Regisseur Tony Gilroy fiel bisher mehr als Drehbuchautor (z. B. mit der "Bourne-Reihe") auf. Tilda Swinton bekam für Ihre Nebenrolle als Karen Crowder einen Oscar. Außerdem war der Thriller aus 2009 für sechs weitere Oscars und vier Golden Globes nominiert, ging dabei aber leer aus.
STORY
Die Grundlage für die Story ist nicht unbedingt neu: Eine scheinbar seriöse und anständige große Firma, die mit Agrarprodukten handelt, nimmt aus Profitgier gesundheitliche Schäden bei den Produktabnehmern in Kauf. Die Firma ist inzwischen angeklagt und wird von dem Topanwalt Arthur Edens (Tom Wilkinson), der zu einer großen Kanzlei gehört, vertreten. Edens, der sich seit Jahren mit dem Fall beschäftigt, bekommt, nachdem er inzwischen von den schändlichen Taten seines Klienten weiß, Skrupel und ethische Bedenken. Praktisch will er zur Gegenseite überlaufen, erlebt währenddessen einen Nervenzusammenbruch und wird somit zum Risiko für seine Kanzlei, aber noch mehr für seinen Klienten. Nun kommt Michael Clayton (George Clooney) auf den Plan, ein Kollege Edens', der aber weniger als Anwalt, sondern mehr als "Mädchen für Alles" in der Kanzlei arbeitet und dessen Aufgabe es ist, die besonders kniffligen, unsauberen Fälle im Hintergrund positiv für Klient und Kanzlei zu beeinflussen und Probleme aller Arten möglichst geräuschlos zu beseitigen.
INTERPRETATION
Die Story bewegt sich von dem Fall weg zur eigentlichen Lebensgeschichte von Michael Clayton. Clayton fühlt sich in seiner Rolle, die er in der Kanzlei inne hat, nicht gewürdigt, würde lieber als richtiger Anwalt arbeiten, ist geschieden und - dank seines Bruders - verschuldet. Zu seinem Sohn hat er keine wirklich von Nähe erfüllte Beziehung und er leidet unter Spielsucht. Trotz all dieser zahlreichen ungünstigen Voraussetzungen erledigt er seinen Job auf beeindruckendem Niveau und zuverlässig, kann man sich auf ihn als Vater und Bruder letztlich verlassen. In diesem Fall muss er manche Grenzen überschreiten, tut das Richtige, und sorgt für eine gerechte Wendung der Angelegenheit, ist aber doch wieder nicht der gefeierte Star oder große Gewinner, sondern der Mann im Hintergrund, der die Drecksarbeit mit Stil verrichtet.
Während die Ausgangsstory nichts Besonderes ist, spielen sich vor allem die einzelnen Charaktere der Haupt- aber auch Nebenrollen in den Vordergrund und dies mit durchweg guten schauspielerischen Leistungen. Die Charakterstudien sind der eigentliche Film, die Handlung eher nebensächlich. Das wird gut, detailliert und professionell umgesetzt. Vor allem für George Clooney, den man sonst schon mal als ein wenig farblos oder einseitig erleben kann, scheint diese Rolle maßgeschneidert zu sein.
WERTUNG
Dank der schauspielerischen Leistungen und der interessanten Personality-Storys: Vier Sterne.