Als es erschienen ist, ist Massive Attacks "Mezzanine" zunächst ziemlich an mir vorrübergegangen. Zwar bin ich auf die Gruppe bereits durch "Unfinished Sympathy" vom Debüt aufmerksam geworden, bin aber erst viel später wirklich auf den Geschmack gekommen.
Dabei muss gleich vorweck genommen werden, dass Mezzanine wesentlich mehr als nur irgendein Trip-Hop oder Downbeat Album ist. Es ist eine dieser Scheiben von denen in jedem Jahrzehnt kaum mehr als eine Handvoll erscheinen. Eins von denen, die mit einer bestimmten Epoche der Musik untrennbar verknüpft sind. Wenn Leute sich in einigen Jahrzehnten über die Musik der 90iger unterhalten, werden dabei sicherlich auch die Namen Massive Attack und Mezzanine fallen, so wie man heute über Jimi Hendrix oder die Beattles redet. Mezzanine ist eine Scheibe für die Ewigkeit (Schade für Massive Attack, die hier wohl niemals wieder anknüpfen können; die Gruppe ist mittlerweile auch ziemlich ausseinander gebrochen).
Nun aber zur Musik selbst. Leute älteren Semesters werden sich vielleicht an Teardrop erinneren (das Video mit dem Embryo). Vielleicht werden sie die Scheibe trotzdem (so wie ich zuerst) ingnoriert haben. Teardrop ist eine Nummer, die meiner Meinung nach erst im Rahmen dieses Albums ihre Wirkung wirklich entfaltet. Dabei ragt sie gar nicht mal sonderlich heraus. Das liegt nicht etwa daran, dass dies einer der schwächeren Tracks ist, sondern das Mezzanine vom ersten bis zum letzten Moment ein perfektes Album ist. Sobald man die CD started, scheint einem der Käfer vom Albumcover unaufhaltsam mitten in das Gehirn rein zu krichen ;)
Direkt mit dem starken Opener "Angel" wird eine Spannung aufgenbaut, die lückenlos bis zum Ende aufrechterhalten wird und mit "(Exchange)" (auf würdige Weise) ausklingt. Die Musik ist dunkel, melancholisch, emotional. Es macht eigentlich kaum Sinn jeden Track dieses Albums einzeln zu würdigen. Es gibt einfach keinen schwachen Moment. Die einzige Empfehlung die ich geben kann ist: Zieht euch das Teil rein. Die Musik hat auch nach all diesen Jahren kein Stück ihrer Wirksamkeit verloren. Die vielen verschieden Vocalisten (darunter unter anderem Jamaicas Urgestein Horace Andy) fügen sich allesamt perfekt in die Stimmung der jeweiligen Tracks ein.
Man muss keineswegs eingefleischter Trip-Hop Fan sein, um diese Scheibe zu mögen. Mich hat jedenfalls überhaupt erst Mezzanine auf Downbeat Musik gebracht (und ich habe noch nichts wirklich vergleichbares gefunden). Eine gewisse Aufgeschlossenheit gegenüber langsamer, düsterer Musik ist aber wahrscheinlich schon nötig. Auch sollte man keine "Genre-Engstirnigkeit" mitbringen.