Auch bei einer zweiten Auflage muss sich ein Buch fragen lassen: Warum brauchen wir genau dieses Buch? Was ist das Besondere daran? Die Antwort auf diese Fragen ist bei "Keine Angst vor Microsoft Access" sehr
einfach: Der Autor Andreas Stern hält, was er verspricht. Er enttäuscht seine Zielgruppe (Seite 15 d. B.) nicht: Interessierte, die mit MS Access noch nicht viel im Sinn hatten, erhalten einen umfassenden und äußerst verständlichen Überblick über Access.
Insbesondere das 2. Kapital des Buches hebt das Buch über viele andere Grundlagenbücher zu Access weit hinaus. Auf rund 50 Seiten wird das Thema "Datenmodellierung" erläutert. Die wichtigste Regel der erfolgreichen Anwendungsentwicklung ist: Vom Bedarf zur Software und von da zur Hardware. Und genau hier setzt dieses Kapitel an. Anhand eines kleinen Unternehmens, das zukünftig Kunden und Kundenaufträge mit einer Accessdatenbank verwalten will, zeigt Andreas Stern, wie aus der fachlichen Analyse des Bedarfs zunächst ein erstes Datenmodell entwickelt wird. Die Darstellung ist ganz handfest: Wie geht das überhaupt, den Bedarf und die dazu gehörenden Daten zu ermitteln? Eine Überschrift macht es deutlich: "Fragen, fragen, fragen!" Und dann
natürlich: Aufmerksam zuhören. Der schwierige Teil kommt, wenn es gilt, die Informationen, die in der Alltagssprache erlangt wurden, für Access aufzubereiten. Auch dazu finden sich hilfreiche verständliche Ausführungen im Buch. Ganz beiläufig lernt die Leserin und der Leser so die Entity-Relationship-Methode (ERM), mit der die Datenmodellierung erfolgt. Andreas Stern ist sich dabei nicht zu schade, auch die praktischen Probleme der Anwendungsentwicklung anzusprechen: Manches bei der Entwicklung dauert und braucht einfach seine Zeit. Und wer Fachkundige interviewt, um Informationen zusammen zu tragen, muss einiges beachten, was mit der menschlichen Kommunikation zu tun hat. Auch dazu gibt es viele hilfreiche Tipps.
Andreas Stern hält das 2. Kapitel erfreulich schlank. Er widersteht dem Versuch, möglichst viel in das Kapitel hinein zu pressen. So wird zum beispiel die Frage, wie kleinteilig Daten sein sollen (Straße und Hausnummer und Buchstabe getrennt als drei Datenfelder?), praktisch im Einzelfall gelöst, ohne die Leserin und den Leser mit Ausführungen zur Normalisierung zu quälen. Und diese Zurückhaltung zeichnet auch die anderen Kapitel aus. Es wird das erläutert, was zum schon recht tiefgehenden Einstieg benötigt wird. Nicht mehr, aber vor allem: nicht weniger!
Prof. Stern ist Hochschul-Dozent. Und er ist ein hervorragender Pädagoge. Das ist bei akademisch Lehrenden nicht selbstverständlich. Didaktisch-methodisch gut durchdacht erläutert er MS Access in verständlicher Sprache. Ein rund herum empfehlenswertes Buch, nicht nur für Einsteiger. Das Preis-/Leistungsverhältnis ist schlicht: exzellent.