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La la la
 
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La la la [Taschenbuch]

Mian Mian , Karin Hasselblatt
3.1 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (11 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 181 Seiten
  • Verlag: Kiepenheuer & Witsch; Auflage: 1., Aufl. (Oktober 2000)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3462029509
  • ISBN-13: 978-3462029505
  • Größe und/oder Gewicht: 19 x 12 x 1,2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.1 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (11 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 409.713 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Mianmian
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Produktbeschreibungen

Neue Zürcher Zeitung

Making Whoopie in Schanghai

Die coole Mianmian übt sich brav im Schockieren

Zu sagen haben sie meist nicht viel, aber sie tun es wortreich, wobei «Ich» die meistgebrauchte Vokabel ist. In assoziativer Ausgiebigkeit kreisen sie um ihren eigenen Nabel, den sie für die Welt und also für wichtig halten. Sie haben Befindlichkeiten (Aufgedrehtheit oder Abgeschlafftheit, Allmachts- oder Ohnmachtsphantasien) und Gefühle (Geilheit, Weltschmerz, Leere), und das reicht ihnen als Sujet. Im deutschsprachigen Raum der ausgehenden Neunziger hiessen sie Benjamin Lebert («Crazy»), Benjamin von Stuckrad-Barre («Soloalbum») oder Alexa Hennig von Lange («Relax»; «Ich bin's»), sie sind Teenager (Lebert) oder auch späte Twens und haben sowohl Joseph Beuys' als auch Andy Warhols Maximen tief verinnerlicht: jeder ein Künstler, jeder ein Star von eigenen Gnaden. Selbststilisierung und Selbstinszenierung sind die Hauptbestandteile ihres Projekts der Herstellung szenemässiger Berühmtheit vom geistigen Nährwert einer Fünf-Minuten-Terrine.

Längst gibt es mit «Pop-» oder «Junk-Literatur» ein Etikett für ihre trashigen Erzeugnisse, die natürlich Vorläufer haben. In Japan beispielsweise verfasste Yasuo Tanaka (Jahrgang 1956) bereits vor zwanzig Jahren seinen aus kurzen Dialogen, Gedankenfetzen und Firmennamen komponierten Bestseller «Nantonaku, kurisutaru» (dt. «Kristall Kids», 1987) über das Lebensgefühl von Japans «Kristall-Generation», deren Wertekanon von teuren Designermarken und krudem Materialismus bestimmt wird. Auch die Volksrepublik China, nach Mao mittlerweile dem Konsum als neuer Religion in glitzernden Tempeln huldigend, hat in den achtziger Jahren ihre Spielart von Popautoren hervorgebracht, deren bekanntester, der Pekinger «Rüpel» (pizi) Wang Shuo, auch bis zu uns vorgedrungen ist («Herzklopfen heisst das Spiel», «Oberchaoten», dt. 1995 bzw. 1997).

Boomtown-Generation

Nun gewährt uns das deutschsprachige Début der Schanghaier Autorin Shen Wang, die sich aus nicht näher erläuterten Gründen Mianmian («Baumwolle») nennt und deren Alter mit «Ende zwanzig» angegeben wird, Einblick in das Lebensgefühl der Schanghaier Variante der Boomtown-Generation. Diese ist, falls überhaupt möglich, noch zynischer, noch hedonistischer, noch promiskuitiver, als es Tanakas oder Wangs Helden je waren, und sie wird – das ist etwas Neues, fügt es doch die Komponente der Larmoyanz hinzu – aus der Sicht einer Frau beschrieben. Den Titel des Bändchens «La la la» mit vier ihrer 1997 zum Teil bereits in Hongkong veröffentlichten Erzähltexte ziert eine halb angeschnittene Foto Shens in verruchter Pose: schulterfrei, mit halb geschlossenen Lidern unter Ponyfransen und vorgeschobenem Unterkiefer lässig an einer Zigarette saugend. Damit ist der Grundakkord angeschlagen, denn was die Autorin zu sagen hat, zitiert die Umschlagwerbung zutreffend aus einem Interview: «Mein Buch ist wie mein Leben: sex, drugs and rock'n'roll. Allerdings ist es in Wirklichkeit noch viel schlimmer als im Buch.» Oh la la, bitte anschnallen.

