Das war DAS Duell der 80er Jahre. Während David Hasselhoff mit seinem selbstfahrenden Auto eher das kindliche Publikum bediente, versorgte uns Don Johnson alias Detective Sonny Crockett mit seinem nicht minder cool gestylten Partner Ricardo Tubbs mit Armani Anzügen zu neonfarbenen T-Shirts, einem pechschwarzen italienischem Höllengefährt (Ferrari) und ultracoolen Sprüchen. Miami Vice ist definitiv ein Kind der 80er Jahre und hat dieses Jahrzehnt nachhaltig beeinflusst.
Crockett ist Undercover Agent bei der Drogenbehörde in Miami. Als Sonny Burnett lebt er auf einer Yacht gemeinsam mit seinem gefräßigen Alligator Elvis. Dazu fährt er noch eines dieser schnittigen Speed-Boote, die in einer Minute so viel Sprit fressen, wie mein Opel von Wien nach Salzburg. Aus New York kommt, eigentlich nur für den einen Fall Rico Tubbs, der sich dann aber doch entschliesst, rauchende Kanalöffnungen (NYC) gegen Palmen und Designeranzüge zu tauschen und Crocketts Partner zu werden - Wer würde das nicht?!
Die ganze Serie ist auf ultra-cool gedreht, an luxuriösen Locations, mit schönen Frauen, teuren Autos etc. Während Michael Knight mit seiner Foundation hilflosen Frauen zu Hilfe eilt, machen die Frauen in Miami den Männern Feuer unterm Hintern. Auch der reale Gewaltfaktor ist viel höher. In Miami sind Kugeln tödlich, bei KITT prallen die Dinger ja einfach ab. (Was mit den vielen Querschlägern wohl passiert ist....) Der größte Unterschied allerdings ist, und meiner Ansicht der wichtigste, Miami Vice legt großen Wert auf die Vermittlung eines Lebensgefühls, es geht um Simmungen. Wenn Crockett durch die neongefärbte Nacht von Miami im Cabrio zu Phil Collins' In the Air tonight' rauscht, dann am Strand stoppt und sich auf der Motorhaube sitzend eine Lucky Strike anheizt, dann werden wir hineingezogen in die nächliche Landschaft, fühlen uns auch frei und unabhängig, zumindest für einen Moment (Lucky hab ich grad keine, aber eine Camel tut's auch). Keine Frage wäre das Konzept ohne die genial angepasste Musik von Jan Hammer nur die Hälfte Wert. In einigen späteren Folgen wird allerdings dieses Konzept stark übertrieben. Mal ganz abgesehen davon, ist Don Johnson ein wesentlich glaubwürdigerer Darsteller eines Verbrecherjägers, die künstlichen Tränen von Bademeister Hasselhoff dagegen...
Fazit: Michael Mann (Insider, Heat, Ali) hat mit Miami Vice den MTV- Stil ins reguläre Fernsehprogramm gebracht. Seither ist er von dort nicht mehr wegzudenken. Wer also den Jet-Set der 80er, coole Typen, den Sound von Yello, Phil Collins (spielt selber mit!) und Jan Hammer mag, der sollte hier zugreifen. Auch wenn eine DVD mit vielen Extras sicher die bessere Wahl wäre.