Sich ein knappes Dutzend international bewährter Hits zu greifen und mit eigenem deutschen Text versehen zu einem Album zusammenzuschmieden, ist zunächst kein sonderlich orgineller Einfall, auffallend kreativ ist es nun auch nicht gerade. Mit diesem Konzept kann man künstlerisch fürchterlich Schiffbruch erleiden oder kommerziell sehr erfolgreich sein und durchaus auch beides synchron.
Dirk Michaelis ist ein erstklassiger Musiker und Sänger, ein wüstes Zusammenschustern von gefälligen Welthits stand also nicht wirklich zu befürchten und etwas mehr kommerzieller Erfolg und Beachtung wäre ihm nur zu gönnen, statt der ewigen medialen Reduktion auf "Als ich fortging".
Mit in etwa dieser Vorstellung legte ich das neue Album auf und muß die Hälfte meiner Vorurteile zurücknehmen. Die Idee zu einem solchen Album ist nicht originell, dabei bleibt es. Den unterstellten geringeren Aufwand an Kreativität kann man "Dirk Michaelis singt..." nicht nachweisen!
Die neuen deutschen Texte sind kleine poetische Kunstwerke und in einigen Fällen um ein Vielfaches geistreicher, als die englischen Originale. Die Auswahl der elf Cover-Songs ist vollends stimmig. Keine Aneinandereihung von unvermeidlichen Ohrenblutern, sondern auffällig viele Lieder, die trotz ihrer, im Sinne des Mainstream, Hit-Untauglichkeit zum Hit wurden. Lieder, die in ihren originalen Version himmelweit auseinander lagen, fügt Dirk Michaelis mit seinen feinsinnigen Musikern auf diesem Album zu einer homogenen Einheit zusammen.
Ob "Chasing cars" von Snow Patrol, "Beautiful" von James Blunt oder "Over my shoulder" von Mike and the mechanics", Stings "Field of gold" oder Paul McCartneys geniales "Jenny Wren" und den 80's Klassiker "Time after time" von Cindy Lauper usw., jedes der Lieder adaptiert Dirk Michaelis in seine für ihn typische Klangwelt aus feingliedrigen Arrangements, organischer Intrumentierung und emotionaler, aber kitschfreier Interpretation.
Die Arragements sind bei den meisten Liedern der Platte so eigen und neu und so wenig billiger Abklatsch des jeweiligen Originals, daß dafür fast mehr Kreativität nötig ist, als ein eigenes neues Lied zu kreiren. Denn man muß zunächst das Original (was ja nicht ohne Grund so erfolgreich war) aus dem Kopf kriegen, um dann aus der selben Wolle ein neues Kleid zu stricken.
Zwischen die Cover-Versionen gestreut, finden sich mit "Piano" und "Harmonie" zwei eigene, neue Intrumental-Stücke auf dem Album und belegen einmal mehr, daß Dirk Michaelis auch als Komponist zwischen Sting und Paul McCartney nicht störend auffällt. Beide Stücke, jeweils nur zirka 1:30, hätten gern länger andauern können.
Dirk Michaelis ist mit diesem Konzept künstlerisch nicht gescheitert, viel Erfolg für das Album ist zu wünschen. Verdient wäre er!
----------------------------------------------------------------
Die Bonus-Weihnachts CD, habe ich vorsetzlich aus den Betrachtungen heraus gelassen. Sie liegt faktisch gratis bei und ist okay, nötig war sie nicht.
"Driving home for Christmas" von Chris Rea ist im Sinne des Albums adaptiert worden und wirklich gelungen, Lied zwei ist ein eigener Song und ganz sicher nicht der beste und Lied drei ist kein Lied, sondern ein Spieluhrhaftes, vier Minuten langes weiterdudeln des zweiten Liedes...