Michael Poliza gab dem Vorwort zu seinem Bildband Classic Africa die Überschrift: I love Africa. Sein ebenfalls 2010 erschienenes Buch South Africa zeigt in farbenfrohen Fotos den Abwechslungsreichtum, die Menschen, die Tiere, Dörfer und Städte und die Natur Südafrikas, inklusive der wenig schönen Seiten, wie Armutssiedlungen. Classic Africa ist ein gänzlich anderes Buch. Es enthält fast ausnahmslos Tierfotografien, nur ganz selten gibt es eine einsame Landschaft zu sehen. Die gut 140 Duplexbilder wirken auf den ersten Blick wie sehr realistische Zeichnungen. Die edle Gestaltung des Buchs, in Wildlederoptik gebunden und auf Naturpapier gedruckte Seiten, strahlt etwas Majestätisches aus. Zeitlos schön - sowohl die Aufmachung als auch die Bilder. Ein Buch das sofort alle Blicke auf sich zieht, der König des Coffee Table, aber auch viel zu schade um nur zu repräsentativen Zwecken auszuliegen.
An South Africa gibt es auszusetzen, dass die Fotos doppelseitig sind und es somit einen störenden Knick in der Bildmitte zu verschmerzen gibt. Dem ist bei Classic Africa nicht so. In der Mitte des Buchs gibt es ein Foto, das sich über eine Doppelseite erstreckt, ansonsten findet sich ein seitenfüllendes Foto auf der rechten Seite und ein kurzer Text auf der linken Seite. Mitunter findet sich auf der linken Seite auch noch ein kleineres Tierfoto. Für Leser, die des Englischen nicht mächtig sind, ist es sicher enttäuschend, dass die Texte zu den Bildern ausschliesslich in Englisch gehalten sind. Am Ende des Buches hätte sich eine Beschreibung in den Sprachen, in denen auch das Vorwort übersetzt wurde, nämlich Deutsch, Französisch, Spanisch und Italienisch, gut gemacht. Grösse und Gewicht des Buches sind aber ohnehin schon sehr üppig, vielleicht war einfach kein Platz mehr für weitere Seiten? Ästhetisch nicht zu vertreten wäre jedenfalls, die Texte mehrsprachig, auf der linken Seite unterzubringen. Das wäre eine optische Unruhe, die überhaupt nicht zu den Fotos passen würde, die eine grosse Ruhe und Würde ausstrahlen.
Ich bin kein Zoologe, aber ich denke, dass sich die Artenvielfalt Afrikas in Polizas Werk gut widerspiegelt. Zu jedem Foto wird der Ort genannt, an dem es entstand. Namibia, Botswana, Kenia, Tansania, Zimbabwe - um nur einige der Länder zu nennen. In den Erläuterungen gibt es Wissenswertes über die Tiere zu erfahren, etwa das der lateinische Name des afrikanischen Elefanten Loxodonta Africana lautet und das Loxodonta seltsamer Zahn bedeutet. Das ist doch ein schöner Gesprächseinstieg für den nächsten Zahnarztbesuch. ;-)
Wer Afrika lieber etwas bunter hätte und wem dieses Buch zu künstlerisch ist, sollte sich die Anschaffung dieses beeindruckenden Bildbandes lieber zwei Mal überlegen. Classic Africa fordert Zeit vom Betrachter und Leser ein. Wer diesen Bildband zu würdigen weiss, wird Polizas Werk geniessen und das über viele Jahre!
320 Seiten, Hardcover, 140 s/w-Fotos, teNeues 2010