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Der Albumtitel ist nicht schlecht gewählt, denn die Band hält einen tatsächlich gebannt vor den Boxen fest, voller Neugier, was für ein schräger Break ihnen als nächster einfällt. Das zart gezupfte Intro Soldier Side lässt einen die brachiale Gewalt vom folgenden B.Y.O.B um so heftiger spüren, die Kombination von Brachial-Metal und Chanson bekommen SOAD bei Radio/Video bruchlos auf die Reihe, und der extrem böse Text zu Violent Pornography wird mit einem hymnischen Refrain versehen, der so herrlich gar nix mit dem gesungenen Text zu tun hat. Die überbordende Kreativität der Musiker wird von Produktions-Meister Rick Rubin in ein transparentes, aber recht zurückhaltendes Soundgewand gesteckt, was die Komplexität der Musik besser zur Geltung kommen lässt.
Mit Mesmerize haben System Of A Down erneut bewiesen, daß sie in einer eigenen Klasse spielen. Der einzige Maßstab sind die Vorgänger-Alben, und die haben sie unglaublicherweise noch mal locker getoppt. -- Deborah Denzer
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Glücklicherweise haben sich die Kerninhalte der Ausnahmeband nicht drastisch verändert – was aber auch bei der vorher schon geballten Energie eigentlich nur nach hinten losgehen hätte können. Die 11 Songs des Albums klingen alle frisch und der aktuellen Zeit angepasst, besitzen jedoch noch immer die unverfälschte System of A Down Mentalität. Noch stärker kommt nun das Schlagzeugspiel des genialen Drummers John Dalmayans zum Tragen – er gibt nun auch auf dem Doublebass Gas, welches er auf den vorherigen Alben nicht spielte, da er normalerweise eher auf schnelle, brutale Handakrobatik setzt.
Der größte Unterschied zu den Vorgängern sticht einem relativ schnell ins Ohr:
Daron Malakian, der Gitarrist, der schon auf den Vorgängern teilweise Serj Tankian im Gesang ergänzte, greift nun auch immer mehr ins Lead-Vocal mit ein. Seine Kreativität zeigt sich auch stark in Texten & Musik, welche zu großer Mehrheit seiner Feder entstammen. Desweiteren nimmt er auch als Co-Producer Einfluss auf die Produktion. Daron entwickelt sich mehr und mehr zum Mastermind der Band. Natürlich ist der, für den Zuhörer, auffälligste Teil der Gesang Darons. Und im Gegensatz zu vielen anderen Hörern, bin ich hiervon sehr angetan.
Der Grund ist schwierig zu erklären & dennoch ziemlich einfach: Serj ist ohne Zweifel ein herausragender Sänger, der Verrücktheit & fast alle Arten von Gefühlen dermaßen genial rüber bringt, dass es schier unglaublich ist. Allerdings eben nur fast... denn es gibt manche, von Daron gesungene Textpassagen, die durch ihn perfekt wiedergegeben werden können. Sicher besitzt Daron nicht die variable Bandbreite von Serj, er besitzt nicht die teils poetische Lyrikdarstellung des Frontmanns und auch hat er nicht solch ein Timbre aber er besitzt eine solche Intensität in seiner Stimme, die tiefste Trauer, Verrücktheit & Überdrehtheit darstellen kann, dass es einen schon ins Mark treffen kann. Außerdem besitzt er eine sehr markante (recht hohe) Stimme, welche nicht sehr oft im Musikbusiness anzutreffen ist. Ungewöhnlich & gewöhnungsbedürftig, aber ich finde sie mittlerweile einfach nur toll. Serj ist und bleibt jedoch die wichtige & insgesamt definitiv bessere Stimme der Band.
Und damit tritt der gravierendste Unterschied der „neuen“ Musik der Band auf:
mit den nunmehr zwei direkten Frontsängern gibt es nun brutale Gesangswechsel, die schneller erfolgen können, da einer verschnaufen kann, während der andere schon wieder singt. Außerdem werden nun jedem Sänger ganze Passagen eingeteilt, so dass diese öfter Wechseln. Daron ist nun nicht mehr nur Ergänzung, sondern Teil des Leadvocals.
Die Texte sind mindestens genauso politisch wie zuvor, wenn nicht sogar teils noch etwas treffender. Hier ist beispielsweise der Song „Sad Statue“ zu nennen mit seiner Refrainzeile, welche die politische Einstellung der Band sehr präzise darstellt: "We'll all go down in history - With a sad Statue Of Liberty - And a generation that didn't agree."
Bush wird nach wie vor stark angegriffen für seine politische Führung. Die Freiheitsstatue stellt, symbolisch, Werte wie Freiheit, Gerechtigkeit sowie die Gesellschaft etc. dar. Auch das Volk stellt sich nicht mehr geschlossen hinter ihre Führungsriegen, welche in der heutigen Zeit bedauerlicherweise die wenigste Zeit wirklich die Interessen des Volkes vertreten.