Mianmian schreibt in der Ich-Form, die Protagonisten ihrer autobiographischen Selbstvergewisserungsversuche heissen Mr. Chocolate, Apple oder Flag, Cat, Miracle Fruit, Faded Flower oder Running Water, auch San Mao oder Saining. Sie sind Tagediebe, Musiker, «Dichter», kurzum «selbst ernannte Künstler» mit Macho-Gehabe und allesamt eifrige Clubbesucher und Partygänger: «Schanghai ist schön. Wie eine Bühne, nur haben die Schauspieler keinen Text. Am Wochenende geht es zur Party, und man trifft an verschiedenen Orten oft immer die gleichen Leute, das ist das Ödeste daran und zugleich das Interessanteste.» Um zu zeigen, in welcher Tradition die Autorin sich sieht, ficht sie angelegentlich Zitate von Allen Ginsberg und Jim Morrison in ihr mäandernes, zuweilen delirierendes Geschwafel ein, lässt Namen einschlägiger Literatur- und Popgrössen wie Marcel Proust, Kurt Cobain, Red Hot Chili Peppers oder Cui Jian fallen und gebraucht auch schon mal sperrige Fremdwörter, um die Drogenexperimente ihrer Hauptfiguren zu beschreiben.

Die auch sexuell recht experimentierfreudige Ich-Erzählerin in der Titelerzählung kommt allerdings genau wie ihre weiblichen Pendants in den anderen Texten aus ihrer Weibchenrolle nie heraus: «Ich bin so schwach und liebesbedürftig, ich kenne meine bedauernswerten Seiten und kann meinen Narzissmus gut zur Schau stellen.» Wenn sie nicht gerade total cool «Liebe macht» oder einen Selbstmordversuch inszeniert, total uncool mit ihrem Lover um die Wette weint oder sich mit Alkohol und Heroin zudröhnt, stellt sie sich so weltbewegende Fragen wie «Was ist die Wahrheit des Orgasmus?» oder «Scheisse, haben wir um der Freiheit willen die Kontrolle verloren, oder ist die Freiheit selbst ein Kontrollverlust?». Für die KP Chinas ganz bestimmt!, möchte man ihr zurufen, aber da ist die inzwischen von der Drogensucht Geläuterte bereits auf und davon und schmiert uns ihr Credo aufs Brot: «Ich bin empfindsam, aber nicht weise. Ich bin rebellisch, aber nicht standhaft. Ich denke, das ist mein Problem.»

Narzisstisch und ziemlich humorlos

Was ist nun an der Literatur von Mianmian modern? Dass sie narzisstisch und ziemlich humorlos die Zurschaustellung individualistischer Lebenshaltungen zelebriert? Dass sie zugunsten der affektierten Selbstdarstellung einer wachsenden Anzahl von Yuppies, aufstiegsorientierter Neo-Bourgeois oder Drop-Outs die Übernahme intellektueller Verantwortung für die vielen Sprachlosen der neuen Zeit verweigert? «Was ich will, ist, meine Launen unter Kontrolle zu bringen und mein Leben in ein Kunstwerk zu verwandeln, auch wenn das Publikum für dieses Kunstwerk nur aus mir selbst besteht.» Der Fortschritt ist eine Schnecke, die Pirouetten dreht. Erbauen wir uns also an der Erkenntnis, dass auch im heutigen Schanghai wie schon in den dekadenten vorkommunistischen Zwanzigern und Dreissigern des vergangenen Jahrhunderts Drogen und Promiskuität an der Tagesordnung sind – zumindest in gewissen Kreisen: Willkommen im Klub.

Fragt man sich inzwischen ja bei vielen Büchern, warum sie wohl geschrieben wurden, so kommt im Fall der Texte von Mianmian noch die Frage hinzu, warum sie übersetzt wurden. Letzteres dürfte am einst von Wolf Biermann auf den Punkt gebrachten Pawlow-Reflex liegen, der im Hinblick auf die Gegenwartsliteratur aus China noch immer funktioniert: «. . . denn was verboten ist, / das macht uns grade scharf». Dass Zensureingriffe als Qualitätsnachweis taugen, ist zwar zu bezweifeln, als Argument für hiesige Verlage, sich überhaupt auf chinesische Literatur einzulassen, taugen sie leider allemal. Mianmian hatte jedenfalls Glück: Ihre Texte wurden in der Volksrepublik verboten und also hierzulande herausgebracht. Ihr «Kultbuch» bedient ausserdem ganz prima hiesige neoexotistische Klischees vom «neuen, wilden China» (Klappentext). Unsereins, ennuyiert von derlei literarischen Scherzen, ist wahrscheinlich einfach zu alt, um darin noch Satire, Ironie oder gar tiefere Bedeutung entdecken zu können.

