Radioklassiker: anspruchsvoll und unübersichtlich!Die Hörspielversion des Michael Kohlhaas, die hier vorliegt, stammt immerhin aus den 50er Jahren, -- aber das ist nicht negativ gemeint! Damals wurden teilweise ganz ausgezeichnete Radio-Hörspiele und Hörsequenzen (Lesungen etc.) produziert. Auch die vorliegende Produktion mit Richter und Schimmelpfennig hat ihre Meriten: Sie entwirft als Rahmen eine Art Hör-Gerichtsverhandlung, in deren Verlauf der Fall Kohlhaas dargestellt, aber auch von den einzelnen, dem Gerichtsrahmen zugeordneten Figuren kommentiert wird. Dabei orientiert sich das Hörsspiel streng an der Kernnovelle, lässt also den gesamten Zigeunerinnen-Komplex heraus. Das mag man kritisieren wollen, aber selbst dann ist dieses Vorgehen noch eine ergiebige Diskussionsbasis. Andererseits hilft diese Beschränkung bei der Konzentration auf das Wesentliche, und das ist auch dringend nötig, denn problematisch gerade für den Einsatz der CD bei jüngeren Zuhörern sind die vielen verschiedenen Zeugen und Vertreter der Anklage und Verteidigung, die man oft nicht genügend klar und schnell stimmlich identifizieren kann, so dass nur die grobe Zuordnung zu den Lagern möglich ist, was schade ist. Außerdem ermüdet es gerade junge Zuhörer sehr, ständig rätseln und erschließen zu müssen, wer da gerade spricht, was irgendwann zu Konzentrationsmängeln und gar Abschaltung führt. Fazit: Gute Vorbereitung (z.B. Auflistung aller Sprechrollen und Zuordnung zu den Lagern und evtl. auch schon eine grobe Abschätzung ihrer erwartbaren Argumentationsweisen), volle Konzentration, evtl. Aufteilung in zwei oder drei Blöcke - dann kann dieses Hörspiel sinnvoll und inhaltlich ertragreich eingesetzt oder individuell genutzt werden.