wird schwächer, etwas klopft an meine Tür, ein helles Licht strahlt mir ins Gesicht, eine unbekannte Stimme gibt mir Anweisungen, oh mein Gott dann war das gar kein Spiel!? Da ein Geräusch, ich höre sie, sie kommen... nein das stimmt nicht. Sind nie weg gewesen.