Christiane Hammer

Kurzbeschreibung

"Mein Buch ist wie mein Leben: sex, drugs & rock'n'roll. Allerdings ist es in Wirklichkeit noch viel extremer als im Buch."(Mianmian im ZEITmagazin)
Mianmian, die eigenwilligste und derzeit interessanteste junge Autorin aus dem Reich der Mitte, erzählt in ihren vier fast autobiografischen Geschichten "La La La" von Liebe, die wie Gift ist, von Nächten, die voller Musik sind, und von Mädchen, die Schokolade wie die Luft zum Leben brauchen. In der Jugendszene von Peking, Shanghai und anderen Millionenstädten ist "La La La" ein Kultbuch, von dem Raubkopien kursieren. Der Erzählungsband wurde in China drei Tage nach Erscheinen von der Zensur aus dem Verkehr gezogen. Mianmian beschreibt die schmutzige Seite des neuen, wilden Chinas, schildert eine Welt, die es offiziell im Roten Reich nicht geben darf: die Welt der Drogen, der Lesben und Schwulen, der Prostitution. Das aber tut sie mit großer Poesie. "La La La", das auch in Italien veröffentlicht wird, erscheint in Deutschland in einer unzensierten und von der Autorin überarbeiteten Version.
Mianmian ("Baumwolle", Künstlername von Shen Wang), Ende zwanzig, Schriftstellerin aus Shanghai, Rock Show&Rave Promoterin. Begann im Alter von 15 Jahren mit dem Schreiben. Erste Kurzgeschichten wurden 1997 im angesehenen chinesischen Literaturmagazin "Xiaoshou Jie" veröffentlicht, Ende 1997 erschien "La La La" in Hongkong, im Frühjahr 2000 folgte ihr erster Roman "Candy", der innerhalb der ersten zwei Monate 40.000 Mal verkauft wurde. Zurzeit arbeitet Mianmian an dem Independent Film "Shanghai Baby", zu dem sie das Drehbuch geschrieben hat und in dem sie zum ersten Mal als Schauspielerin auftreten wird.

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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen Scherben bringen Glück?!, 4. August 2002
Rezension bezieht sich auf: La la la (Taschenbuch)
Auch wenn mich die ungewöhnliche Sprache mit den einfachen, oft unzusammenhängend scheinenden Sätzen und den merkwürdigen Metaphern anfänglich irritierte, hat mich MianMian's Geschichte über das Leben junger, eigensinniger Menschen, deren Wege sich im Neonlicht Chinas kreuzen und ihrer Suche nach menschlicher Nähe und ihrer persönlichen Vorstellung von Glück beschäftigt und berührt.
Vielleicht nichts für Liebhaber klassischer Literatur und glücklichen Liebesgeschichten, aber in jedem Fall ein interessantes Buch für diejenigen, die Lust auf Neues und ein wenig Abgedrehtes haben.
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen Das Prinzip Hoffnung?, 3. September 2001
Von 
Rezension bezieht sich auf: La la la (Taschenbuch)
Mianmians Buch beschreibt eine Wirklichkeit, die den Machthabern in Beijing zweifellos widerstrebt. Es sind dies Zustände, die - zumindest teilweise - an Europa und Nordamerika der späten 70er und frühen 80er Jahre erinnern. Die Probleme Alkoholismus, Drogenkonsum stehen symptomatisch für die Realitätsüberdrüssigkeit einer Generation. Diese Themen werden in einfacher Sprache, wobei das Problem der Übersetzung zu beachten ist, aus der Sicht junger Frauen erzählt, die sich in einer Sackgasse befinden. Das Buch stimmt traurig, und wie der Klappentext die Autorin zitiert, ist die Realität mit Sicherheit schlimmer. Grade in einer Zeit, in der mit der Vergabe der olympischen Spiele 2008 nach Beijing das Augenmerk der Weltöffentlichkeit auf der VR liegen (sollte), kann ein solches Buch vielleicht Hoffnung wecken, sensibilisieren. Allerdings fehlt die sprachliche Eindringlichkeit, sowie eine formale Geschlossenheit: An vielen Stellen entsteht ein Gefühl des Bruchs. Trotzdem ein nur zu empfehlendes Buch.
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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
2.0 von 5 Sternen Big Brother im Paperback, 20. September 2001
Rezension bezieht sich auf: La la la (Taschenbuch)
Ein Dramolettchen zwischen Heavy Metal und Alu-Löffel, Oswaldkolle und Pippilangstrumpf. Zersplittertes Gezeter im Dämmerlicht chinesischer Postmodernder. Es schmerzt, zu spüren, wie eine Jung(e)frau die sexuelle Revoltion nachzuspielen versucht. Trübe Stimmungen, manchmal, auch verschrobene Sprache, aber nicht genug für Engrammierung. Worum ging es noch? Ach ja, Tratsch und Klatsch - Big Brother im Paperback. ma ma hu hu - so lala eben! Lesen vielleicht, aber kaufen auf gar keinen Fall!
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