- Gebundene Ausgabe: 48 Seiten
- Verlag: Inkognito (1995)
- Sprache: Deutsch
- ISBN-10: 3931304000
- ISBN-13: 978-3931304003
- Größe und/oder Gewicht: 20,9 x 16,2 x 1,2 cm
- Amazon Bestseller-Rang: Nr. 775.677 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)
Produktinformation
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Auf den ersten Blick möchte man es sich gemütlich machen in diesen satten Gemälden: nett und schön sind die Dinge hier und im Lot. Sorgfältig durchdacht und komponiert ist die Welt, in warmen Farben auf Papier gebracht. Respektvoll ist man geneigt zu sagen: altmeisterlich.
Da sind wir dem Künstler schon auf den Leim gegangen, denn gut und gerne bleiben wir an den Idyllen hängen, gemalt vom Berliner Maler und Karikaturisten Michael Sowa . Doch ist es nicht zappenduster in der guten Stube, und sitzt der Mann im Fauteuil nicht furchtbar starr? Kaum weiter hilft der Blick aus dem Fenster: Da fliegen Pinguine vorbei, und nur die Katze schaut hin («Februar»). Was macht der Schäferhund zwischen all den Grammophonhunden, «their master's voice» lauschend? Und wohin muss die Sau so schnell?
Hier pflegt einer den Blick auf die Dinge, indem er sie in einen der Realität zuwiderlaufenden Zusammenhang stellt. Eingefahrene Vorstellungen wollen partout nicht passen, und Geheimnisse finden keine Auflösung. Aber es hat etwas für sich, wie «Köhlers Schwein» in olympischer Athletik mit bis in die Spitzen durchgestreckten Haxen zum Teichsprung ansetzt. Unter Schlaglicht, wie es Edward Hopper einsetzt, fährt der Hase in schicker Joppe auf dem Fahrrad einsam an Häusern mit gelber Jalousie vorbei («Radfahrer»). Die Flügel der Motte auf nächtlicher Strasse glänzen wie ein von Magritte gemaltes Gefieder, während der Himmel taghell blau leuchtet («Frau mit Motte»). Im niederländischen Stilleben des 17. Jahrhunderts planscht das Schwein im Teller und verspritzt Monty Pythons schlechten Geschmack («Suppenschwein»). Und wenn sich «Einheitsfrust» breitmacht vor düsteren Fassadenkulissen, metaphysisch wie bei De Chirico, wissen wir: die Figuren sind nur hineingemalt in eine andere Zeit.
Der Stil zitiert alte Meister und moderne Klassiker. Dabei ist die Frage nicht, woher alles kommt, sondern wohin es geht: eine Antwort findet sich, wenn überhaupt, ausserhalb des Bildrandes, sie kriecht dem Betrachter langsam über den Rücken. Und auch wenn manches sich ergibt wie einst in der Tierfabel, ist es nicht immer Poesie, wenn die Tiere das tun, was wir Menschen tun. Trotzdem scheint es seine Richtigkeit zu haben.
Michael Sowa, bekannt durch seine Bilder im Satiremagazin «Titanic» und im vergangenen Jahr ausgezeichnet mit dem Olaf-Gulbransson-Preis, hat nach eigener Aussage «Rauchen und Fernsehen» zum Hobby und malt einfach nur das, was ihm «Spass macht». Das hört sich an nach Eintagsfliegen-Karikatur, ist dafür aber viel zu gut gemacht. «Keine Themen für die Ewigkeit», sagt der Noah im Schafspelz. Heute und morgen hält seine Arche aber bestimmt einen Platz für uns frei.
Claudia Schwartz
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