Allein in diese kleine Passage kann man mit ein wenig Vorstellungskraft noch dermaßen viel hinein interpretieren, dass einem schon fast übel werden kann. Auch die erste Single „B.Y.O.B (Bring your own Bombs)“ reiht sich in der offenen Kritik an der Regierung ein & es wird kein Blatt vor den Mund genommen.
Hier wird deutlich, dass System of A Down weiterhin ihre politischen Texte bietet. Viele der Texte auf dem Album sind jedoch weiterhin von Metaphern durchzogen, mit symbolischer Darstellung gespickt, so dass es viele verschiedene Auslegungen der Bedeutung gibt – dies ist immer noch eine der großen Stärken der Band! Jeder kann, wenn er will, in den Liedern die Bedeutung finden, die ihm am „liebsten“ ist.
Die anderen Lieder der Platte sind nicht minder interessant, hier einige Beispiele:
„Revenga“ & „Cigaro“ kommen mit brutaler Gewalt daher, da springt jedem Metal Fan das Herz höher.
Das geniale „Radio/Video“ kommt ungewohnt mit einen Ziehharmonika-Mittelteil daher, der mich persönlich irgendwie an ein Zigeunerlager erinnert – allerdings wohl eines der irrwitzigsten Lieder der Platte darstellt.
„Question“ (mitgeschrieben von Tankian) ist eine mit Akustikgitarre begleitete „Ballade“ mit hartem Refrain, der in einer solchen Speedmetal-Spitze endet, dass einem der Atem stockt.
Das letzte Lied „Lost in Hollywood“, eine (echte) Ballade, fast komplett von Daron gesungen, avanciert nach mehrmaligem Hören zu einem der besten Lieder auf dem Album. Wunderschöne Melodie gepaart mit einem genial-traurigen Text und mal ohne die berühmten Rhythmuswechsel.
Abschließend bleibt zu sagen, dass mir der neue Stil der Band sehr gut gefällt. Der neue verstärkte Doppelgesang, das Doppelbassspiel sind kleine Verbesserungen der bereits starken Vorstellungen der Vergangenheit. Die berühmten schnellen Rhythmus- & Gesangswechsel sind weiterhin auf hohen Niveau gegeben. Evolution statt Revolution wäre hier passend.
Kleine Kritikpunkte sind, dass Serj durch Daron manchmal etwas zu sehr ins Hintertreffen gerät & dass die Spieldauer mit ca. 35 Minuten doch relativ kurz ist. Jedoch fällt dies nicht sehr stark ins Gewicht, da es ja nur ein Teil des Doppels Mezmerize/Hypnotize darstellt & da diese „halbe Stunde“ so viele außergewöhnliche Ideen hervorbringt, nach denen sich andere Bands nur die Finger lecken können.
Unglaublich; was niemand hätte erwarten können ist m. E. geschehen: System of A Down legen die Latte noch ein Stückchen höher, denn ihr neues Album (die Kombination Mezmerize/Hypnotize zusammen) platziert sich knapp noch über dem Meilenstein „Toxicity“!
01. Soldier Side
Ein super Intro! Macht richtig Lust auf die CD... 8/10
02. B.Y.O.B.
Sollte ja mittlerweile jeder kennen. Steigerts sich nach jedem Hören. Schön auch, dass der Refrain recht poppig gehalten ist. 9/10
03. Revenga
Ein mittelschneller Song mit großem Solo und ebenfalls großem Finale. Insgesamt jedoch der schwächset Song. 7/10
04. Cigaro
Der Song geht einfach nur ab! SOAD in altbewährter Stärke. 9/10
05. Radio/Video
Mein absoluter Lieblingssong. Toller Refrain + poppige Strophe = bester Song von SOAD aller Zeiten??? 10/10
06. This Cocaine Makes Me Feel Like I'm On This Song
Ein ähnliches Brett wie Cigaro. 8/10
07. Violent Pornography
Kein wirklich schneller Song mit super Gitarre. Großes 2.Single-Potential. 9/10
08. Question!
Irgendwie mochte ich schon immer die Songs mit ruhigen und harten Stellen in einem, à la Chop Suey!, am liebsten. 10/10
09. Sad Statue
Auch ziemlich gut: Hymnischer Refrain zum Mitsingen und super schnelle Strophe zum Abgehen. 10/10
10. Old School Hollywood
Sehr stranger Song. Einer der verrücktesten Songs, den SOAD je erschaffen haben. Techno-Vokals begleiten einen typischen SOAD-Song. Zuerst erschreckt das - mir gefällt's mittlerweile: 8/10
11. Lost In Hollywood
Schöne Ballade (der längste Song) zum Schluss, die tatsächlich ein bisschen an das grandiose Street Spirit von Radiohead erinnert. 9/10
FAZIT: Am liebsten hätte ich 4,5 Punkte gegeben, nur weil mich das Album so positiv überrascht hat, habe ich dann doch 5 statt 4 gegeben. Ein würdiger Nachfolger. Außerdem ist noch anzumerken, dass der frühere Background-Sänger (mir fällt der Name nicht ein) wesentlich mehr singt als früher. Das ist keinesfalls schlecht. Von ihm wird z. B. das komplett Lost In Hollywood gesungen.
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