Mit ein paar elementaren Grundkenntnissen über Datenbanken habe ich mich aufgemacht, im Rahmen einer Facharbeit eine mittelgroße Datenbank selbst zu entwickeln. Dazu brauchte ich zwangsweise professionelle Unterstützung. Zunächst hatte ich mir das Access-Kompendium von Kolberg zugelegt, hatte auch einiges dazugelernt, aber für die Entwicklung meines Projekts war es noch nicht tauglich. Daher war ich zusätztlich auf das MS-eigene Handbuch umgestiegen und habe dadurch den Vorteil, zwei Handbücher direkt vergleichen zu können. Ich muss sagen, welch ein Unterschied!
Im ersten Teil versucht Herr Hölscher dem Leser ein Gefühl für Datenbanken und ihren Aufbau zu vermitteln. Dazu entwirft er gemeinsam mit dem Leser eine Minidatenbank. Schritt für Schritt stellt er die Gedanken vor, die man sich zunächst machen muss und präsentiert dann die sinnvollen Lösungen, ohne jedoch auf überladene Details einzugehen. Es geht in diesem ersten Schritt nur darum, eine brauchbare Datenbank zu entwickeln und die Grundhandgriffe kennenzulernen. Dabei gelingt es ihm sehr gut, auch typische Fehler so darzustellen, dass man als Anfänger im ersten Schritt denkt "aber so ist das doch logisch" und dann den Aha-Moment bekommt "stimmt, daran habe ich nicht gedacht, jenes ist wirklich viel sinnvoller".
Nachdem man in diesem ersten Teil das grobe Rüstzeug erhalten hat, geht Herr Hölschel ins Eingemachte. Wieder wird eine Datenbank von Grund auf aufgebaut. Da man jetzt aber schon weiß, wo die Reise hinführt, geht der Autor sehr viel detaillierter auf die einzelnen Schritte ein. Dabei sind seine beiden größten Stärken, dass er sich noch in den Anfänger hineinversetzen kann und weiß, welche typischen Fehler man am Anfang macht. Auf diese Fehler geht er ein und erklärt, warum es Fehler sind. Das ist dann auch seine zweite große Stärke. Anstatt einfach Lösungen zu präsentieren, erkärt er verständlich und nachvollziehbar, warum gerade dieser Weg eine gute Lösung ist und der üblicherweise erste aus dem Bauch heraus eingefallene nicht.
Die Gliederung folgt grundsätzlich dem typischen Weg (erst Tabellen, dann Abragen, dann Formulare, dann Berichte und danach der ganze "Programmiererkram"). Da wo es sinnvoll ist, fügt Herr Hölschel aber Ausblicke zu späteren Kapiteln ein.
Nicht zuletzt möchte ich noch auf den großen Pluspunkt schlechthin aufmerksam machen: Insbesondere in meinem Vergleichshandbuch und auch aus ähnlichen Werken zu anderen Themen kenne ich es, dass man immer nur das Werkzeug in die Handgelegt bekommt ("hier ist eine Schere, da kommt der Daumen rein, da ein anderer Finger. Und wenn Du die Finger zusammenbewegst, macht es Schnipp und Du hast etwas abgeschnitten!"). Aber WARUM man das Werkzeug benutzen sollte, kommt in der Regel zu kurz und so setzt man es auch gerne mal falsch ein ("Ich habe das Werkzeug doch richtig benutzt, warum habe ich es dann trotzdem nicht richtig gemacht?" - "Weil man sich mit der Schere nicht den Finger abschneiden soll!"). Und das ist der große Pluspunkt von Herrn Hölschel. Zu Beginn des detaillierten Teils hat er ein Kapitel eingefügt, in dem er mit uns das "Brainstorming" zur Datenbank durchführt. Er erklärt, dass man die Datenbank am besten vollständig durchgeplant hat, bevor man Access auch nur aufmacht und gibt ein wertvolle Tipps, wie man dieses durchplanen am besten angeht und worauf man achten muss. Und auch während der weiteren Kapiteln hat der Autor immer weiterführende allgemeine Tipps auf Lager.
Bei allen Pluspunkten bleibt das Handbuch ein Handbuch über Datenbanken. Das heißt, man hat es mit einem grundsätzlich sehr technischen Thema zu tun, bei dem man mit kalter Logik am besten arbeitet. Außerdem muss man sich in die Materie einarbeiten und wird trotz bester Unterstützung Erfahrung und Übung brauchen. Die erste eigene Datenbank wird sicher Mühe bereiten und vermutlich auch den einen oder anderen Fehlschlag bereiten. Wer meint, "ich leg einfach mal los, ich kann dann ja immer noch nachbessern", und ein zackig geschriebenes Werk mit Sofortlösungen für alle Probleme sucht, ist auf dem Holzweg. Man bekommt hier alles nötige Handwerkzeug und wird zu allen gängigen Problemen eine Lösung finden - muss sie sich aber ggf. erarbeiten. Wer mit diesem Buch daher nicht klar kommt, muss sich überlegen, ob es nicht die Datenbanken sind, mit denen er nicht klar kommt. Denn zackiger und sofortlösiger als hier wird man es nur finden, wenn die inhaltliche Qualität leidet.
Einen echten Kritikpunkt habe ich dann aber doch: Zwar sind zu jedem Kapitel die bis dahin entwickelten Datenbanken zum weiterentwickeln in der beigefügten CD enthalten. Aber zum einen sind diese Datenbanken (fast) immer in dem Kapitel VOR dem Kapitel, zu dem man sie braucht (weil sie ja den Stand zum Ende des vorigen Kapitels darstellen). Schlimmer ist jedoch, dass kaum einmal der Name der jeweils aktuellen Datenbank genannt wird. Und da in den Kapiteln manchmal mehrere Versionen stecken, muss man dann schon ein bisschen Raten, ob man hier gerade die richtige Datei hochgeladen hat.
FAZIT:
Wer überhaupt der Typ für Datenbanken ist und einen umfassenden Einstieg in Access2010 und Datenbanklogik sucht, wird hier das Standardwerk finden. Ich kann mir kaum ein besseres Werk vorstellen. Allerdings ist das Buch weder ein Nachschlagewerk noch richtet es sich an Erfahrene oder gar Profis.