Ich habe mich sehr gefreut, als ich vor einiger Zeit auf diversen Fanforen las, dass eine neue - diesmal doch sehr offizielle - Dokumentation über den King of Pop unter den Titel "Michael Jackson - The life of an Icon" erscheinen soll. Denn vieles ist posthum auf DVDs gepresst herausgekommen, das jeder ernsthaften MJ-Dokumentation spottet und eher unter ärgerliche Geldmacherei abgelegt werden sollte. Heute ist die Blu-ray erschienen und hat mich gleich mal zweieinhalb Stunden vor dem Fernseher gefesselt - so lange ist nämlich die Laufzeit der von David Gest produzierten filmischen Verbeugung vor seinem Freund Michael Jackson.
Bei einigen Interviewpartnern setzte Gest auf Nummer sicher, denn Mama Katherine, Bruder Tito und Schwester Rebbie sind - auch und gerade in der Fanszene - angesehen und somit glaubwürdig. Einige der weiteren Gesprächspartner wie Jackson-Biograf Randy Tarraborelli, Frank Cascio (auch ein Freund, der an einigen Stücken des "Michael"-Album mitgearbeitet hat) und Ex- und Wieder-Manager Jacksons Frank Dileo, sind hingegen umstritten. Dennoch ist eine sehenswerte informative und respektvolle Dokumentation entstanden. Viele Motownmusiker kommen ebenso zu Wort wie Whitney Houston oder das Sangesduo "Ashford & Simpson". (Mittlerweile sind sowohl Frank Dileo als auch Nickolas Ashford bedauerlicherweise verstorben).
Klar, dass vieles für Fans schon bekannt ist. Der Drill durch Vater Joseph (der von seinen Kindern nur Joseph genannt wurde, nie Dad), erste Erfahrungen in Nachtclubs, erster Plattenvertrag bei Steeltown Records, dann die angebliche Entdeckung durch Diana Ross für Motown. Auch die Unzufriedenheit der Jackson-Brüder, die später ja ihre eigenen Songs schreiben wollten, sich bei Barry Gordy und seinem Label Motown damit aber nie durchsetzen konnten.
Neu könnte für einige Interessierte aber schon sein, dass nicht nur Vater Joe, sondern auch Bobby Taylor von der Motown-Band Vancouvers die Jackson 5 und vor allem Michael förderte - und auch die Motown-Platte (Diana Ross presents the Jackson 5) mit ihnen produzierte. Ausführlich kommt Taylor in dieser Dokumentation zu Wort. Die Dokumentation greift auch die umstrittenen Themen wie Schönheitsoperationen und Drogen-/Medikamentenabhängigkeit durchaus kritisch aber eben auch respektvoll auf - und bringt die Medikamentenabhängigkeit in inhaltlichen Zusammenhang mit dem Unfall bei einem Pepsi-Werbespot, Michael Jacksons Schlaflosigkeit und auch damit, wie sehr ihm die Kindesmissbrauchsvorwürfe und die -verhandlungen zugesetzt haben. Folgerichtig ist auch ein kurzer Clip zu sehen, der Michael Jackson am Arm von Liz Taylor zeigt, wie er auf dem roten Teppich zu seiner 30-Jahre-Solojubiläumsshow läuft - und sichtlich unter Medikamenteneinfluss steht.
"The life of an Icon" unterscheidet sich ebenfalls sehr von anderen Jackson-Dokus, weil Originalsongs im Hintergrund gespielt werden. Einziger Kritikpunkt ist die deutsche Blu-ray-Umsetzung. Es gibt eine deutsche Tonspur und deutsche Untertitel. Sieht man nun den Film in der deutschen Version, braucht man dennoch die Untertitel, da auch die Namen der Interviewpartner nur in dieser Untertitelspur sichtbar sind. Das hätte sinnvoller gelöst werden müssen. Die Blu-ray wird durch zusätzliche 90 Minuten an Interviews abgerundet, die ich aber noch nicht angesehen habe. Dementsprechend wird diese Rezension von mir noch ergänzt, wenn ich auch mit dem Bonusmaterial durch bin. Das Cover liegt übrigens als Wendecover vor, somit muss der Fan nicht mit dem entstellten FSK-Logo-Cover leben.
Die Dokumentation "Michael Jackson - The life of an Icon" zeigt neben zahlreichen Fotos aus unterschiedlichen Archiven auch einiges an filmischem Archivmaterial. So ist beispielsweise der Pepsi-Unfall als Filmclip ebenso enthalten wie einige Live-Auftritte Michaels. Dies allerdings in eher mauer Bildqualität. Ansonsten ist die Bildqualität dieses Films typisch für Dokumentationen, die unterschiedliches Quellmaterial nutzen. Während die aktuellen Interviews mit einer professionellen Kameracrew aufgenommen wurden, sind andere Filmquellen von Bild- und Tonqualität her nicht auf Blu-ray und HD-Niveau.
Einige Male kommt Michael Jackson auch selbst zu Wort. Dafür wurden ältere Tonbandaufnahmen Tarraborellis verwendet und mit Bildmaterial unterlegt. Gefiel mir recht gut, dass der King of Pop somit auch selbst zu hören war.
Insgesamt eine sehenswerte und durchaus diskussionswürdige Dokumentation, in der der Produzent und Michael-Jackson-Freund David Gest nicht nur die "üblichen Verdächtigen" sprechen lässt, sondern auch kritische Stimmen untermischt und beleuchtet. Ein respektvoller und fairer Film ist ihm geglückt - und mir somit volle fünf amazon-Sterne wert!